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ISTAF 2000 in Berlin

Olympia wichtiger als Jackpot

Hochkarätiges Sportfest in Berlin schließt Golden League ab

31.08.00 (fc) Das ISTAF 2000 hat für Rudi Thiel besonderen Charakter. 33 Jahre lang leitete er die Geschicke des Meetings in Berlin. Nun gibt er das Amt des Meeting Direktors ab. „Dieses ISTAF ist ein würdiger Abschluss. Ich hätte mir nichts Besseres wünschen können“, sagt Thiel im Hinblick auf die anstehende Veranstaltung und die hochklassige Besetzung, die zu 99 Prozent steht. Um den Jackpot der Golden League kämpfen in Berlin noch Maurice Greene, Trine Hattestad, Tatjana Kotova und Hicham El Guerrouj. Für viele Athleten ist das ISTAF der letzte Auftritt vor den Olympischen Spiele, die allen schon im Kopf herumschwirren. Trotzdem sind die nationalen und internationalen Leichtathletik-Asse gelöst und wissen um ihre Stärke. Als Höhepunkt des ISTAF sind die 5000 Meter der Frauen mit der Rumänin Gabriela Szabo, die den Weltrekord attackieren will, geplant. Außerdem kündigte der Algerier Ali Saidi-Sief über 3000 Meter eine neue Weltjahresbestzeit an.

Die Absage von Gail Devers (USA) musste Rudi Thiel hinnehmen. Die Hürdensprinterin teilte gestern endgültig mit, dass sie wegen einer leichten Verletzung nicht nach Berlin kommen wird. Im Hinblick auf den zu verteilenden Golden-League-Jackpot hat sie dies auch gar nicht nötig. Sie verbuchte bereits die dafür erforderlichen fünf Teilerfolge.

Alle vier Jackpot-Bewerber in Berlin
Sprintstar Maurice Greene (USA) sieht das Ganze eher locker. „Ich habe mir keine Gedanken wegen dem Jackpot gemacht“, meint er gelassen, „Meine Ziele für das ISTAF und Sydney sind klar. Ich will gewinnen.“ Etwas vorsichtiger äußert sich die norwegische Speerwerferin Trine Hattestad, die ebenfalls noch einen Sieg für den Goldpott benötigt: „Es wird hart, morgen zu gewinnen. Die besten Speerwerferinnen sind am Start. Ich werde mein Bestes bringen müssen.“ Neben Greene und Hattestad haben noch die russische Weitspringerin Tatjana Kotova, die erst heute in Berlin eintrifft, und Hicham El Guerrouj berechtige Hoffnungen auf den Jackpot, der aus 50 Kilo Gold im Gesamtwert von rund einer Million Deutscher Mark besteht.

1500-Meter-Weltmeister El Guerrouj hatte im Vorjahr in Berlin einen neuen Weltrekord über 2000 Meter aufgestellt, den er noch in bester Erinnerung hat. Diesmal ist auf seiner Standardstrecke eine Zeit um 3:27 Minuten angestrebt auf dem Weg zum olympischen Gold in Sydney. Der Saisonhöhepunkt ist klar definiert: „Die Olympischen Spiele sind mir wichtiger als die Golden League.“ Nicht zuletzt deshalb hat er sich in dieser Saison sehr rar gemacht und verbrachte mehr Zeit zuhause in Marokko zum Trainieren. Seinen Eltern hatte er dort seit dem letzten ISTAF ein Haus gebaut, das diesen aber dann zu groß war und so entschloss sich El Guerrouj ihnen ein kleineres Appartement zu kaufen, in dem sie nun mit seiner Schwester wohnen.

Johnson: „Ich erwarte, dass ich den Lauf als Erster beende“
Weitere Topstars der Veranstaltung sind Marion Jones und Michael Johnson. „Einen besonderen Druck spüre ich nicht“, sagt die Sprinterin im Hinblick auf die nahende Olympiade. Sie freut sich auf ihre beiden Starts im Olympiastadion über 100 Meter und in der Sprintstaffel, der sie sehr gelassen entgegen sieht: „Es geht nur darum, wie wir den Stab übergeben. Ich erwarte einfach nur einen guten Lauf. Außerdem gehe ich nicht davon aus, dass die morgige Besetzung auch in Sydney so aussehen wird.“ Die 24jährige strotzt derzeit nur so vor Selbstvertrauen: „Ich habe Vertrauen in mich und fürchte weder meine Gegnerinnen noch das Wetter in Australien.“

400-Meter-Star Michael Johnson (USA) umschreibt seine Erwartungen für das ISTAF kurz und knapp: „Es wird ein Lauf, ich werde starten, ich werde den Lauf beenden und ich werde ihn als Erster beenden.“ Die Zeit steht für den Weltrekordhalter etwas im Hintergrund: „Meine Zeiten waren in diesem Jahr schon gut genug, deshalb laufe ich nicht um die schnellste Zeit. Es geht für mich darum, dass ich mich nicht verletze und dann in Sydney mein schnellstes Rennen hinlege.“ Der Weltrekordhalter ist bereits seit Montag in Berlin und bestreitet am Sonntag noch einen Lauf im italienischen Rieti.

Lobinger: „Springe nur gegen mich und die Höhe“
Am Mittwoch nahm Stabhochspringer Danny Ecker an einer PR-Aktion an der Berliner Gedächtniskirche teil. Dort übersprang er 5,80 Meter und ist ein bisschen selbst überrascht von seiner exzellenten Form nach der langen Verletzungspause bis zur Jahresmitte. „Mein Ziel war die Olympiateilnahme, deshalb kann ich sehr unbeschwert in den Wettkampf in Sydney gehen.“ Er bedauert aber etwas, dass das ISTAF der letzte Test vor der Abreise ist. Tim Lobinger lässt sich als erfahrener Stabakrobat von der harten Konkurrenz bei den Golden-League-Meetings nicht mehr beeindrucken. „Ich kucke mir normalerweise die Startliste nie an. Es ist egal, ob ich gegen die Kreisbesten oder Weltbesten springe. Ich springe nur gegen mich und die Höhe.“ Was ihn aber erwartet, konnte er bei Danny Ecker erfahren, der das Feld analysierte: „Es ist gut wie immer. Es fehlt nur Maxim Tarasov, ansonsten ist die gesamte Weltelite am Start.“ Während der Eine die Stunden bis zum Wettkampf überwiegend im Athletenhotel verbringt, will Lobinger noch einen Ausflug zum Potsdamer Platz machen, um sich dort die Fortschritte des Bauvorhabens anzusehen.

Deutsche Olympiastarter nutzen ISTAF als Härtetest
Weitere deutsche Stabhochspringer beim ISTAF sind Michael Stolle und Lars Börgeling. Viele Olympiateilnehmer nutzen das Berliner Meeting als Bewährungsprobe für Sydney. Über 100 Meter kommen in den verschiedenen Läufen Marion Wagner, Andrea Philipp, Esther Möller, Gaby Rockmeier, Marc Blume, und Sabrina Mulrain zum Einsatz. Im Weitsprung der Frauen mischen mit Heike Drechsler, Susen Tiedtke, Sofia Schulte und Nicole Herschmann gleich vier Deutsche mit. Kristina Da Fonseca-Wollheim wird über 1500 Meter mit einer gehörigen Wut im Bauch antreten, nachdem sie die Olympiaqualifikation mit nur einer Normerfüllung verpasst hatte. Die Speerwerferinnen Tanja Damaske und Steffi Nerius schließen ihre Golden-League-Starts in Berlin ab. Über 110 Meter Hürden gilt es für Falk Balzer und Florian Schwarthoff, vor allem die US-Boys Dominique Arnold und Terrance Trammell zu beachten. Auf der längeren Hürdendistanz versucht Thomas Goller sein Glück. Im Hochsprung gehen Wolfgang Kreissig und Christian Rhoden nicht aussichtslos an den Start. Gespannt sein darf man auf das Dreisprung-Duell zwischen dem deutschen Weltmeister Charles Friedek und dem Weltjahresbesten Jonathan Edwards (GBR). Oliver-Sven Buder will im Kugelstoßen, bei dem auch Michael Mertens startet, seine aufsteigende Form bestätigen. Die Diskuswerfer Lars Riedel, Jürgen Schult und Michael Möllenbeck müssen sich mit dem Olympiafavoriten Virgilius Alekna (LIT) und dem Südafrikaner Frantz Kruger (RSA) auseinandersetzen. Weitere deutsche Teilnehmer beim ISTAF sind Luminita Zaituc, Juliane Sprenger, Lars Figura, Thomas Moede, Christian Schacht, Karsten Richter und Andreas Seelig.

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