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Meetings in Deutschland

Quo vadis, German Meetings?

Konzeption ruft nach Spagat zwischen Tradition und neuen Ideen

Um die bereits bestehende und dadurch sich weiterentwickelnde Gefahr weiß man auch beim Verband. „In dieser Vielzahl und Vielfalt ist kein einheitliches Produkt mehr wahrnehmbar.“ Die Leichtathletik in Deutschland schreit förmlich nach einer besser organisierten Veranstaltungslinie. Eine vorbereitende Arbeitsgruppe mit Vertretern des German Meetings e.V. und des DLV wurde bereits gebildet. Allerdings ist man bisher über ein Brainstorming nicht hinaus gekommen. „Es geht darum, abzustimmen, was denkbar wäre“, so Hensel, der eine enge Kooperation mit Ludwig Franz als Kopf der Meeting-Organisation sieht.

Managerin Michallek kritisiert Bevorzugung der Ausländer bei den deutschen Meetings

Wirft man einen Blick in die Felder der im Juli angesetzten deutschen Meetings, so fällt auf, dass selbst die nationale „zweite Reihe“ kaum die Startmöglichkeiten wahrnimmt. Vera Michallek, selbst Managerin von verschiedenen Aktiven, kritisiert: „Die Ausländer werden bevorzugt und besser honoriert.“ Hinzu kommt, dass die WM-Teilnehmer nach den Deutschen Meisterschaften wieder das Training in den Vordergrund stellen und zwei bis drei Wochen abtauchen. Diejenigen, die eine Startmöglichkeit suchen, kucken natürlich über ihre Manager auch auf die Startgelder. So kommt es, dass die schnellste Deutsche, Gabi Rockmeier, nicht in Hamburg antritt, sondern in Mals, einem Meeting, von dem in Deutschland kaum jemand Notiz nimmt. Damit verspielt man die Möglichkeit, deutsche Top-Athleten auch hierzulande zu präsentieren, wobei Michallek, die sich eine engere Zusammenarbeit mit den Meetings wünschen würde, nicht nur den finanziellen Anreiz im Vordergrund sieht: „Wenn man nicht weiß, welche Konkurrenz da ist, tut man sich schwer, Athleten dorthin zu schicken.“

Andreas Reuter, der in Hamburg für die Athletenverpflichtungen zuständig ist und im Vergleich zu den großen Events mit einem Taschengeld für die Sportler auskommen muss, ist froh, dass er überhaupt ein paar klangvolle Namen in den Hammer Park locken konnte. „Wir würden gerne mehr für die Deutschen machen“, sagt er und ist sich in diesem Punkt zumindest im Ansatz mit Michallek („Man sollte die deutschen Athleten in den Vordergrund stellen“) einig, was aber noch längst nicht die Schwierigkeiten aus dem Weg räumt, so lange nicht Aktive, Manager und Veranstalter mehr an einem Strang ziehen. Das Motto „Jeder ist sich selbst der Nächste“ gilt nicht nur in diesem Zusammenhang, sondern ist auf breiter Basis auszumachen. Da ist es fast schon eine Erfrischung, wenn Kugelstoß-Weltmeisterin Astrid Kumbernuss sagt: „Wir sind gern in Hamburg. Da versucht man, sich für Veranstaltungen einzusetzen, wenn das Konzept stimmt und es nur am Geld hapert.“

Leichtathletik muss attraktiver für den Zuschauer werden

„Die Leichtathletik muss wieder ‚in‘ werden. Man muss die Zuschauer mehr an die Athleten binden“, so Reuter, der in Hamburg mit einer Diskussionsrunde, Autogrammstunden und Interviews während des Wettkampfs einen ersten Schritt in diese Richtung unternahm. Aber wie andere Veranstaltungen steht auch das Meeting in Hamburg auf der Kippe. Im Januar wurde ein Förderkreis mit lokalen Größen aus Politik, Sport und Wirtschaft gegründet, der in nur wenigen Monaten Zeit zwar den Verlust an Sponsorengeldern fast wettmachen konnte, aber noch keine Steigerung des Budgets ermöglichen konnte. Daher stellt sich die Zukunftsfrage.

Damit beschäftigt sich derzeit auch Marcel Baars  von der Werbeagentur „Mahlzeit!“ in Ulm. Seine Ideen gehen in eine klare Richtung: „Man muss schon im Vorfeld eine Spannung erzeugen.“ Damit will der frühere Hürdensprinter das Sportfest zu einem Muss für die potenzielle Zielgruppe machen und neue Fans ins Stadion locken. Außerdem fordert er, der Jagd nach Rekorden ein Ende zu bereiten, um Enttäuschungen im Publikum zu vermeiden. „Man sollte sich vielmehr auf die Stärken seines eigenen Sportfestes konzentrieren“, glaubt er im Steeple-Interview an die Leichtathletik als Sportart und die Meetings. Dem möglichen Trend hin zu einer Spezialisierung steht er gespalten gegenüber: „Man muss das Gesamte sehen.“

Die Überlegung, Sportfeste einer gewissen Größenordnung bis hin zu einem Spezial-Meeting zu reduzieren, ist nicht neu und wird so lange präsent sein, bis echte Bewegung in die Szene kommt, diese Events dadurch alternative Chancen erhalten und gehandelt, statt nur geredet wird. Den Gedanken und Ideen, an denen es nicht fehlt, müssen Taten folgen. „Wir müssen alle mal umdenken“, sagt auch Managerin Vera Michallek. Trotzdem oder gerade deshalb stellt sich die spannende Frage: Quo vadis, German Meetings?

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