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Besser kann man et nit hab’n

Sabrina Mockenhaupt stellt die Weichen zur Profisportlerin

Überhaupt fällt der Rückblick auf die Saison positiv aus. In Schweinfurt wurde sie wiederholt deutsche Juniorenmeisterin und bei der U23-EM in Amsterdam sprang ein dritter Platz heraus. „Da war ich allerdings schon nicht mehr so spritzig. Ich habe zu wenig Kilometer in der Saison und zu viele Wettkämpfe gemacht“, meint sie selbstkritisch. Nach dem einwöchigen Urlaub auf Mallorca war dann die Luft ganz heraus und sie stieg beim Meeting in Leverkusen frühzeitig aus. „So etwas darf mir nicht mehr passieren. Man muss ja auch auf seinen Ruf achten, aber ich wollte unbedingt in Leverkusen starten. Im nächsten Jahr will ich weniger Wettkämpfe machen und zusehen, dass ich am Ende auch noch was bringe“, umschreibt sie ihre Ansprüche für die EM-Saison 2002.

Ungeachtet dessen sind eine Vielzahl von Zielen schon abgesteckt. Im Dezember wird sie bei der Cross-EM in Thun/SUI starten. Von ihrem Abschneiden in der Schweiz macht sie dann einen Start bei der Asics Cross-Challenge in Neuss abhängig. Im nächsten Jahr hat sie die Hallen-EM in Wien fest im Visier, für die sie sich in beim Meeting in Erfurt qualifizieren kann und natürlich die Europameisterschaften im eigenen Land. Um frühzeitig die Norm zu laufen, wäre für die deutschen Läuferinnen eine Teilnahme bei der European 10000-Meter-Challenge in Camaiore/ITA eine wichtige Station. „Leider ist da ein Höhentrainingslager unter Leitung von Dieter Hermann angesetzt worden“, kritisiert Sabrina Mockenhaupt die Terminplanung, welche offensichtlich auf die Mittelstrecken-Läufer zugeschnitten wurde. Weiterhin will sie ihre deutschen Meistertitel aus diesem Jahr verteidigen, auch wenn das Unternehmen über 5000 Meter der Frauen kaum zu schaffen sein wird. „Die Irina Mikitenko läuft noch in einer anderen Liga. Irgendwann werde ich mich aber auch mal an ihre Fersen heften, vielleicht im übernächsten Jahr.“

Sabrina Mockenhaupt hat langfristig Olympia 2004 und Marathon im Auge

Angesprochen auf die zurückgetretene Isabelle Baumann, die in der Vergangenheit die Interessen der Langstreckenläuferinnen vertreten hatte, wird der Stimmungsmensch Mockenhaupt ein wenig nachdenklich. „Die Isabelle Baumann fehlt mir schon, eben weil sie eine Frau ist und weil sie auch  privat viel von mir wusste und mir wertvolle Ratschläge geben konnte. Ich werde den Kontakt zu ihr sicherlich aufrecht erhalten“. Einen Ausblick über das Jahr 2002 hinaus, wagt sie auch schon. „Die Olympischen Spiele in Athen sind schon ein Thema für mich, ich wäre gerne dabei, aber große Siegchancen werde ich kaum haben“, bleibt sie realistisch. Später möchte sie auf die Marathondistanz umsteigen. Angesprochen auf einen möglichen Wechsel zu einem Großverein in ihrer Nähe blockt sie sofort ab. „Wenn ich wechsele, würde mich mein Trainer nicht mehr trainieren. Warum sollte ich etwas aufgeben, was noch so gut ist“. In ihrer heimischen Umgebung findet Sabrina Mockenhaupt alles, was zum Erfolg nötig ist und seit sie mit dem Laufen begonnen hat ging es jedes Jahr aufwärts. Mit der steigenden Popularität treten jetzt immer mehr Menschen in ihr Leben, die sie nicht kennt, aber sie sagt: „Ich bin Menschen gegenüber immer offen und ehrlich, das heißt aber auch, das sie sehr schnell merken, ob ich mit ihnen kann oder nicht. Mit den Mädchen beim Bund hatte ich es nicht immer so einfach, weil ich halt so strang heraus bin“, schildert sie die Probleme mit ihrem Naturell. Mit einem Lachen fügt sie hinzu: „Mein Zwillingsbruder ist genau das Gegenteil von mir, ebenso mein älterer Bruder. Die beiden sind froh, wenn ich mal nicht da bin“.

Sabrina Mockenhaupt ist ein Mensch, der polarisiert und damit wird sie zwangsläufig die Aufmerksamkeit der Medien auf sich ziehen. Eine der vielzitierten „jungen Wilden“ stürmt aus dem Siegerland ins Rampenlicht. 

von Dirk Gantenberg

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