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Saison 2001

Nicht alles Gold, was glänzt

Kirsten Bolm lernte die Schattenseiten des US-Collegesports kennen


Siebenkampf wider Willen

Vielleicht war es das, was die Trainer auf die Idee brachte, Kirsten Bolm im Mehrkampf einzusetzen. Wenige Tage vor der Conference Championships zitierte man sie ins Büro: „Ich wurde praktisch gezwungen, dort den Siebenkampf zu machen.“ Um die 5700 Punkte sollte sie erreichen, was den ersten Platz garantiert hätte. Weitere Einzelstarts über die Hürden, 100 Meter, in der Staffel und im Weitsprung hatten die Verantwortlichen vorgesehen: „Es war ganz egal, welche Konsequenzen das für mich hatte.“ 

Nachdem sie sich mit ihrem Vater Michael Bolm, der diese Forderungen an seine Tochter nicht nachvollziehen konnte, beraten hatte, fällte sie die Entscheidung, sich wider Willen dem Programm zu stellen und danach auch aus familiären Gründen frühzeitig noch vor den Nationals nach Deutschland zurückzufliegen, um auch ihre Chancen auf eine WM-Qualifikation nicht völlig zu verspielen. 

Der Siebenkampf in San Diego sollte reichen, in doppelter Hinsicht. Die Voraussetzungen auf einen guten Wettbewerb waren denkbar schlecht. Erst am späten Abend vor dem ersten Wettkampftag konnte sie sich sieben Schritte für den Hochsprung-Anlauf aneignen. Prompt zog sie sich dort eine Rückenblessur zu: „Ich konnte am Ende nicht mehr laufen.“ Weitspringen musste sie trotzdem. Nachdem es unter den Umständen allerdings zu keinem gültigen Versuch mehr reichte, war der Albtraum Siebenkampf für Kirsten Bolm vorzeitig beendet. 

„Es kam in diesem Jahr irgendwie alles zusammen und ich bin froh, dass ich mich nicht mehr damit auseinandersetzen muss“, sagt sie jetzt. Zwei Einzelwettkämpfe hatte sie in San Diego noch nachgelegt und trotz der Blessuren gewonnen. Mit 6,23 Metern im Weitsprung und 13,23 Sekunden über die Hürden verabschiedete sich Kirsten Bolm aus dem Collegesport. „Dieses Drama war alles andere als positiv für meine Leistungsentwicklung.“ Erst jetzt, nachdem sie zuhause in Ruhe und mit dem nötigen Abstand trainieren kann, kämpft sie sich wieder an Zeiten um 13 Sekunden heran.