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Der perfekte Lauf zur richtigen Zeit

Tina Kron übt sich in Geduld mit ihrer Hassliebe

Nebenbei oder hauptsächlich, je nach Jahreszeit, büffelt die vielseitige Blondine an der Universität von Saarbrücken und bringt ihr BWL-Studium voran. „Das Studium lässt mir alle Möglichkeiten offen. Ohne mich jetzt schon festlegen zu wollen, könnte ich mir vorstellen, nach meiner sportlichen Laufbahn in den Bereichen Sportmarketing und Sportjournalismus zu arbeiten. Außerdem sollte man nicht nur auf den Leistungssport fixiert sein. Wenn’s Training rum ist, ist’s rum. Ich genieße das Studentenleben, gehe abends gerne weg, ins Kino oder tanzen. Eigentlich unterscheide ich mich nicht sehr von meinen Freundinnen, außer das ich zwei Stunden pro Tag trainiere.“ 

Vertrauen in das bewährte Umfeld

Als B-Kaderathletin des DLV, wird sie über die deutsche Sporthilfe gefördert, muss aber auch gelegentlich den Verpflichtungen ihrer Privatsponsoren nachkommen. Der Rückzug des Hauptsponsors Peugeot beim SV Saar 05 Saarbrücken hat für sie keine unmittelbaren Auswirkungen. „Uns wurde garantiert, dass wir wie bisher gefördert werden,“ meint die Athletin und vertraut als Familienmensch ihrem bisherigen Umfeld. Am Olympiastützpunkt in Saarbrücken bildet sie eine Trainingsgruppe mit Lisa Schorr, Daniela Mark, Simon Kirch und drei weiteren Athleten und setzt seit acht Jahren auf die Trainingspläne von Werner Schorr. Es passt irgendwie ins Bild, dass sich Werner Schorr ebenfalls nicht nur der Rundbahn verschrieben hat, sondern an der Universität doziert und als frei schaffender Künstler Skulpturen entwirft.

Für die Wintersaison hat Tina Kron nur einige wenige Wettkämpfe in der näheren Umgebung vorgesehen und will statt dessen wieder mehr trainieren. „Wir wollen an der Schnelligkeit arbeiten, die Belastungen anders legen und die Intensitäten erhöhen,“ beschreibt sie die nächsten Wochen und gibt zu, auf die Wintersaison gar nicht soviel Wert zulegen. Leider gehören zum Grundlagentraining auch noch Ausdauerläufe und als bekennender Schnellkrafttyp erinnert sie sich ungern an eine Episode ihrer frühen Karriere zurück: „Mit zwölf Jahren musste ich an einem Crosslauf teilnehmen und seitdem hält sich meine Begeisterung in Grenzen – das war zu kalt und zu lang.“ Ich laufe gerne die kurzen Sprintstrecken und meine heimliche Leidenschaft ist der Weitsprung. Die 100 Meter bin ich mittlerweile unter zwölf Sekunden gelaufen (11,91 sec in Ulm) und im Weitsprung hat nicht viel an einer sechs vor dem Komma gefehlt.“ 

Weil sie über 400 Meter Hürden so erfolgreich ist, bleibt diese Disziplin aber weiterhin ihre Hauptstrecke und insgeheim hat sie sich mit ihr angefreundet. „Früher bin ich die Hürden nicht so gerne gelaufen, weil sie am Ende richtig weh tun. Heute versuche ich alles auszuschöpfen, was drin ist und möchte irgendwann einen ganz perfekten Lauf hinlegen. Wenn dann auch noch der Zeitpunkt stimmt…, “ philosophiert Tina Kron über den Reiz ihrer jetzt liebgewonnene Disziplin und schiebt schnell nach: „Ich hoffe aber, das er mir nicht so schnell gelingt.“

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