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Golden-League-Meeting in Zürich

Danny Ecker besiegt Weltelite

Deutscher Rekord durch Irina Mikitenko über 3000 Meter
Feuerwerk mit mehreren Landesrekorden und Jahresbestleistungen

11.08.00 (bm) Das Letzigrund-Meeting in Zürich ruft alljährlich das „Who is who“ der Leichtathletik in die Schweiz. Als „Olympia an einem Tag“ wurde die Veranstaltung deshalb diesmal im Vorfeld gerne umschrieben. Unweigerlich bekamen die wie immer enthusiastischen Zuschauer im ausverkauften Rund ein weiteres Feuerwerk zum 50. Jubiläum geboten. Von den deutschen Teilnehmern machten Claudia Gesell, Heike Drechsler, Dieter Baumann und Thomas Goller mit deutschen Jahresbestleistungen auf sich aufmerksam. Dies toppte Irina Mikitenko mit einem neuen deutschen Rekord von 8:30,39 Minuten über 3000 Meter. Für Furore sorgte mit Danny Ecker noch ein weiterer Deutscher. Der Leverkusener besiegte mit 5,85 Metern die gesamte Weltelite im einem hochdramatischen Stabhochsprung-Poker und stellte die deutsche Jahresbestleistung von Tim Lobinger ein. Kurios: ab 5,70 Meter sprang er mit den Stäben von Sergej Bubka. Gabriela Szabo und Hicham El Guerrouj liefen neue Weltjahresbestleistungen. Marion Jones feierte einen Doppelsieg mit hauchdünnen Siegen über 100 Meter und im Weitsprung. Bei den „Rollis“ sorgte der Schweizer Franz Nietlispach über 1500 Meter für den einzigen Weltrekord des kurzweiligen Sportfests der Superlative.

Marion Jones (USA) musste sich diesmal über 100 Meter mächtig strecken und wusste, dass sie in 10,95 Sekunden nur mit der nötigen Portion Glück gewonnen hatte. Ihre Landsfrau Inger Miller kam bis auf eine Hundertstel an sie heran und wurde Zweite. Andrea Philipp (D) blieb im B-Lauf unter ihren Möglichkeiten (11,37 sec). In den Vorläufen bei den Männern lieferte standesgemäß Weltmeister Maurice Greene mit 10,09 Sekunden die schnellste Zeit ab. Der Sprintstar aus dem Stall von Trainer John Smith meldete sich im Finale in 9,94 Sekunden als Sieger nach seiner Verletzungspause bei den US-Trials eindrucksvoll zurück und besiegte Obadele Thompson (9,97 sec) und Ato Boldon (10,00 sec) bei Gegenwind.

Über 800 Meter feierte Stammgast Maria Mutola (MOZ) ihren achten Letzigrund-Sieg in Folge in der Spitzenzeit von 1:56,90 Minuten vor der Hallen-Europameisterin Stephanie Graf (AUT; 1:57,34 min). Mit Claudia Gesell (1:58,83 min) und Ivonne Teichmann (1:59,72 min) blieben die zwei deutschen Läuferinnen unter der Zwei-Minuten-Grenze. Bei den Männern lief bereits im B-Lauf der Kenianer Kenneth Kimwetich mit 1:44,20 Minuten eine sehr schnelle Zeit, was für den Hauptlauf einiges versprach. Der Weltjahresbeste Andre Bucher (SUI) war dann auch zur Stelle und behielt in 1:43,72 Minuten die Oberhand. Noch schneller ging es über 1500 Meter zu Werke. Hicham El Guerrouj (MAR) entschied das Duell mit dem Kenianer Noah Ngeny, der in 3:28,12 Minuten Landesrekord lief, in der neuen Weltjahresbestleistung von 3:27,21 Minuten für sich. Ein sehr schnelles Rennen mit drei Landesrekorden gab es über 3000 Meter bei den Frauen. Einer davon entfiel auf die Deutsche Irina Mikitenko, die in 8:30,39 Minuten Sechste wurde und den Uraltrekord über diese Strecke aus dem Jahr 1983 verbesserte. Es siegte Gabriela Szabo (RUM) in der Weltjahresbestzeit von 8:26,35 Minuten vor der starken Irin Sonia O’Sullivan (8:27,58 min). 

Gail Devers (USA) diktierte ein mal mehr in diesem Jahr den Hürdensprint in ihrem unnachahmlichem Laufstil. Sie lief in 12,39 Sekunden Stadionrekord. Die Nigerianerin Glory Alozie (12,54 sec) und US-Beauty Melissa Morrison (12,73 sec) folgten mit etwas Abstand. Olympiasieger Allen Johnson (USA) gehörte der A-Lauf der Männer. In 13,17 Sekunden besiegte er seinen kubanischen Widersacher Anier Garcia (13,23 sec). Florian Schwarthoff (13,45 sec) und Falk Balzer (13,48 sec) blieben unter 13,50 Sekunden.

Im Dreisprung überzeugte erneut Weltrekordhalter Jonathan Edwards. Der Brite siegte mit 17,36 Metern, verzichtete auf die letzten beiden Sprünge und stellte nachher fest: „Bei besserer Technik könnte ich an die 18 Meter herankommen.“ Dem deutschen Weltmeister Charles Friedek gelang nach seiner Verletzungspause im Juli endlich wieder ein Sprung deutlich über 17 Meter (17,36 Meter). Er verwies damit im letzten Versuch seinen bulgarischen Kontrahenten Rostislav Dimitrov noch auf den dritten Rang.

Lars Riedel wurde im Diskuswerfen mit 66,08 Metern nur Vierter. Es gewann der bärenstarke Litauer Virgilius Alekna mit einem neuen Stadionrekord von 71,12 Metern vor dem Südafrikaner Frantz Kruger, der mit 67,81 Metern Afrikarekord warf. Michael Möllenbeck (64,81 m) und Jürgen Schult (62,68 m) landeten auf den Rängen sieben und acht.

Dramatik pur bekamen die Fans des Stabhochsprungs geboten. Den Poker bei den Höhen von 5,85 und 5,90 Metern gewann ausgerechnet Danny Ecker (D), der bis zur Jahresmitte wegen Rückenproblemen ausgefallen war. Der 23jährige düpierte damit die Weltelite, die inklusive Weltmeister Maxim Tarasov und dem mit 5,50 Metern enttäuschenden Sergej Bubka (UKR) antrat. Bei 5,70 Meter angelangt, lieh er sich kurzerhand die Stäbe von Bubka aus und sprang damit zum Sieg. An den sechs Metern scheiterte der Leverkusener dreimal. Tim Lobinger wurde Vierter (5,80 m), Michael Stolle Neunter (5,70 m). Noch enger war die Entscheidung im Weitsprung der Frauen. Heike Drechsler (D) trennten als Drittplatzierte nur zwei Zentimeter von der Siegesweite 6,93 Meter, die Marion Jones (USA) fixierte. Dazwischen lag mit 6,92 Metern noch die Bulgarin Iva Prandjeva.

Ralf Leberer war erst am Nachmittag gen Zürich aufgebrochen und lief dort die 110 Meter Hürden in 13,66 Sekunden. In einem weiteren B-Lauf hatte Thomas Goller zum Auftakt der Veranstaltung über 400 Meter Hürden mit seinen 48,82 Sekunden seine deutsche Jahresbestzeit verbessert. Hochspringer Christian Rhoden kam mit 2,26 Metern auf Rang vier. Den Bewerb entschied US-Routinier Charles Austin mit 2,32 Metern für sich. Tanja Damaske wurde im Speerwerfen vor Steffi Nerius (60,83 m) Sechste (63,09 m). Oliver-Sven Buders 20,10 Meter reichten im Kugelstoßen ebenfalls nur zum sechsten Platz. Adam Nelson (USA) diktierte den Wettkampf mit 21,64 Metern.

Haile Gebreselassie (ETH) setzte sich auf den abschließenden 5000 Metern in 12:57,95 Minuten gegen die Kenianer Paul Tergat (12:58,21 min) und Sammy Kipketer (12:58,63 min) durch. Dieter Baumann verbesserte mit seinen 13:13,84 Minuten seine deutsche Jahresbestzeit. 

Bei den Rollstuhlfahrern, die traditionell zum Programm von Zürich zählen, verbesserte der Schweizer Franz Nietlispach seinen Weltrekord über 1500 Meter auf 2:56,98 Minuten.

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