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Sydney-Preview

Die Steeple-Olympia-Vorschau

– Männer (Teil 1) –

12.09.00 (fc) In wenigen Tagen fällt der Startschuss für die Leichtathletik-Bewerbe bei den Olympischen Spielen in Sydney. Die nationalen und internationalen Topathleten haben sich akribisch auf den Saisonhöhepunkt vorbereitet, um auf den Punkt fit zu sein. In unseren Previews nehmen wir die einzelnen Disziplinen unter die Lupe, wägen die deutschen Chancen ab und wagen einen Medaillentipp.

100 Meter:

DIE LAGE:
Weltmeister Maurice Greene (USA) ist der klare Favorit, auch wenn er kürzlich provozierend in die Runde warf: „Wer sagt das?“ In der Tat hat der Weltrekordhalter keine weiße Weste in dieser Saison. In Athen, Helsinki und Gateshead musste er zum Teil bittere Niederlagen hinnehmen, die er aber mit entsprechenden Spitzenleistungen bald wieder in den Hintergrund rückte. Sein Trainingskollege Jon Drummond (USA) hinterließ beim ISTAF in Berlin zuletzt einen starken Eindruck. Auf der Rechnung sollte man auch die weiteren Starter aus dem Stall von Erfolgscoach John Smith, Ato Boldon (TRI) und Curtis Johnson (USA), haben. Francis Obikwelu (NIG) und Obadele Thompson (BAR) sehen zwar größere Chancen auf den 200 Metern, peilen aber auch über die kurze Sprintstrecke das Finale an. Gespannt sein darf man vor allem auf den Titelverteidiger Donovan Bailey, der zuletzt alles andere als überzeugte, es aber versteht, bei großen Rennen vorne mit dabei zu sein. Ein Geheimtipp ist der WM-Dritte Dwain Chambers, dem von den britischen Läufern die besten Chancen eingeräumt werden.

DEUTSCHE CHANCEN:
Marc Blume wird einen schweren Stand haben. Die erste Runde sollte er locker nehmen, für das Halbfinale muss er sich aber mächtig strecken.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Greene – Drummond – Bailey

200 Meter:

DIE LAGE:
In Abstinenz von Michael Johnson (USA) und Maurice Grenne (USA) halten plötzlich andere die besten Karten in den Händen. Zum Beispiel Ex-Weltmeister Ato Boldon (TRI), der Nigerianer Francis Obikwelu (NIG) oder der schnelle Mann aus Barbados, Obadele Thompson. In der Weltjahresbestenliste liegt John Capel (USA) auf Rang zwei hinter Johnson. Bei den großen Meetings musste er jedoch Lehrgeld bezahlen. Auf seine Erfahrung wird der 34jährige Floyd Heard (USA) setzen. Der dritte Medaillenjäger aus den Staaten ist Coby Miller. Wenn Vize-Weltmeister Claudinei Da Silva die letzten Wochen genutzt hat, ist auch er nicht ohne Ambitionen.

DEUTSCHE CHANCEN:
kein deutscher Teilnehmer

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Boldon – Thompson – Obikwelu

400 Meter:

DIE LAGE:
Wer soll den Weltrekordhalter Michael Johnson gefährden? Nur eine Verletzung kann ihn auf dem Weg zu Olympischem Gold bremsen. In jedem Rennen des Jahres hatte er seine Konkurrenten vollends unter Kontrolle. Als es darauf ankam, konnte er noch den entscheidenden Tick zulegen. Eine gute Saison lief auch der mexikanische WM-Dritte Alejandro Cardenas. Mit erstaunlichen 44,16 Sekunden liegt Ibrahim Ismail (QAT) auf einem vorderen Platz in der Weltjahresbestenliste. Mit den US-Amerikanern Alvin Harrison und Antonio Pettigrew ist in jedem Fall zu rechnen. Der beste Brite, Mark Richardson, zog wegen seines offenen Dopingverfahrens zurück, so dass hier der Waliser Jamie Baulch die Verantwortung tragen muss.

DEUTSCHE CHANCEN:
kein deutscher Teilnehmer

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Johnson – Harrison – Cardenas

800 Meter:

DIE LAGE:
Diesem Rennen mangelt es nicht an Brisanz. Der dreifache Weltmeister Wilson Kipketer gibt seine Olympiapremiere. Vor vier Jahren hatte dem eingebürgerten Dänen sein kenianischer Heimatverband die Teilnahme untersagt. Dementsprechend brennt Kipketer, der im Sommer eine verletzungsbedingte Pause einlegen musste, vor Ehrgeiz. Mit dem Weltjahresbesten Andre Bucher (SUI) und dem WM-Dritten Djabir Said-Guerni (ALG) werden mit ihm aber zwei starke Konkurrenten an der Startlinie stehen. Zuletzt machte der Italiener Andrea Longo auf sich aufmerksam. Die schnellen Afrikaner Japheth Kimutai (KEN) und Hezekiel Sepeng (RSA) sind stets zu beachten.

DEUTSCHE CHANCEN:
Nils Schumann hat mit seinem Durchsetzungsvermögen bei einem taktischen Endlauf eine Chance auf einen vorderen Platz.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Said-Guerni – Kipketer – Bucher

1500 Meter:

DIE LAGE:
Vor kurzem war aus dem algerischen Lager zu vernehmen, dass Noureddine Morceli seinen Titel von Atlanta verteidigen will. Es ist aber mehr als fraglich, ob er ohne Wettkampfpraxis ein ernstzunehmender Medaillenkandidat ist. Golden-League-Jackpot-Gewinner Hicham El Guerrouj (MAR) ist der haushohe Favorit. Daneben werden es wie in Sevilla die Kenianer um Vize-Weltmeister Noah Ngeny und die Spanier mit Andres Diaz sein, die um die Medaillen laufen. 

DEUTSCHE CHANCEN:
kein deutscher Teilnehmer

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
El Guerrouj – Ngeny – Chirchir

5000 Meter:

DIE LAGE:
Ali Saidi-Sief (ALG) ist der Aufsteiger der Saison. Dementsprechend kommt er über diese Strecke um die Favoritenrolle nicht herum. In Brüssel übernahmen allerdings Brahim Lahlafi (MAR) und Mohammed Mourhit (BEL) die Führung der Weltjahresbestenliste. Bei den afrikanischen Nationen gibt es aber noch Spekulationen um die Startplätze, wobei speziell die Kenianer noch taktische Überlegungen anstellten und kürzlich Paul Tergat im Austausch gegen Patrick Ivuti, der bei einem 5000-Meter-Start als Geheimtipp gilt, die Zusage für die 10000 Meter gaben.

DEUTSCHE CHANCEN:
Jirka Arndt und Dieter Baumann können den Endlauf erreichen und dort eine gute Figur abgeben.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Saidi-Sief – Lahlafi – Mourhit

10000 Meter:

DIE LAGE:
Der Weg zu Gold führt über den Äthiopier Haile Gebreselassie. Herausfordern will und wird ihn vor allem der Kenianer Paul Tergat, ein bekannter Widersacher. Pikanterweise wollen beide nach der Olympiade auf die Straße wechseln. Somit scheint ein äthiopisches-kenianisches Duell, bei dem auch Leute wie Assefa Mezegebu oder David Chelule ein Wörtchen mitsprechen wollen, vorprogrammiert. Die beste Vorleistung der Europäer bringt der Spanier José Rios mit.

DEUTSCHE CHANCEN:
kein deutscher Teilnehmer

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Tergat – Gebreselassie – Mezegebu

Marathon

DIE LAGE:
Der Marathon ist üblicherweise ein Bewerb, der für Überraschungen steht. Entsprechend schwer fällt eine Prognose. Die Spanier schicken mit Martin Fiz, Abel Anton und Alberto Juzdado ihre routinierten Leute ins Rennen, die in den Neunziger Jahren für Medaillen standen. Streit um die Startplätze gab es in Kenia. Letztlich wurden Elijah Langat, Kenneth Cheruiyot und Eric Wainana nominiert. Titelverteidiger Josuah Thugwane will mit Hendrick Raamala für einen erneuten südafrikanischen Sieg sorgen. Um vordere Plätze kämpfen des weiteren die asiatischen Vertreter, die Italiener um Stefano Baldini, der Franzose Mohammed Ouaadi und viele andere.

DEUTSCHE CHANCEN:
Carsten Eich läuft um eine neue persönliche Bestleistung und hofft dabei durch Aufgaben der Stars auf eine gute Platzierung. Michael Fietz kann den Olympischen Marathon als zweiter deutscher Vertreter ohne Erwartungsdruck bestreiten.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Cheruiyot – Fiz – Baldini

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