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Hallen-Meeting in Karlsruhe

Bruny Surin gewinnt die 60 Meter

Merlene Ottey zog ihre Meldung zurück – Kritik von Krause

29.01.00 (fc) Merlene Ottey zog wenige Stunden vor ihrem Wettkampf die Konsequenzen aus dem öffentlichen Druck, der durch ihr Startvorhaben beim Karlsruher Hallen-Meeting entstanden war und ihre Meldung zurück. Damit beugte sich die im vergangenen Jahr positiv auf Nandrolon getestete Sprinterin der Kritik, die von allen Seiten auf den Veranstalter wegen ihrer Person einprasselte. Was blieb, war ein fader Beigeschmack, den diese hochkarätig besetzte Veranstaltung wirklich nicht nötig gehabt hätte, den sich aber letztlich die Verantwortlichen selbst zuzuschreiben haben. Ungeachtet dessen konnten sich die zahlreichen Zuschauer im Rund der Karlsruher Europahalle einiger Top-Leistungen erfreuen. Allen voran bestach der kanadische Sprinter Bruny Surin über die Kurzstrecke in 6,53 Sekunden. 

In Abstinenz von Ottey entschied die 60 Meter Petja Pendareva in 7,11 Sekunden für sich. Die Bulgarin setzte sich denkbar knapp gegen Sevatheda Fynes (Bahamas) und die aufstrebende Ukrainerin Anzhela Kravchenko durch. Zhanna Pintusevich spielte nach einem schwachen Start keine Rolle. Dennoch überschattete den Wettkampf der Streit um den Start von Ottey und forderte auch den Protest der deutschen Spitzenathleten heraus. „Mich hätte die Reaktion des Publikums interessiert. Ich wäre der Erste gewesen, der gepfiffen hätte,“ sagte Weitspringer Konstantin Krause gegenüber dem SWR zum abgewandten Start von Merlene Ottey.

Der Dreisprung der Frauen ging an die starke Russin Tatjana Lebedeva mit 14,66 Metern. Damit steigerte sie ihre eigene Weltjahresbestleistung, die sie vor zwei Tagen in Moskau aufgestellt hatte, um zwei Zentimeter.

Donovan Bailey präsentierte sich nach dem „Hallensia Indoor“ Mitte der Woche ein zweites Mal in Deutschland. Im Endlauf über 60 Meter traf er auf den favorisierten Landsmann Bruny Surin und den kleinen Ungarn Roland Nemeth, der Bailey am Mittwoch noch die Fersen zeigte. Nach einem Fehlstart hatte Surin keine Mühe und siegte in 6,53 Sekunden vor Nemeth. Bailey kam schwer in die Gänge und wurde nach diesem miserablen Start nur Sechster (6,71 Sekunden).

Die Russin Natalja Tsyganova bestimmte von der Spitze aus die 800 Meter und erzielte mit 1:59,66 Minuten eine hervorragende Endzeit. Der 20jährige Äthiopier Million Wolde präsentierte sich über 3000 Meter erneut in hervorragender Verfassung und hatte in 7:38,09 Minuten keinerlei Mühe mit den Konkurrenten.

Stabhochspringerin Yvonne Buschbaum zeigte mit 4,37 Metern einen glänzenden Wettkampf und stellte eine neue persönliche Bestleistung in der Halle auf. Siegerin und Vize-Weltmeisterin Anzhela Balakhonova (Ukraine) versuchte sich vergeblich an der Weltrekordhöhe von 4,51 Meter. 

Der Hürdensprint der Frauen gehörte erwartungsgemäß der Französin Patricia Girard (8,02 sec), die Lacena Golding (Jamaika) und ihre Landsfrau Eunice Barber auf die Plätze verwies. Pech hatte die US-Amerikanerin Kim Carson, die in eine Hürde trat und danach ausstieg. Bei den Männern siegte der ewig junge Tony Dees in 7,55 Sekunden. Falk Balzer blieb nicht zuletzt wegen eines noch nicht ganz überstandenen Grippeinfekts hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Grund zum Jubeln hatte Erica Johansson. Die schwedische Weitspringerin holte sich im fünften Versuch mit 6,79 Metern den ersten Platz und übertraf damit Siebenkampf-Weltmeisterin Eunice Barber, die wie schon vor einer Woche in Sindelfingen wieder einen Doppelstart absolvierte und mit 6,76 Meter drei Zentimeter zu wenig konterte. Heike Drechsler zeigte sich trotz Anlaufproblemen leicht verbessert, konnte in dieser starken Konkurrenz als Vierte hinter Niki Xanthou (Griechenland) allerdings keine Akzente setzen. Ihren nächsten Start plant die Lebensgefährtin von Ex-Zehnkämpfer Alain Blondel nächste Woche in Erfurt.  

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