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Hallen-Europameisterschaft in Gent (3. Tag)

Charles Friedek holt sich den Titel

Silberregen für die deutsche Mannschaft

27.02.00 (fc) Der deutsche Verband wurde am zweiten Tag der Hallen-Europameisterschaft in Gent ordentlich „gerupft“. Zum Abschluss waren nun die etablierten Athleten gefordert, das Eisen noch mal aus dem Feuer zu reißen und so für eine versöhnliche Gesamtbilanz aus DLV-Sicht zu sorgen. Charles Friedek nahm die Herausforderung an und holte sich den Titel im Dreisprung. Der Leverkusener, der anfangs der Hallensaison noch erhebliche Schwächen gezeigt hatte, war in Gent mit exzellenten 8,28 Metern unbesiegbar. Für eine ganze Reihe Silbermedaillen sorgten Heike Drechsler, Martin Buss, Christine Adams, Nils Schumann und die 4×400-Meter-Staffel. Aus deutscher Sicht bedeutete dies einen angesichts des verkorksten Samstags zufriedenstellenden Abschluss der Titelkämpfe in Belgien.

Die Berlinerin Claudia Marx reihte sich zum Auftakt nahtlos in die Misere des Vortags ein und stürzte nach einem Gerangel mit der Bulgarin Georgieva. Der Sieg über die 400 Meter ging an Svetlana Pospelova (51,66 sec) vor ihrer Kollegin Nazarova und der Tschechin Helena Fuchsova.
Der Bremer Lars Figura lief im Männer-Finale mutig. Zweimal bremsten ihn jedoch die Widersacher auf seinen Attacken, was viel Kraft kostete, so dass er sich auf der Schlussgerade noch vom Franzosen Raquil auf den vierten Platz verweisen lassen musste.

Ein deutsches Sprint-Quartett kämpfte um den Einzug ins Finale über 60 Meter. Dieses Unterfangen konnten Marion Wagner (7,28 sec), Alexander Kosenkow (6,73 sec) und die enttäuschende Andrea Philipp (7,40 sec), die in ihrem Halbfinale Letzte wurde, nicht erfolgreich gestalten. Der junge Tim Göbel (6,63 sec) hielt sich hingegen glänzend und vertrat als Einziger die deutschen Farben im Endlauf. Dort setzte sich der Brite Jason Gardener in 6,49 Sekunden gegen die Griechen Theodoridis und Pavlakakis durch. Göbel belegte den siebten Rang (6,66 Sekunden). Für den Kölner war aber bereits die Finalteilnahme ein Erfolg. Ekaterina Thanou (GRE) wurde bei den Frauen der ihr zugedachten Favoritenrolle gerecht und wies in sehr guten 7,05 Sekunden Petja Pendareva (BUL) und Irina Pukha (UKR) in die Schranken.

Heike Drechsler sprang 6,86 Meter weit und holte damit die erwartete Medaille. Besser war nur die starke Schwedin Erica Johansson (6,89 m). Auch Martin Buss, ein weiterer Hoffnungsträger, erreichte den zweiten Platz im Hochsprung mit persönlicher Bestleistung von 2,34 Metern. Den Sieg brachte der höhengleiche Vjacheslav Voronin, der sich seine Kräfte aus gutem Grund sehr genau einteilte, unter Dach und Fach. Immerhin steckten dem russischen Weltmeister etliche Hallenmeetings in den Knochen.

Die Österreicherin Stephanie Graf („Ich habe mir für die Attacke von Tsyganova etwas Kraft aufgehoben“) bestimmte von Beginn an das Tempo über 800 Meter. In der entscheidenden Phase wehrte sie erfolgreich den Angriff der Russin Tsyganova ab. Dahinter hatte Yvonne Teichmann auf Bronze spekuliert. Vergeblich, denn letztlich hatten ihr hier Sandra Stals (BEL) und Jolanda Ceplak (SLO) noch etwas voraus. Trotzdem gibt der Auftritt der Magdeburgerin in Gent Anlass zur Hoffnung.

Die 3000-Meter-Finals bestimmten Gabriela Szabo (RUM), die von Lidia Chojecka (POL) und Marta Dominguez (SPA) doch etwas gefordert wurde, und der Ire Mark Carroll.

In Abwesenheit von Oliver-Sven Buder war Michael Mertens der einzige Deutsche im Endkampf. Der Göttinger fixierte mit 19,98 Metern eine neue persönliche Bestleistung, hatte aber mit den Medaillen nichts zu tun. Dort setzte sich der ukrainische Routinier Alexandr Bagach durch.

Im Stabhochsprung der Frauen lief es sehr gut für die Leverkusenerin Christine Adams. Mit 4,35 Metern teilte sie sich den zweiten Rang mit der Russin Beljakova. Den Sieg heimste die Tschechin Pavla Hamackova („Ich hoffte auf eine Medaille, aber von Gold war ich doch überrascht“), die fünf Zentimeter mehr anbot, ein. Sabine Schulte wurde mit 4,20 Metern Sechste.

Nils Schumann gab im 800-Meter-Finale taktisch und läuferisch das Beste, aber gegen den neuen Star Yuri Borzakovsky, der den Lauf lange von der letzten Stelle aus beobachtete, war das zu wenig. Der Russe fing den Angriff des Deutschen mühelos ab und holte sich den Sieg.

Im Staffelwettbewerb waren die deutschen Läufer als Mitfavoriten an den Start gegangen. Der wegen einer Gehirnerschütterung fehlende Stefan Holz wurde schmerzlich vermisst. Dennoch reichte es am Ende für Ingo Schultz, Ruwen Faller, Marco Krause und Lars Figura für Silber hinter der Tschechischen Republik. Beide Staffelteams profitierten jedoch von der Disqualifikation der russischen Herren, die zunächst als Erste die Ziellinie erreicht hatten. Dagegen waren bei den Frauen die Russinnen von Italien und Rumänien nicht zu bezwingen.

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