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Olympische Sommerspiele in Sydney

Mit Glückshormonen zur Goldmedaille

von Sandy Wilzek

27.09.00 (sw) Nils Schumann hat sich Hormonen bedient, aber keine Angst, diese sind ganz legal, nicht gesundheitsschädlich, aber anscheinend genauso wirksam: Glückshormone, „verabreicht“ durch seine neue Freundin.

Mit diesem Sieg hatte wohl im deutschen Leichtathletik-Team niemand gerechnet, wenn alles optimal läuft, konnte man vielleicht auf eine Medaille hoffen. Doch Nils Schumann hat schon so oft die Experten und besonders seine Konkurrenten überrascht, dass man hätte gewarnt sein sollen. Und der „Schleicher“ aus Erfurt hat es vollbracht, ein Erfolg, der so unerwartet war und deshalb auch so schön. 

Der Lauf kam ihm „sehr entgegen“, nicht zu schnell und so konnte er seinen kurzen Sprint anziehen und die gesamte Weltelite düpieren. Was dieser Mann für Nerven hat, zeigte er mal wieder auf der Gegengerade, als er noch völlig eingeschlossen auf der Innenbahn lief und auf seine Chance wartete. Die Zielgerade war „grausam“, aber wohl auch seine schönste und wie überwältigt er selbst von diesem Sieg war, konnte man an seinem Gesicht ablesen, die Augen weit aufgerissen, so als wollte er es gar nicht glauben, überquerte der 22jährige die Zielgerade.
Sein erster Weg führte ihn zu seinem Trainer Dieter Herrmann, früher selbst ein erfolgreicher Mittel- und Langstreckler. Nach seinen Erfolgen im Jahre 1998 mit den Titeln Halleneuropameister, Junioreneuropameister und dann auch noch der Sieg bei den Europameisterschaften in Budapest hatte Nils Schumann seinen Erfolg genossen und vielleicht auch sein Training etwas vernachlässigt, prompt folgte im letzten Jahr die Quittung, nur der achte Platz im Finale von Sevilla. Sein Trainer hat ihn dahin geführt, wo er heute steht wird – ganz oben auf dem olympischen Siegerpodest.

Und Nils Schumann wird es nicht bereut haben, auf seinen Trainer gehört zu haben und auf das Motorrad fahren verzichtet zu haben, oder an manchen Tagen etwas eher ins Bett gegangen zu sein, während seine Freunde noch um die Häuser gezogen sind. In diesem Jahr hat er alles richtig gemacht, auf sein Liebingsmeeting in Zürich verzichtet und statt dessen ein hartes Trainingslager in Oberhof absolviert, zwei souveräne Vorrunden in Sydney abgeliefert, im Finale auf seine Chance gewartet und als sie sich ergab, konsequent genutzt. Ergebnisse
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