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Hallen-Europameisterschaft in Gent

Licht und Schatten im DLV-Team

Friedek und Drechsler waren rechtzeitig in Form

28.02.00 (fc) Etwas Unzufriedenheit machte sich im deutschen Verband schon breit, nachdem am Ende der Wettkämpfe in Gent mit Karin Ertl und Charles Friedek nur zwei Hallen-Europameister aus den eigenen Reihen kamen. Vor zwei Jahren in Valencia waren es noch dreimal soviel gewesen. Vor allem der zweite Tag, an dem es reihenweise Stürze, Verletzungen und Flops gab, trieb Sorgenfalten auf die Stirn der deutschen Funktionäre. Letztendlich landete der DLV mit neun Medaillen (zwei Gold, sechs Silber, eine Bronze) hinter Russland auf Platz zwei des Medaillenspiegels.

steeple.de möchte nun das Abschneiden der deutschen Athleten noch mal etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Die Besten

Karin Ertl:
Die Fünfkämpferin, die in Gent ohne ihren Coach Wolfgang Frenzl auskommen musste, nutzte die kurzfristige Absage von Weltmeisterin Eunice Barber, um sich den ersten Titel der Wettkämpfe zu holen. Vor allem die Souveränität beeindruckte.

Charles Friedek:
Der Dreispringer war nach einem schwachen Start in die Hallensaison rechtzeitig in Topform und wies den Bulgaren Rostislav Dimitrov in die Schranken. Es war der letzte Titel gewesen, der bei der Hallen-EM vergeben wurde. Der Leverkusener setzte nach der Hallen- und Freiluftweltmeisterschaft im letzten Jahr auch in Belgien seine Goldserie fort.

Heike Drechsler:
Die Lebensgefährtin des Ex-Zehnkämpfers Alain Blondel hatte vor ein paar Wochen noch erhebliche Schwierigkeiten bei ihren Sprüngen. Nach überstandener Erkältung präsentierte sie sich in hervorragender Verfassung und holte sich Silber. Vielleicht gelingt ihr in ein paar Tagen in Glasgow auch schon ihr erster Sieben-Meter-Sprung des noch jungen Jahres.

Die Lichtblicke

Ronny Ostwald:
Er hatte nichts zu verlieren in Flandern und entsprechend trat der 200-Meter-Sprinter auch auf. Das Finale war unerreichbar, aber auch eine gute Vorstellung in Vor- und Zwischenlauf mit einem hochgerechneten zehnten Platz kann sich sehen lassen.

Ralf Leberer:
Im Vorlauf und Semifinale hinterließ der Ulmer einen starken Eindruck, schnitt sogar besser ab als Falk Balzer. Da kann man über die 7,74 Sekunden und Platz acht im Endlauf locker hinwegsehen.

Nadine Kleinert-Schmitt:
Die Magdeburgerin macht mit Silber da weiter, wo sie im letzten Jahr als Grand-Prix-Final-Siegerin aufgehört hatte. Nämlich Astrid Kumbernuss national immer mehr den Rang abzulaufen. Spannende Duelle für den Sommer sind vorprogrammiert.

Die Jungen

Sonja Kesselschläger:
Die 22jährige lieferte mit einer neuen persönlichen Bestleistung von 4468 Punkten und Platz sechs einen guten Fünfkampf bei ihrem ersten „Big Event“ ab.

Tim Göbel:
Nach dem nationalen Hallentitel von Sindelfingen war der blutjunge Kölner der einzige aus der deutschen Sprintelite, der in den 60-Meter-Finals stand. Das macht Lust auf mehr.

Yvonne Buschbaum:
Es war bereits die vierte große internationale Veranstaltung, an der die 19jährige Stabhochspringerin teilnahm. Mit nur 4,00 Metern und Platz 16 in der Ausscheidung blieb sie aber weit hinter den Erwartungen zurück, so dass mit Christine Adams eine andere in die Bresche springen musste. 

Die Pechvögel

Stefan Holz:
Als es im Semifinale nach halber Distanz um die besten Positionen ging, passierte es – plötzlich lagen drei Läufer auf der Bahn. Einer davon der Ostfilderner Youngster Stefan Holz, von dem wir soviel erwartet hatten. Beim nächsten Mal…

Claudia Marx:
Nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Anja Rücker war die Berlinerin urplötzlich die einzige Deutsche im 400-Meter-Finale. Dort kam sie sich mit der Bulgarin Georgieva, die daraufhin disqualifiziert wurde, ins Gehege und stürzte. Als Heike Drechsler das bemerkte, legte sie tröstend den Arm um sie.

Tim Lobinger:
Der Stabhochspringer passt nicht ganz in diese Kategorie und noch weniger unter diese jungen Namen. Man hätte doch gedacht, dass er trotz der hohen Geschwindigkeit, die er für den „Salto Nullo“ verantwortlich machte, einen gültigen Versuch zustande bringen könnte. Am Ende stand der Titelverteidiger mit leeren Händen da und darf sich vorerst der spitzen Bemerkungen seiner Kollegen sicher sein. Wer den Schaden hat… Trotzdem war es wohl auch eine gehörige Portion Pech, die dem Topfavoriten einen Strick durch die Goldrechnung machte.

Esther Möller:
Hoffnungsvoll war die Sprinterin in den 200-Meter-Vorlauf gegangen. Eingangs der Zielgerade kam sie etwas von ihrer Bahn ab, dann ins Straucheln und knallte auf die Bahn. War sie mit einem Spike hängen geblieben? 

Die Enttäuschten

Marc und Holger Blume:
Beide Zwillinge verabschiedeten sich schon in ihren Vorläufen. Marc bekam sogar vom Polen Krzywanski, der am Ende aber selbst das Finale verpasste, auf der Nebenbahn eine Gratislehrstunde. Gut, dass Ostwald und Göbel für etwas Hoffnung am deutschen Sprinthimmel sorgen.

Falk Balzer:
Gerade mal so hatte er sich in den Endlauf gemogelt und auch da kam er über die Statistenrolle nicht hinaus. Die Show bestimmten andere wie der junge Lette Olijars. Ob ihn diese leidige Auseinandersetzung mit dem DLV wegen seiner Mutter letztlich hemmte?

Andrea Philipp:
Nach der Ankündigung, zu Gunsten der 60 Meter auf die längere Sprintstrecke zu verzichten, hatten wir schon etwas mehr erwartet, als das, was die Dortmunderin mit einem schwachen Vorlauf und einem letzten Platz im Semifinale ablieferte. 

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