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Olympische Sommerspiele in Sydney

Die „Gazelle“ flieht aus Sydney

von Sandy Wilzek

22.09.00 (sw) Wenn die ersten Leichtathleten in den olympischen Kampf um Medaillen und Rekorde eingreifen, werden die Medien schon von einem „Spektakel“ ganz anderer Art beherrscht. Marie-Jose Perec, die Grand Dame der französischen Leichtathletik, sorgt mal wieder für Wirbel. Am Donnerstag verließ sie über Sydneys Darling Harbour fluchtartig die Stadt ohne auch nur in die sportlichen Wettkämpfe eingegriffen zu haben.

Vorausgegangen war eine angebliche Bedrohung in ihrem Hotelzimmer. Ein Unbekannter war nach Perecs Angaben in ihr Zimmer eingedrungen, indem er behauptete, ein Päckchen abgeben zu wollen. Wie von ihrem Manager Avierionos zu erfahren war, will Marie-Jose Perec nicht laufen, ist aber „offiziell noch nicht abgemeldet“. Nach dem Vorfall im Hotel verließ „Gazelle“ samt Anhang, mit nur einigen Gepäckstücken Sydney. Doch damit ist das Drama Perec keineswegs beendet. Kurze Zeit später schlug ihr Freund, der amerikanische Staffel-Olympiasieger Mayback, auf einen Kameramann so stark ein, dass dieser mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Mayback wurde „wegen vorsätzlicher Körperverletzung“ festgenommen und wie Perec von der Polizei verhört.

Marie-Jose Perec, die in diesem Jahr ein Comeback über 400 Meter Hürden plant, hatte sich im Vorfeld der Olympischen Spiele, den Medien ausweichend und den französischen Leichtathletikverband abweisend, unter ihrem neuen Trainer Meier, dem Ehemann der 400-Meter-Weltrekordlerin Marita Koch, still und heimlich vorbereitet.
Ob sie wirklich völlig „traumatisiert“ ist, wie von ihrem Manager zu hören war, oder ob sie sich nur nicht in Form fühlt für das Duell gegen Cathy Freeman, wird ihr Geheimnis bleiben. So aber ist der Weg frei für australische Hoffnungsträgerin.

Kommentar:
Die Skandale nehmen kein Ende. Christie, Ottey, Baumann und jetzt auch noch Perec. Wobei sich der letzte Vorfall im Zusammenhang mit der „Grande Dame“ der französischen Leichtathletik in einem anderen Bereich abspielt. Die sportlichen Wettkämpfe haben noch nicht mal begonnen, da sorgt Perec schon für Wirbel in den Medien. Dabei stellt sich einem die Frage, ist sie nun wirklich bedroht wurde und hat sie dieser Vorfall so stark mitgenommen, dass sie sich nicht mehr in der Lage fühlt, läuferisch in das Geschehen in Sydney einzugreifen oder hat der ganze Zirkus doch andere Gründe? Ist sie vielleicht nicht in guter Verfassung und fühlt sich außerstande im Duell gegen die australische Goldhoffnung Cathy Freeman zu bestehen? Wie dem auch sei, zu einem derartigen „Spektakel“ hätte es niemals kommen müssen und dürfen. 

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