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IAAF-Vorstoß stößt auf Skepsis

Müssen die technischen Bewerbe attraktiver gemacht werden?

07.03.00 (fc) Für reichlich Diskussionsstoff sorgt derzeit in der Leichtathletikszene der Mitte Februar vom Weltverband IAAF beschlossene Vorstoß, die technischen Wettbewerbe attraktiver für Fernsehen und Zuschauer machen zu wollen. Es ist für die Freiluftsaison vorgesehen, diese Möglichkeiten zu testen. Viele Experten äußern sich jedoch skeptisch. Vor allem die Aktiven als Betroffene sind von der Absicht, Hoch- und Stabhochspringer auf sechs Sprünge pro Wettkampf zu limitieren, wenig begeistert. 

Auch die Wurfbewerbe sind involviert. Hier wurde angedacht, diese auf vier Versuche zurückzuschrauben. Wird dabei lediglich die Länge des Wettkampfes und die Möglichkeit des Konterns reduziert, so sind die Springer zwangsläufig gezwungen, ihre Taktik zu ändern, wenn ihnen nur noch insgesamt sechs Versuche zur Verfügung stehen.

Hallen-Europameisterin Kajsa Bergqvist bringt es auf den Punkt: „Nehmen wir mal an, ich gehe mit dem sechsten Sprung in Führung. Es wäre mir nicht mehr möglich, diese zu verteidigen oder eine weitere Höhe zu versuchen. Ich kann bei diesem Schema auch nicht erkennen, wie man da noch Weltrekorde aufstellen soll.“ Die Schwedin bietet jedoch Alternativideen an. So schlägt sie vor, die Anzahl der Fehlversuche zu maximieren oder einfach die Felder kleiner zu machen, um so die Wettkampfdauer zu reduzieren.

Dieser Meinung schließt sich auch Stabhochspringerin Stacy Dragila an, die erst am letzten Wochenende einen neuen Hallen-Weltrekord aufstellte. In ihrer Heimatstadt Pocatello hatte sie am 19. Februar bereits die Bestmarke auf 4,61 Meter gesteigert und dort benötigte sie bis dorthin 13 Versuche. Sie unterstützt auch, die Anzahl der Starter zu reduzieren. Bei den US-Hallen-Meisterschaften am letzten Freitag waren insgesamt 25 Springerinnen im Feld. Dragila stieg erst nach über einer Stunde in den Bewerb ein.

Ihr Kollege Jean Galfione lehnt den IAAF-Vorschlag völlig ab („Sechs Versuche für einen ganzen Wettkampf sind Unsinn“). Er könnte sich aber vorstellen, dass die Höhen stärker gesteigert werden, um so den Bewerb voranzutreiben.

Es gibt aber auch andere Meinungen. Andreas Brugger, Meetingdirektor in Zürich, meint, es wäre wert, diesen Vorschlag mal auszuprobieren. Jedoch glaubt er nicht, dass dies positiven Einfluss auf die Fernsehpräsenz der technischen Bewerbe, wie von Verband und Aktiven grundsätzlich gewünscht, haben könnte.

Die italienische Hochsprung-Olympiasiegerin von 1980, Sara Simeoni, hält das Modell für interessant: „Die taktische Komponente würde mehr an Bedeutung gewinnen. Wenn das den Unterhaltungswert steigert, sollte man darüber nachdenken.“

Wir greifen dieses Thema in unserem Forum auf und freuen uns auf Eure Meinungen dazu.

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