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Saison 2000

Schumann ist Aufsteiger der Saison

Olympiasieg katapultierte den Thüringer in die Sportelite


25.12.00 (fc) Über keinen deutschen Leichtathleten wurde seit den Olympischen Spielen so viel geschrieben wie über Nils Schumann. Der 800-Meter-Olympiasieg machte ihn von einem Augenblick auf den anderen zum Shooting-Star des deutschen Sports. Bei den Wahlen zum „Sportler des Jahres“ wies er sogar Formel-1-Star Michael Schumacher und Rad-As Jan Ullrich in die Schranken. TV-Shows, Vereinswechsel, Sponsoren, Management, Verhandlungen, Ehrungen – der Rummel kannte keine Grenzen. Zum Jahresende gönnte sich der Aufsteiger die nötige Ruhe vom Stress der letzten Wochen.

„Ich kann ganz gut damit leben, Olympiasieger zu sein“, sagt Nils Schumann mit einem verschmitzten Lächeln. Schließlich ist er der einzige Erstplatzierte neben Heike Drechsler im DLV-Team, das in Sydney an den Start ging. Beide zählen seither zu den begehrtesten deutschen Sportlern. Kaum eine Fernsehshow, die nicht nach den Goldmedaillengewinnern Ausschau hielt. Anfang November sagte Schumann noch bei Harald Schmidt: „Ich hoffe, dass sich für mich der Sport auch in den nächsten Jahren bezahlt macht.“ Mittlerweile liegen dem 22jährigen mehrere Anfragen von finanzkräftigen Sponsoren vor und die Weichen dafür scheinen gestellt. In Klaus Kärcher hat er einen gewieften Marketing-Manager an seiner Seite, der bei den Angeboten die Spreu vom Weizen trennen wird.

Der sportliche Erfolg brachte auch den Vereinswechsel vom SV Creaton Großengottern zur LG Nike Berlin im November mit sich. Damit verbunden war der Bruch mit dem bisherigen Trainer Dieter Hermann, den Schumann sehr bedauert. Hermann hatte ihn für die Olympischen Spiele auf die Erfolgsspur gebracht. Während die anderen 800-Meter-Asse bei den großen Meetings wie in Zürich Geld verdienten, arbeitete das Duo am letzten Schliff. Der Rest der Geschichte ist hinlänglich bekannt. In einem taktischen Rennen setzte sich Nils Schumann in einem Finale, bei dem es keinen klaren Favoriten gab, durch und erreichte vor dem Dänen Wilson Kipketer die Ziellinie.

Bereits vor zwei Jahren war ihm bei der Europameisterschaft in Budapest ein ähnliches Bravourstück gelungen. Beherzt war er auch damals zum Sieg gestürmt und bestätigte den zuvor errungenen Titel bei der Hallen-EM. Dort musste er sich Anfang diesen Jahres als Titelverteidiger in Gent dem jungen Russen Borzakovsky geschlagen geben. Dazwischen lag ein achter Platz bei der Weltmeisterschaft in Sevilla, den manche auch als „Lehrgeld“ bezeichnen. Deshalb gilt der Blick des neuen deutschen Hoffnungsträgers bereits jetzt der WM im nächsten Jahr in Edmonton. In der bevorstehenden Hallensaison wird er nur bei einzelnen deutschen Meetings wie zum Beispiel in Stuttgart starten und auf die Hallen-Weltmeisterschaft in Lissabon verzichten. Als Coach soll ihm in der nächsten Saison voraussichtlich nun sein Vater Peter zur Seite stehen, der noch auf seine Freistellung vom Schuldienst wartet. Das Jahr 2001 wird kein leichtes. Die Erwartungen sind hoch. Aber nun kann sich Nils Schumann die Wettkampfhärte holen, die nötig ist, um noch schnellere Zeiten zu laufen. Starts in der Golden League sind vorgesehen. Spätestens dort wird er wieder auf die Konkurrenten treffen, die er in Sydney sensationell in die Schranken gewiesen hat. Natürlich spekulieren schon jetzt die deutschen Meeting-Veranstalter für den nächsten Sommer auf den deutschen Star. Nicht nur in Ingolstadt und Nürnberg steht er in der Wunschliste der Meeting-Direktoren ganz oben.

„Ich bin stolz, dass ich mich für den Sport entschieden hatte“, sagt Schumann heute. Gerade dieser Entschluss in jungen Jahren, ohne berufliches Auffangbecken die Laufbahn als Profisportler anzugehen, erfordert Mut. Den Mut, für der Bad Frankenhausener nun belohnt wird. „Man ist nur als Sieger bekannt“, erkannte er. Und Nils Schumann ist ein Siegertyp. Das hat er nicht erst in Sydney bewiesen.

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