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Junioren-Europameisterschaft in Grosseto

Impressionen von Sebastian Gatzka

Grosseto-Tagebuch: Von Siesta und Zeremonienmeistern


25.07.01 (fc) Als Vierter über 200 Meter verpasste der deutsche Nachwuchssprinter Sebastian Gatzka bei der Junioren-Europameisterschaft in Grosseto knapp einen Medaillenplatz. Welche Eindrücke er bei den Titelkämpfen sammelte, hat er für „Steeple“ während der Veranstaltung eingefangen. Erleben Sie die Veranstaltung aus der Sicht eines Teilnehmers und es gibt auch allen Grund zu schmunzeln!Samstag, 21.07.2001

Der Samstag brachte nun auch den eigenen Wettkampf. Auf Grund der übermäßigen Temperaturen am Nachmittag wurden alle Wettkämpfe erst gegen 17 bis18 Uhr begonnen. Dabei waren meine keine Ausnahme. Bei der ersten. Runde um 18:25 Uhr sah ich mich einem Tag des Wartens gegenübergestellt. Und mehr ist auch am Vormittag und frühen Nachmittag nicht passiert. Im Zimmer auf- und abtigern, Musik hören, nur irgendwie den Tag rumbekommen war die Aufgabe.

Als Markus Malucha und ich zusammen mit unserem Bundestrainer Udo Metzler dann in den Bus zum Stadion einstiegen, war auch schon der höchste Punkt der Nervosität erreicht.

Die Prozeduren im Callroom kannte ich ja bereits von den letztjährigen Starts in Santiago. Trotzdem wirkte es ganz anders, den eigenen Namen durch den Stadionsprecher bei einer internationalen Meisterschaft zu hören. Diese Erlebnisse weckten in mir eine Motivation, die ich bisher nicht bei nationalen Wettkämpfen gespürt habe, und die sicher viele Starter bei internationalen Wettkämpfen schon einmal miterlebt haben.

Nach Beendigung der Wettkämpfe war zumindest für mich der vorletzte Wettkampftag zu Ende. Nach einem späten Essen im Hotel blieb für die Starter des Tages nur noch die Erholung des eigenen Bettes.

Sonntag, 22.07.2001

Der Zeit vor den Starts am letzen Wettkampftag unterschied sich nicht viel vom vorhergehenden. Bis auf die Tatsache, dass sechs Sprinter nervös durch die Gänge schlichen. Der letzte Tag erwies sich immer als einer der spannendsten, und auch diesmal war es nicht anders zumal, an diesem Sonntag dem 22. Juli die letzen Entscheidungen stattfanden, die in die Nationen- und Medaillenwertung der Veranstaltung eingingen.

Die erfolgreichsten Entscheidungen des Tages waren zweifellos die Entscheidungen in den Staffelläufen. Die Sprinterinnen auf ihrem Weg zur Goldmedaille mitzuerleben, machte Mut für den eigenen bevorstehenden Endlauf.

Aber das Glück der männlichen Staffelläufer wurde diesmal nicht von Deutschland gepachtet. Ähnlich wie die 4x400m-Staffel am Vortag kegelte sich unsere 4x100m-Staffel durch einen Wechselfehler aus den möglichen Endkampfplätzen. Das nach so einer Veranstaltung übliche Abschlussprogramm überraschte mich diesmal. Als alle Sportler im Innenraum hinter ihren Landesfahnen aufgestellt waren und den vom Flutlicht beleuchteten Abschlussehrungen für die erfolgreichsten Athleten der Veranstaltung lauschten, fiel mir zum ersten Mal auf, wie wenig Athleten doch insgesamt an den Meisterschaften teilnahmen, da diese nicht einmal die Hälfte des Rasenplatzes füllten. Nach den darauffolgenden Tauschbörsen für Kleidungsstücke der Nationen stürmten alle wieder aus dem Innenraum direkt zu den bereitstehenden Bussen zurück ins Hotel, um sich für die am Hotelpool stattfindende Abschlussparty fertig zu machen und vorher noch schnell zu essen.

Die Abschlussparty war nach Meinung des Mannschaftsleiters Wolfgang Rummelt „enttäuschend“. Der Ansicht waren auch andere. Mit den Partys der letzen Jahre war diese nicht zu vergleichen. Zwar wurde Live-Musik gespielt, aber nach 24 Uhr wurden uns keine Sitzgelegenheiten oder Getränke zur Verfügung gestellt.

Mit den Athleten der anderen Nationen zu feiern und auf Medaillen, Beinahemedaillen oder alle anderen Platzierungen anzustoßen, war trotzdem spaßig und stellt sich im Großen und Ganzen als entsprechender Abschluss der Junioreneuropameisterschaften heraus.

Montag, 23.07.2001

Am nächsten Morgen begaben sich dann die meisten Teams wieder auf den Weg nach Hause. Auch wir begannen die Busreise nach Rom bereits um acht Uhr.

In der am Gate 8 gehaltenen „Stillen Stunde“, der Abschlussbesprechung des Teams, wurden die Leistungen des Vortages genannt und beklatscht und die letzte Rückmeldung der Teamleitung geäußert. Die Leitung hatte aber am geschlossenen und positiv aufgefallenen Team nichts auszusetzen.

Und damit waren die 16. U20-Europameisterschaften nun endgültig beendet. Denn ab dort trennten sich die Wege der Mannschaft. Ein Teil flog nach München, der andere nach Frankfurt. Also noch schnell die letzten Unterschriften in der Mannschaftsbroschüre sammeln und sich von allen Verabschieden, denn die Boarding-Time rückte immer näher.

Aber die meisten werden sich wohl bei den nächsten Wettkämpfen wiedersehen, sofern noch Starts in dieser Saison geplant sind.

Alles in Allem, war es für mich eine schöne Woche mit der Nationalmannschaft an (den für mich letzten) internationalen Jugendmeisterschaften teilnehmen zu dürfen.

Ich hoffe, wir sehen uns alle irgendwann wieder. Es hat wieder einmal riesig Spaß gemacht und ich denke, das sollte auch bei aller Ernsthaftigkeit der Wettkämpfe mit im Vordergrund stehen!

von Sebastian Gatzka

Fragen, Anregungen und Feedback willkommen unter sebastian.gatzka@gmx.de

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