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Oregon Track Classic

Stacy Dragila: „Das ist lächerlich“

Frust in Portland: Regeländerungen von Athleten stark kritisiert


04.06.01 (fc) Nach 28 Minuten war’s vorbei. Die Stabhochspringer konnten die Anlage verlassen. Sieger mit der Anfangshöhe von 5,35 Metern war Pat Manson. Eine Siegerleistung, die man für ein Grand-Prix-Meeting getrost als „jenseits von Gut und Böse“ bezeichnen kann. Portland erlebte am gestrigen Sonntag den ersten Test der geplanten Regeländerungen. Der Schuss ging ordentlich nach hinten los und zog lautstarke Kritik durch die Athleten nach sich.

„Ich bin nicht einmal müde“, schimpfte Olympiasiegerin Stacy Dragila, die den Frauenbewerb immerhin mit 4,51 Metern gewann. Nur mehr zwei Versuche pro Höhe standen den Stabakrobaten zu. „Im Training mache ich zwanzig Sprünge. Hier waren es heute sechs. Ich bin nicht einmal warm“, so die Weltrekordhalterin frustriert, „das ist ein Gefühl wie noch im Block zu sitzen und es ist schon alles vorbei. Es ist lächerlich.“ Dragila hat sich wie viele andere Athleten auch in einer Petition gegen die Regeländerungen ausgesprochen.

Das Hammerwerfen, auf vier Versuche für jede der fünf Teilnehmerinnen reduziert, war in 22 Minuten vorüber. Ein Blitzwettbewerb sozusagen. Damit hat der Weltverband bei seinem ersten Test das erreicht, was er wollte. Schnelle Wettbewerbe. Allerdings können diese auch rasch für den Zuschauer unattraktiv werden, wie der Männer-Stabhochsprung vor Augen führte. Vier Springer, darunter Hallen-Europameister Lawrence Johnson, gingen mit einem „Salto Nullo“ von der Matte. Nur Pat Manson hatte die Anfangshöhe von bescheidenen 5,35 Metern überquert.

Die Aktiven fanden in Portland klare Worte, wenn es um die getesteten Regeländerungen ging. Auch John Godina, im Diskuswerfen am Start, nahm kein Blatt vor den Mund: „Ich verstehe die Logik dahinter nicht. Die Diskuswerfer sind so oder so nur einmal im Fernsehbild.“ In den 200-Meter-Sprints kam hingegen die Regel, bereits nach einem Fehlstart den betreffenden Athleten zu disqualifizieren, nicht zum Tragen. Die ersten Startversuche klappten und alle kamen ins Ziel, angeführt von Shawn Crawford (20,40 sec) und LaTasha Jenkins (22,40 sec w).

Aus sportlicher Sicht gab es trotz der heftigen Kritik an den möglicherweise neuen Regeln das ein oder andere Ausrufezeichen. Der Jamaikaner Michael McDonald entzauberte in 44,85 Sekunden über 400 Meter die US-Amerikaner Antonio Pettigrew (45,05 sec) und Tyree Washington (45,10 sec). Tina Paulina (MOZ) blieb über 800 Meter in 1:59,15 unter zwei Minuten. Olympiasieger Virgilius Alekna (LIT) kam im Hammerwerfen auf eine Weite von 66,74 Metern.

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