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Weltmeisterschaft in Edmonton

Mit gebremsten Erwartungen zur WM

Deutscher Verband wäre mit Platz in den Top Five zufrieden

28.07.01 (fc) Die Verantwortlichen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) brachen in dieser Woche mit gebremsten Erwartungen zur Weltmeisterschaft nach Edmonton auf. Fand man sich seit 1995 stets unter den vorderen drei Nationen wider, so ist in diesem Jahr nach der rückläufigen Medaillenausbeute von den Olympischen Spielen in Sydney zunächst ein Platz unter den Top Five der Gradmesser.

„Die Breite in der Spitze ist nicht so groß. Das ist durch andere Athleten nicht zu kompensieren“, stellte Generalsekretär Frank Hensel vor seiner Abreise kritisch fest. Er selbst wird jedoch abergläubisch. Der Bart kommt erst nach der Rückkehr aus Kanada wieder ab. Das hatte sich in diesem Jahr bei der U23-EM in Amsterdam bereits bewährt.

„In einem guten Dutzend Disziplinen haben wir Chancen auf vordere Plätze“, glaubt Hensel, der eine ähnliche Medaillenanzahl wie in Sydney (fünf) für möglich hält. „Damit müssten wir zufrieden sein.“ Dies begründet er vor allem damit, dass Leistungsträger der letzten Jahre wie Weltmeister Charles Friedek oder Europameister Damian Kallabis diesmal nicht zur Verfügung stehen. Aber auch dem Nachwuchs gibt er eine Chance: „Wir haben junge Athleten, die über Medaillenvermögen verfügen.“

DLV schickt jüngstes je nominiertes Team in das Rennen

Die Mannschaft für Edmonton ist mit einem Durchschnittsalter von 25,9 Jahren das jüngste Team, das der DLV seit der Wiedervereinigung je ins Rennen geschickt hat. Frank Hensel, der zusammen mit Rüdiger Nickel und Dagmar Freitag die Mannschaftsleitung bildet, gibt der Truppe den Freiraum, sich zu beweisen: „Wir werden die jungen Athleten nicht unter Druck setzen. Sie sollen ihre Haut so teuer wie möglich verkaufen und ihre Leistung abrufen.“ Als wichtig schätzt er auch die Erfahrungen ein, die man dabei sammeln kann und die sich stark von denen der internationalen Nachwuchsveranstaltungen unterscheiden.

72 Athleten und ein rund 50-köpfiges Begleitteam machten sich zum Großteil bereits in dieser Woche in das DLV-Vorbereitungstrainingslager nach Calgary auf. Dort wurden auch noch zwei Termine für Testwettkämpfe festgelegt. Bis dahin sollten die Zeitverschiebung und die Müdigkeit, die zu Beginn noch in der Mannschaft festzustellen war, überwunden sein. Die erste Gruppe reist schließlich am 2. August in die WM-Stadt Edmonton weiter, um sich dort rechtzeitig vor den ersten Wettkämpfen weiter zu akklimatisieren.

Damit stellen sich auch den Verantwortlichen wieder neue Herausforderungen. „Viele von uns sind mit sozialer Kompetenz gefordert“, weiß Hensel aus seiner Erfahrung und hält nur wenig von fremdpsychologischer Betreuung: „Das kann man den Athleten nicht aufdrängen.“

Die ersten Tage beeinflussen die Stimmung im Team – Stabis sollen „eintüten“

Viel wird in Edmonton vom Verlauf der ersten Wettkampftage, der die Stimmung im Team erheblich beeinflusst, abhängen. Natürlich setzt man auf entsprechende Erfolgserlebnisse, um eine ähnliche Erfahrung wie vor sechs Jahren in Göteborg zu vermeiden. „Es ist für die Sportart nicht gut, wenn sich sechzig Prozent bereits in den Vorkämpfen verabschieden.“

Trotz des jungen Durchschnittalters scheinen aber die meisten nominierten Athleten ausreichend Potenzial zu haben, um positive Akzente zu setzen. Auch die junge Garde kann für frischen Wind, der auch im Hinblick auf die EM im nächsten Jahr in München eine positive Öffentlichkeitswirkung garantieren würde, sorgen. „Die Vorbereitungen sind zielgerichtet erfolgt“, glaubt Hensel, der insbesondere die Stabhochspringer dafür lobt, dass sie in diesem Jahr mit ihren Starts hausgehalten haben und hofft, dass Ecker, Spiegelburg und Stolle endlich „eintüten“.

DLV-Präsident Dr. Clemens Prokop schließt sich der Meinung seines Generalsekretärs an, was die Möglichkeiten in Edmonton betrifft: „Wir fahren mit realistischen Erwartungen nach Edmonton. Persönlich rechne ich mit einem Platz unter den ersten Fünf und nicht mit Rang drei.“