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Fall Baumann

Nach Baumann-Start nur Verlierer

Nach Dortmund ging es Schlag auf Schlag – IAAF-Statuten in der Kritik


02.03.01 (fc) Am vergangenen Samstag wurde ein weiteres Kapitel im Fall Baumann aufgeschlagen. Ein Kapitel, an dem man noch immer schreibt. „Dieses Startrecht steht ihm aufgrund einer gerichtlichen Entscheidung zu“, sagte DLV-Präsident Prof. Dr. Helmut Digel zu Beginn der Deutschen Hallen-Meisterschaften in Dortmund. Mit klaren Worten wurde die IAAF-Regel kritisiert: „Mir ist hier nicht bange.“ Zwei Tage danach sah die Welt ganz anders aus. Die 3000-Meter-Läufer, die am Sonntag gegen Baumann antraten, wurden vom Weltverband IAAF gesperrt und dessen Sperre selbst bis zum 25. Februar 2003 verlängert.

Digel hat inzwischen ausführlich zu dem Dilemma, in dem der Verband steckte und immer noch steckt, aus Chile ausführlich und umfassend Stellung bezogen (wir berichteten). Auch wenn die IAAF-Regel, Athleten, die gegen einen Gesperrten antreten, ebenfalls zu sperren, auf breite Ablehnung stößt, wurde diese vom Weltverband umgesetzt. Nach den Statuten erfolgt dies sogar automatisch. Der DLV verwies auf den Präzedenzfall Butch Reynolds, bei dem die IAAF letztlich davon absah. Allerdings gab es hier nach dem üblichen Säbelrasseln der Verbände einen entscheidenden Unterschied. Noch bevor Reynolds seinerzeit auf die Laufbahn ging, war klar, dass die Regel nicht angewandt werden sollte. Das war in Dortmund anders. „Ich kann nicht ausschließen, dass die IAAF Athleten für die Hallen-WM sperrt“, so Digel bereits in der Helmut-Körnig-Halle.

Exakt das ist nun geschehen. Der deutsche 3000-Meter-Läufer Jan Fitschen bangt um seinen Start bei der Hallen-Weltmeisterschaft in Lissabon, den er bei den Titelkämpfen unter Dach und Fach bringen wollte und allein deshalb nur schwerlich umhin kam, gegen Baumann anzutreten. Weitere sieben Aktive sind betroffen. Kurzfristig vor allem jene, die morgen bei den Deutschen Cross-Meisterschaften zur Konkurrenz gehören (wollten). Noch besteht aber die Hoffnung, dass heute die Baumann-Lawine durch einen Eilbeschluss des IAAF-Councils gebremst wird.

Sperren gegen deutsche Läufer für Cross-DM ausgesetzt (News 02.03.01)

Auch die Sympathien in Athletenkreisen gegenüber Baumann sind auf eine harte Probe gestellt, selbst wenn der Tübinger „propagiert“, dass es hier um grundsätzliche Athletenrechte ginge. Nils Schumann kritisierte, dass Baumann in Dortmund angetreten ist. Er hätte es lieber gesehen, dass sich Baumann mit dem Recht auf einen Start begnügt und dieses nicht in Anspruch genommen hätte. Nun ist der Olympiasieger selbst plötzlich auch betroffen. Nachdem Schumann bei der Cross-DM in Regensburg sein erstes ernsthaftes Rennen in diesem Jahr laufen will, muss er darauf achten, nicht plötzlich gegen einen der gesperrten 3000-Meter-Läufer von Dortmund anzutreten. Er wird aber jedenfalls am Abend in die Oberpfalz anreisen und erst kurzfristig, unter Umständen sogar an der Startlinie, darüber entscheiden, ob er läuft oder nicht. Der Frust ist groß und einige Athleten können die Entwicklung, die in dieser Woche vonstatten ging, nicht mehr nachvollziehen. Ob Baumann nun Täter oder Opfer ist, spielt längst keine Rolle mehr. Das nationale Recht kollidiert offensichtlich erheblich mit den Rechtsansichten und den Systemen der Weltleichtathletik. Momentan zeichnen sich nur Verlierer ab. Baumann selbst, denn er wurde nun über die EM 2002 hinaus international gesperrt. Seine Gegner von Dortmund, die plötzlich als „Bauernopfer“ ebenfalls gesperrt sind und zusehen müssen, wie sie dem Schlamassel am besten wieder entrinnen können. Der Deutsche Leichtathletik-Verband, der sich in der Kritik sieht und sich nun um Schadensbegrenzung bemüht. Der Weltverband, der über automatisierte Statuten aus längst vergangenen Zeiten Härte demonstriert, und damit die gesamte Leichtathletik, die damit in dieser Woche nicht gerade positive Schlagzeilen schreibt, in ein seltsames Scheinwerferlicht rückt.

Noch bleibt aber die Hoffnung, dass das vom DLV eingeleitete Eilverfahren beim IAAF-Council in einer schriftlichen Abstimmung Früchte trägt und sich damit zumindest ein paar dunkle Wolken im Hinblick auf die anstehenden Deutschen Cross-Meisterschaften in Luft auflösen. Bereits vor Wochenfrist sprach DLV-Präsident Digel von einem „Riesenschaden für die deutsche Leichtathletik“. Zu einem Zeitpunkt, als er noch davon ausging, dass sich die Konsequenzen aus dem Baumann-Start in Grenzen halten würden.

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