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Portrait

„Lilli-Hammer“ ist hart zu sich selbst

Larissa Kleinmann will 3000 Meter Hindernis in Angriff nehmen


07.01.01 (fc) „Ich bin sehr hart zu mir selber“, sagt Larissa Kleinmann, die in den USA als sehr ehrgeizige Athletin bekannt ist. 1998 wagte sie nach dem Abitur in Fellbach den Sprung über den großen Teich und studiert nach einem Jahr in Boston inzwischen in Arkansas. Bislang auf den Langstrecken und im Crossbereich zuhause, sieht sie über die 3000 Meter Hindernis, deren Männerbastion auch in Deutschland fallen wird, ihre große Chance.

„Ich hoffe, dass der Hindernislauf meine neue Zukunft ist.“ Dadurch, dass in den Staaten Hindernisrennen schon seit längerem bei Wettkämpfen angeboten werden, hat die 22jährige bereits Ende März die erste Gelegenheit, den „Steeple“ in Angriff zu nehmen. Ihr Hürdencoach Rolando Greene, mit dem sie in Arkansas zusammenarbeitet, sagt ihr in dieser Disziplin gute Perspektiven voraus. 

Bislang machte Kleinmann vor allem im Crossbereich auf sich aufmerksam. Zum Ende des letzten Jahres fuhr sie ungeschlagen zu den NCAA Cross Country Championships, musste dort allerdings den eiskalten Bedingungen Tribut zollen und sich mit dem zehnten Platz begnügen. „Ich war in viel besserer Form als im Jahr zuvor, als ich Dritte wurde“, ärgert sie sich immer noch über die verpasste Chance, der schnellen Kara Grgas-Wheeler Paroli zu bieten. 1997 holte sie als Juniorin mit dem DLV-Team den Titel bei der Cross-Europameisterschaft und kam im Einzelbewerb auf Platz vier. Im vergangenen Jahr wurde sie für die Cross-Weltmeisterschaft in Portugal nominiert. Ihre Leistung litt jedoch unter den Komplikationen der 48stündigen Anreise direkt von den Hallen-Meisterschaften der NCAA. „Das ist nichts für die US-Saison“, analysiert die gebürtige Stuttgarterin rückblickend und schließt eine weitere Teilnahme an der Neuauflage in Dublin im März aus.

Im Alter von fünf Jahren begann sie mit der Leichtathletik. Durch ihren Vater Dr. Dieter Kleinmann, selbst Läufer und Buchautor, bekam sie die Gene praktisch in die Wiege gelegt. Seit 1992 hat sie sich auf das Laufen konzentriert und nahm vier Jahre später am New-York-City-Marathon teil. Mit einer Zeit von 2:59:15 Stunden blieb sie unter der Drei-Stunden-Marke. In zwei Jahren möchte sie unter Umständen einen weiteren Versuch beim Chicago-Marathon unternehmen. Eine Verbesserung auf 2:40 Stunden und damit ein neuer Familienrekord sind bereits jetzt das Ziel. Zunächst stehen allerdings der Wechsel auf die 3000 Meter Hindernis und eine mögliche Qualifikation über die 5000 Meter für die Weltmeisterschaft in Edmonton im Vordergrund. Dafür müsste sie ihre bisherige Bestleistung von 15:58,12 Minuten um über eine halbe Minute toppen. Larissa, die gerne „Lilli“ genannt wird, ist sich der Schwere der Aufgabe bewusst: „Dafür brauche ich ein perfektes Rennen.“

Das Mitglied der Lady Razorbacks fühlt sich in den Vereinigten Staaten wohl und schätzt vor allem das Teamgefühl. „Es fällt einem viel schwerer, in Deutschland zu trainieren“, erinnert sie sich an die Zeit, als sie im Jugendalter auf sich alleine gestellt war. Dass sie in Boston keine entsprechenden Trainingspartner hatte, war für sie auch der Grund, nach nur einem Jahr zur University of Arkansas zu wechseln. Ihren Spitznamen „The Hammer“ aus der Bostoner Zeit nahm sie dabei mit nach Fayetteville, wo sie nun oft „Lilli-Hammer“ genannt wird. Worauf das genau zurückzuführen ist, kann sie nicht sagen. „Keine Ahnung. Vielleicht, weil ich so hammerhart bin“, lächelt sie. Vor allem hart zu sich selbst beim täglichen Training, das nicht selten ein Wochenpensum von über 100.000 Kilometern umfasst. 

Im Juni ist sie nach den NCAA Championships wieder in Deutschland zu sehen und die Deutschen Meisterschaften in Stuttgart sollten genug Motivation für Larissa Kleinmann, deren Wechsel zum SCC Berlin platzte, sein, um auch in ihrer Heimat auf sich aufmerksam zu machen.

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