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Weltmeisterschaft in Edmonton

WM-Qualifikation trotz Übergangsjahr

Stefan Schmid sieht großes Potenzial im Zehnkampf-Nachwuchs

Der „Alles-Oder-Gar-Nicht-Typ“ Stefan Schmid – Improvisation und Organisation vereint

„Die Europameisterschaft in München ist das Ziel überhaupt“, weiß er schon ganz genau, wo sein Weg im nächsten Jahr hinführen soll. Als bayerischer Athlet hat die Veranstaltung für ihn natürlich eine besondere Bedeutung, aber auch Gedanken an das eigene Karriereende sind damit verknüpft. Eine definitive Entscheidung hat er aber noch längst nicht getroffen. „Ich bin ein Alles-Oder-Gar-Nicht-Typ“, schätzt er Halbherziges wenig und erklärt damit auch, dass Ziele und ein entsprechendes Engagement für ihn als Ganzes unverzichtbar sind. „Man soll niemals nie sagen, Alain Blondel wurde auch noch mit 34 Europameister“, lässt er den Zeitpunkt, wann er sich von der Zehnkampfbühne verabschieden will, vorerst noch offen. Spaß und Gesundheit sind für Stefan Schmid die Kriterien, an die er seine Pläne knüpft. Was nicht weiter verwundert, schließlich war er in den 90er Jahren nicht gerade vom Glück verfolgt und musste bis 1997 sieben Arthroskopien über sich ergehen lassen. „Seit drei Jahren geht es mir gesundheitlich hervorragend“, freut er sich.

Dem Karlstadter gelingt es in beeindruckender Manier, sein eigenes Fitnesstudio und den Leistungssport unter einen Hut zu bekommen. „Aber gerade dieser Gegenpol ist vielleicht auch ein Geheimnis des Erfolges der letzten zwei Jahre.“ Freizeitsport im Job, Leistungssport in der Freizeit. Was sich wie der pure Gegensatz anhört, ist die tagtägliche Herausforderung, die er mit einem fast minutiösen Zeitplan erfolgreich realisiert. Im Mai 1998 startete das eigene Unternehmen mit einem Investitionsvolumen in siebenstelliger Höhe, so dass damals der Sport zunächst etwas zu kurz kam. Mittlerweile hat er vor allem im Sommer die Doppelbelastung mit einer organisatorischen Meisterleistung bestens im Griff. So wird schon vormittags oder am frühen Nachmittag trainiert, um am Abend im Geschäft präsent sein zu können. „Langweilig wird es mir nie“, versichert der 8000-Punkte-Garant.

Ein Künstler im Improvisieren und Koordinieren ist Stefan Schmid auch beim Ausklügeln seines Trainings. Mittlerweile wird er von gleich drei Leuten dabei unterstützt. Seit diesem Frühjahr hilft ihm Ewald Kaufmann via E-Mail und Telefon im Sprint- und Sprungbereich, Alfred Maasz ist der Betreuer und die rechte Hand in Karlstadt. Das Team ergänzt schließlich Frank Müller, selbst früherer Zehnkämpfer, der ihm als Wettkampfcoach zur Seite steht. „Dadurch bin ich relativ flexibel“, schätzt er die Freiheiten, auch selbst das Programm abzurunden.

Familie drückt im Commonwealth Stadium die Daumen

„Ich bin nach wie vor ehrgeizig und mit vollem Herzen dabei, aber dieses Übermaß an Muss ist bei mir nicht mehr da“, scheint die nötige Lockerheit im Zehnkampf ein großes Plus des Stefan Schmid zu sein. Diese Portion Unverkrampftheit soll ihm nun auch bei der WM in Edmonton helfen, um am Ende die angepeilten 8300 bis 8400 Punkte umzusetzen: „Ich will in erster Linie eine gute bis sehr gute Leistungen bringen.“ Dabei kann er nicht nur auf die Unterstützung von Kaufmann und Maasz, sondern auch auf seine Frau Andrea mit Filius Eric und seine Eltern setzen. „Bei den internationalen Wettkämpfen muss der Athlet die Entscheidungen überwiegend selber treffen“, weiß Schmid aus Erfahrung, dass ihm im Commonwealth Stadium keiner wirklich helfen kann und vor allem bei der Familie Daumendrücken angesagt ist, ehe nach dem Wettkampf noch ein paar Tage bleiben, um gemeinsam die Zeit bis zum Rückflug zu verbringen.