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Weltmeisterschaft in Edmonton

Steeple-WM-Preview

Die Vorschau auf den Saisonhöhepunkt in Edmonton – Männer (3)

31.07.01 (fc) In wenigen Tagen fällt der Startschuss für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Edmonton. Die nationalen und internationalen Topathleten haben sich akribisch auf den Saisonhöhepunkt vorbereitet, um auf den Punkt fit zu sein. In unseren Previews nehmen wir die einzelnen Disziplinen unter die Lupe, wägen die deutschen Chancen ab und wagen einen Medaillentipp.

Kugelstoßen:

DIE LAGE:
Die US-Amerikaner ziehen wieder einmal als Favoriten in den „Kampf“. Mit John Godina und Adam Nelson stellen sie zwei Medaillenkandidaten. Die Weltjahresbestleistung hält mit 21,97 Meter der junge Südafrikaner Janus Robberts. Wie er die Form aus der Collegesaison kompensieren konnte, ist bei ihm die entscheidende Frage. Der Spanier Manuel Martinez überzeugte nicht nur beim Europacup in Bremen und ist der stärkste europäische Vertreter. Olympiasieger Arsi Harju fand nach privaten Sorgen nur langsam in die Saison, hat aber schon eine Weite von 20,70 Metern erzielt.

DEUTSCHE CHANCEN:
Die beiden DLV-Vertreter Oliver-Sven Buder und Ralf Bartels lieferten sich national ein abwechslungsreiches Duell, aber in Edmonton wird eine Weite über 20 Meter nötig sein, um in das Finale einzuziehen. Dort wäre eine weitere deutliche Steigerung für eine vordere Platzierung erforderlich. Qualifikation und Endkampf an einem Tag verlangen nach eigenen Gesetzen. Für Buder spricht die Erfahrung.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Godina – Martinez – Robberts

Diskuswerfen:

DIE LAGE:
Olympiasieger Virgilius Alekna ist das Maß aller Dinge und wer Weltmeister werden will, muss ihn besiegen. Kandidaten dafür gibt es durchaus. Der Olympia-Dritte Frantz Kruger (RSA), der Ungar Robert Fazekas, der eine gute Saison ablieferte, der Kanadier Jason Tunks, die US-Vertreter John Godina, Adam Setliff und Andy Bloom sowie natürlich die Deutschen Lars Riedel und Michael Möllenbeck werden sich um die Medaillenränge rangeln.

DEUTSCHE CHANCEN:
Die 65,14 Meter von Lars Riedel beim windigen Abschlusstest in Cuxhaven waren zwar kein Ausrufezeichen, aber wer den Chemnitzer kennt, weiß, dass er im Trainingslager hart gearbeitet hat, um für die WM fit zu sein und um die Medaillen mitsprechen zu können. Michael Möllenbeck kann, bestätigt er in Edmonton den Eindruck von Stuttgart, auch eine vordere Platzierung erreichen. Weit schwerer wird das für den Frankfurter Michael Lischka, der erst einmal die Qualifikation überstehen muss.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Alekna – Riedel – Fazekas

Hammerwerfen:

DIE LAGE:
Der Weltjahresbeste kommt mit Koji Murofushi aus Japan, knapp gefolgt von Adrián Annus aus Ungarn (83,39 m). Den 83,47 Metern des Asiaten hatte trotz Landesrekord im Sommer Szymon Ziólkowski (82,47 m) nur bedingt etwas entgegen zu setzen. Dennoch fliegt der polnische Olympiasieger als Gold-Kandidat nach Edmonton. Immerhin gehörte er zu den wenigen Werfern, die beständig die 80 Meter knackten. Der Kampf um die Medaillen wird spannend. Der Olympia-Zweite Nicola Vizzoni (ITA) gehört zusammen mit Olli-Pekka Karjalainen (FIN), Nicolas Figère (FRA), Tibor Gécsek (HUN) und Andrey Skvaruk (UKR) zum engeren Kreis.

DEUTSCHE CHANCEN:
Im Vergleich zum letzten Jahr wäre das Erreichen des Finales bereits eine Steigerung. Titelverteidiger Karsten Kobs flog zu allem Unglück mit zwei Kapselverletzungen in der linken Hand nach Nordamerika. Sollte er angeschlagen in den Wettkampf gehen, wird es nicht einfach sein, das zweifellos vorhandene Potenzial auszuschöpfen. Sein Mitstreiter Holger Klose hat das Zeug, in das Finale einzuziehen.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Ziolkowski – Murofushi – Skvaruk

Speerwerfen:

DIE LAGE:
Es deutet alles darauf hin, dass vier Werfer die Medaillen unter sich verteilen. Nur Weltmeister Aki Parviainen, Olympiasieger Jan Zelezny, der routinierte Brite Steve Backley und der stabile Grieche Kostas Gatsioudis warfen in diesem Jahr schon über neunzig Meter. Das wird wohl auch für den Titelgewinn in Edmonton die Voraussetzung sein. Der Russe Sergej Makarov und der routinierte Brite Steve Backley lauern dahinter gemeinsam mit der deutschen Fraktion auf einen Fehler des Trios.

DEUTSCHE CHANCEN:
Peter Blank rangiert in der Weltjahresbestenliste auf den vorderen Plätzen. Beim Abschlusstest in Cuxhaven hatte Raymond Hecht mit 87,82 Metern klar die Nase vorn. Der Dritte im Bunde ist Boris Henry. Mindestens zwei Deutsche sollten im Finale stehen und können dort ohne großen Druck auf Weitenjagd gehen.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Zelezny – Parviainen – Gatsioudis

4x100m:

DIE LAGE:
Die US-Amerikaner können sich praktisch nur selber schlagen. Darauf lauern Brasilien, Großbritannien, Kuba und Jamaika. Die glorreichen Zeiten der Kanadier sind vergangen. Vielleicht können sie aber vom Heimvorteil profitieren und die Zuschauer treiben sie zu einer schnellen Zeit. Ohne Obikwelu und Aliu schrumpfen auch die Chancen der Nigerianer.

DEUTSCHE CHANCEN:
Die junge deutsche Formation steht vor einer schwierigen Aufgabe. Wenn alles optimal läuft und die Wechsel klappen, kann sie den Vorlauf meistern.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
USA – Großbritannien – Brasilien

4x400m:

DIE LAGE:
Die Jamaikaner könnten in diesem Jahr in der Lage sein, die US-Boys ohne ihren Garanten Michael Johnson herauszufordern. Mit den Nigerianern ist ebenso zu rechnen, wie mit der Truppe von den Bahamas. Die Briten sind schwer einzuschätzen, haben mit dem zurückgekehrten Mark Richardson jedoch einen erfahrenen Recken in ihren Reihen. Eine weitere schnelle Truppe kommt von Europacup-Sieger Polen.

DEUTSCHE CHANCEN:
Für die Jungs um Ingo Schultz dürfte der Vorlauf noch kein Hindernis sein. Dafür wäre das Erreichen des Finales eine positive Überraschung. Die Truppe hat es selbst in der Hand, zu beweisen, dass es wieder Licht am deutschen 400-Meter-Horizont gibt.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
USA – Jamaika – Nigeria

Zehnkampf:

DIE LAGE:
Roman Sebrle ist seit Götzis mit dem Fabel-Weltrekord von 9026 Punkten der neue König der Athleten. Eine Dimension, von der die Konkurrenz weitgehend nur träumen kann. Somit werden Olympiasieger Erki Nool und Weltmeister Tomas Dvorak an ihre letzten Reserven gehen müssen, um Sebrle gefährden zu können. Lev Lobodin (RUS) und Alexandr Yurkov (UKR) runden den osteuropäischen Favoritenkreis ab.

DEUTSCHE CHANCEN:
Routinier Stefan Schmid ist mit seinen 8287 Punkten Sechster der Weltjahresbestenliste und möchte in Edmonton rund 100 Punkte drauf packen. Wenn ihm das gelingt, ist eine Platzierung unter den Top Fünf denkbar. Für Sebastian Knabe geht es in erster Linie darum, Erfahrungen zu sammeln. Ein Platz unter den ersten Zehn wäre eine sensationelle Leistung.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Sebrle – Dvorak – Nool

20km Gehen:

DIE LAGE:
Russland nimmt mit einer leistungsstarken Mannschaft um Titelverteidiger Ilja Markov die Favoritenrolle ein. Dmitriy Yesipchuk führt die Weltjahresbestenliste an. Der Spanier Francisco Fernandez, der Lette Aigars Fadejevs, Jefferson Perez (ECU) und die traditionell guten Geher aus Mexiko sind für die Medaillenplätze gut.

DEUTSCHE CHANCEN:
Der deutsche Vorzeigegeher Andreas Erm besitzt eine realistische Chance auf eine Medaille. Der Berliner André Höhe sollte sich auf eine für ihn gute Platzierung konzentrieren.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Markov – Fadejevs – Erm

50km Gehen:

DIE LAGE:
Olympiasieger Robert Korzeniowski wird sich voraussichtlich auf diese Distanz beschränken und folglich ist er auch derjenige, den es zu beachten gilt. Der Australier Nathan Deakes reist als Weltjahresbester an, was aber in diesem Fall nicht viel zu bedeuten hat. Stattdessen richten sich die Augen auch auf Routiniers wie Jesús Angel García, Giovanni De Benedictis und Nikolaj Matjukhin.

DEUTSCHE CHANCEN:
Denis und Mike Trautmann können in Edmonton beweisen, dass man sie zu besten zwanzig internationalen Gehern über diese Strecke zählen darf.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Korzeniowski – Matjukhin – Deakes