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Saison 2001

Nicht alles Gold, was glänzt

Kirsten Bolm lernte die Schattenseiten des US-Collegesports kennen


„Habe mich durchgebissen und hoffe auf die Belohnung“

Für sie selbst hat sich durch den Wechsel zum Leichtathletik-Team der Sporthochschule Köln hierzulande nicht allzu viel geändert. Sie verbringt die Zeit nach wie vor bei ihrer Familie in Scheeßel. „Ich freue mich aber, dass ich nun in einer Staffel laufen kann.“ Positiv findet sie auch, dass sie nicht mehr als Einzelstarterin unterwegs, sondern eben in einem größeren Verein integriert ist: „Immer alleine auf Wettkämpfe fahren, ist auch nicht so schön.“

Kurzfristig hofft sie, dass ihr Leistungsniveau weiter steigt. Zunächst will Kirsten Bolm ihre Zeiten beim Europacup in Bremen, quasi ein Heimspiel, und bei den Deutschen Meisterschaften in Stuttgart abwarten, ehe sie weitere Pläne schmiedet. Fest steht allerdings schon im August die Teilnahme an der Universiade in Peking: „Was dazwischen passiert, hängt von den nächsten zwei Wochen ab.“ Womit sie auf eine mögliche WM-Qualifikation anspielt: „Peking ist mehr das Trostpflaster.“ 

Trotzdem will sie sich nach den Erfahrungen des letzten Jahres, als sie das Olympiaticket zwei Monate jagte und schließlich nur um einen Wimpernschlag verpasste, nach der unglücklichen Vorbereitung in diesem Jahr nicht mehr zu sehr an den Normvorgaben messen: „Das verdirbt einem die Freude am Laufen und den Spaß an der Leichtathletik. Wenn es mit der WM nicht klappt, bin ich natürlich traurig, aber es wird mich nicht mehr so runterziehen wie im letzten Jahr.“ Kirsten Bolm ist stattdessen stolz darauf, dass sie es geschafft hat, trotz der Turbulenzen, die sie in den USA überstehen musste, die Saison durchzuziehen und den Trainingsrückstand aufzuholen: „Im Vergleich zu früheren Jahren habe ich jetzt den Erfolg, dass ich mich durchgebissen habe und ich hoffe, dass ich noch meine Belohnung dafür kriege.“

Die Psychologiestudentin wird im Herbst wieder in die USA zurückkehren. Nach absolvierten Bachelor Degree hat sie sich nun erfolgreich in das PhD-Programm in der Graduate School, wo pro Studiengang nur acht Leute aufgenommen werden, weiterbeworben. Mit diesem intensiven Studium will sie ihren Abschluss erweitern. „Wenn ich jetzt wieder rübergehe, bin ich unabhängig und brauche mich nicht mehr dem Teamzwang unterwerfen“, ist Kirsten Bolm nach dem turbulenten ersten Halbjahr 2001 erst mal froh, dieses zum Schluss etwas unerfreuliche Kapitel ihrer Sportlerkarriere hinter sich gebracht zu haben.