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Interview mit Bertram Böhm

„Wieder zurück zur Natur kommen“

Neuer LAC Quelle-Vorstand muss Spagat zur Ehrenamtlichkeit schlagen

Steeple:
Sie haben bereits die Athleten angesprochen. Mit der Zusage an Karin Ertl setzten sie unmittelbar nach Ihrer Wahl ein Zeichen für den Leistungssport. Wie sieht es mit den anderen Top-Athleten derzeit aus?

Bertram Böhm:
Es war Sinn der Sache, durch Karin Ertl ein Zeichen zu setzen. Natürlich sind unsere anderen Top-Athleten immer noch am Suchen. Franek Haschke verlässt den Verein nach Pirna. Das tut mir leid, aber ich habe dafür Verständnis. Er ist ein aufstrebender Athlet, der keine Probleme hatte, einen neuen Verein zu finden. Dagegen tun sich Leute wie Carsten Eich sehr schwer. Ich gehe davon aus, wer im Umfeld von Nürnberg und München wohnt, wird bei uns bleiben. Wir haben auch allen diesen Athleten, außer den Dortmunder Athleten, Verträge angeboten. Ich habe gehört, dass Esther Möller offensichtlich nach Wattenscheid gegangen ist. So leid es mir um diese Athleten tut, sehe ich nicht unbedingt den Grund, diese halten zu wollen. Wir sind gefordert, die Ehrenamtlichkeit zu ordnen, da kann ich mir nicht überall in Deutschland noch Satelliten leisten.

„Gehaltsklasse, die wir uns nicht mehr leisten wollen“

Steeple:
Tim Lobinger stand bei der La Ola GmbH unter Vertrag, betrifft somit den Verein nicht unmittelbar. Wie ist die Situation bei ihm?

Bertram Böhm:
Für mich ist Tim Lobinger ein ähnlicher Fall wie Esther Möller. Er lebt außerhalb dieser „bayerischen Welt“ und deshalb ist er für mich nicht mehr interessant. Außerdem muss ich auch ganz klar sagen, ist das eine Gehaltsklasse, die wir uns nicht mehr leisten wollen.

Steeple:
Für die „bayerische Leichtathletik-Welt“ ging nun das Meeting in Nürnberg verloren, hingegen steht die EM in München vor der Tür. Welche Bedeutung hat beides für Ihren Verein?

Bertram Böhm:
Wir haben das Zeichen gesetzt, dass wir in München mit der LG weiterhin präsent sein wollen. Auch im Sinne der EM, deshalb wurde Karin Ertl gehalten. Die EM hat sicher eine große Bedeutung, aber wir sind nicht mehr in der Lage, ein Meeting zu organisieren, das 1,8 Millionen gekostet hat. Wir sind ganz einfach jeden Tag in der Halle und müssen den normalen Betrieb am Laufen halten und können uns nicht noch so eine Veranstaltung leisten.

Steeple:
Gab es Überlegungen, das Meeting in einem kleineren Rahmen auf die Beine zu stellen?

Bertram Böhm:
Es geht gar nicht um den Etat. Wir hatten bereits von 1976 bis 1987 internationale Sportfeste veranstaltet und bereits damals aufgehört, weil wir es uns nicht mehr leisten konnten und an die Grenzen der Organisationsfähigkeit geraten sind. Die Situation stellt sich nun ähnlich dar. Es ist ja nicht nur so, dass ein Sponsor sein Geld rausgezogen hat, sondern man muss auch sehen, dass bei einer solchen Veranstaltung 200 Leute arbeiten müssen. Der Verein hat somit auch mit LIVE dort Kräfte gebunden, die an anderen Stellen gefehlt haben. Das ist auch mit ein Grund für die Entwicklung, deshalb werden wir uns eine solche Veranstaltung nicht mehr leisten. Wieder etwas zu veranstalten, reizt natürlich sehr und wir haben immer von Cross- bis hin zu Straßenläufen alles schon veranstaltet. Irgend etwas in dieser Form außerhalb der Saison kann ich mir auch wieder vorstellen.