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Steeple:
Das war dann damals ein großer, wunderbarer Zufall?

Nouria Merah-Benida:
Stimmt, mein Schicksal wollte es so, denke ich.

Steeple:
Wo genau in Algerien kommen Sie denn her?

Nouria Merah-Benida:
Ich komme aus der Hauptstadt, aus Algier. Das liegt direkt am Meer, da gibt es auch einen Strand. Mein Mann dagegen kommt aus dem Westen.

Steeple:
Ist Ihr Mann auch Ihr Manager?

Nouria Merah-Benida:
Nein, er ist mein Mann und mein Trainer, das ist schon ziemlich viel. Jos Hermens kümmert sich um den Rest.

Steeple:
Haben Sie Kinder?

Nouria Merah-Benida:
Nein, das hat momentan noch Zeit.

„Das algerische Volk verehrt mich“

Steeple:
Inwieweit hat sich Ihr Leben denn durch den Olympiasieg verändert?

Nouria Merah-Benida:
Es hat sich vor allem viel in Bezug auf das algerische Volk verändert. Sie lieben, bewundern und verehren mich, wirklich. Das Volk war begeistert von meinem Rennen bei den Olympischen Spielen. Ich kann zum Glück ungestört trainieren. Aber wenn ich in der Stadt bin, um Einkäufe zu erledigen, wollen mich alle umarmen und küssen. Ich selbst habe mich nicht verändert, bin immer noch die alte Nouria – die gleiche vor und nach den Spielen. Als ich aus Sydney zurückgekommen bin, habe ich in einem offenen Wagen eine Parade durch Algier gemacht, das war wunderschön. Das Volk hatte darum gebeten, sie wollten mich ganz aus der Nähe sehen.

Steeple:
Haben Sie schon mal den algerischen Staatspräsident getroffen?

Nouria Merah-Benida:
Ja, ich habe ihn nach meinem Olympiasieg kennengelernt. Das war sehr beeindruckend. Er liebt den Sport.

Steeple:
Haben Sie auch Khaled kennengelernt [algerischer Popstar, der im französischen Exil lebt] ?

Nouria Merah-Benida:
Er hat mal erzählt, dass er mich gerne treffen würde, das hat mich mit Stolz erfüllt. Aber wir haben uns noch nicht getroffen. Ich sollte ihn mal anrufen. Zinedine Zidane – der ist ja auch aus Algerien – bei dem sollte ich mich auch mal melden. Wir wollten uns treffen. Aber ich habe halt immer so viel zu tun…

Steeple:
Denken Sie, dass Sie mit Ihrem Sieg jungen Algerierinnen Mut gemacht haben, selbst Leichtathletik zu betreiben?

Nouria Merah-Benida:
In Algerien hat es schon immer auch Leichtathletinnen gegeben, die meisten sind aber auf keinem besonders hohen Niveau. Sie fragen immer meinen Mann um Rat, wollen wissen, wie sie schneller laufen können, wie sie gewinnen können. Mein Mann gibt ihnen dann Tipps fürs Training. Das sind ja alles keine Geheimnisse, die er da erzählt. Es gibt in meinem Land viele Frauen und Mädchen, die Leichtathletik betreiben, aber – wie gesagt – eben auf keinem besonders hohen Niveau. Dennoch glaube ich, dass es bald mehr positive Beispiele wie Hassiba Boulmerka und mich geben wird.

Steeple:
Läuft Hassiba denn noch?

Nouria Merah-Benida:
Nein, sie hat aufgehört.