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Weltmeisterschaft in Edmonton

Steeple-WM-Preview

Die Vorschau auf den Saisonhöhepunkt in Edmonton – Frauen (1)

01.08.01 (fc) In wenigen Tagen fällt der Startschuss für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Edmonton. Die nationalen und internationalen Topathleten haben sich akribisch auf den Saisonhöhepunkt vorbereitet, um auf den Punkt fit zu sein. In unseren Previews nehmen wir die einzelnen Disziplinen unter die Lupe, wägen die deutschen Chancen ab und wagen einen Medaillentipp.

100 Meter:

DIE LAGE:
Olympiasiegerin Marion Jones haderte zwischenzeitlich mit ihrem Start. Sie zeigte jedoch, dass sie selbst dann noch die Klasse hat, um ihre Konkurrenz in Schach zu halten. Chandra Sturrup (BAH) forderte Jones in diesem Sommer schon mehrfach heraus und hinterließ dabei einen guten Eindruck. Die Newcomerin des Jahres ist Kelli White (USA), deren Teamkollegin Chryste Gaines ebenfalls Ansprüche auf die vorderen Plätze anmeldet. Mehr als nur um die Plätze werden auch Ekaterini Thanou (GRE), Debbie Ferguson (BAH), Myriam Mani (CMR) und Zhanna Pintusevich (UKR) laufen. 

DEUTSCHE CHANCEN:
Gabi Rockmeier braucht einen günstigen Zwischenlauf, um das Halbfinale zu erreichen. Für Rückkehrerin Melanie Paschke ist das vermutlich eine Nummer zu groß.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Jones – Sturrup – Gaines

200 Meter:

DIE LAGE:
Auch hier geht Marion Jones als klare Favoritin in den Wettkampf. Die USA können außerdem Titelverteidigerin Inger Miller, die schnelle LaTasha Jenkins und Kelli White auf die Bahn schicken. Die drittschnellste Zeit des Jahres weist mit 22,57 Sekunden Cydonie Mothersill (CAY), allerdings schon im April gelaufen, auf. Die 20jährige Jamaikanerin Aleen Bailey ist einen Blick wert, ebenso wie die Nationalheldin von Sri Lanka, Susanthika Jayasinghe, und die Südafrikanerin Heide Seyerling. Die Russin Yekaterina Leshchova ist für einen Platz im Endlauf gut. In Bremen überzeugte auch die Weißrussin Natalya Safronnikova. 

DEUTSCHE CHANCEN:
Nach dem verletzungsbedingten Aus von Sina Schielke ist es an Gabi Rockmeier, die deutschen Farben zu vertreten. Um ins Semifinale einzuziehen, ist eine deutliche Steigerung gegenüber ihrem Auftritt in Stockholm (23,59 sec) nötig. Dass sie mehr kann, hat sie nicht nur bei den Landesmeisterschaften in Stuttgart bewiesen.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Jones – Jenkins – Bailey

400 Meter:

DIE LAGE:
„She’s back“ heißt der Song, der Grit Breuer gewidmet ist. Nimmt man ihr überzeugendes Comeback in diesem Jahr und ihren Auftritt in Stuttgart, mit dem sie sich auf Platz zwei der Weltjahresbestenliste schob, dann hat sie alle Chancen. Auch, weil die Schnellste des Jahres, die Britin Katherine Merry, zuletzt mit gesundheitlichen Problemen kämpfte und ihrem WM-Start schließlich wegen Achillessehnenproblemen absagte. Die letztjährige Olympia-Fünfte Ana Guevara aus Mexiko hat Medaillenchancen. Weitere Kandidaten sind Olesya Zykina (RUS), Heide Seyerling (RSA) und Nadjina Kaltouma (CHA). Wer den überzeugenden Auftritt von Lorraine Graham-Fenton in Kassel erlebt hat, wird auch die Jamaikanerin, die in Sydney und Sevilla auf dem Treppchen stand, auf der Rechnung haben. Olympiasiegerin Cathy Freeman (AUS) fehlt wegen ihrer Pause.

DEUTSCHE CHANCEN:
Grit Breuer hat das Zeug, um den Sieg mehr als nur mitzulaufen. Eher als Aufgalopp für die Staffel sind die Einsätze von Florence Ekpo-Umoh und Claudia Marx zu sehen.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Breuer – Graham-Fenton – Guevara

800 Meter:

DIE LAGE:
Die russische Fraktion setzte bei ihren Landesmeisterschaften mit Svetlana Cherkasova, Natalya Tsyganova und Irina Mistyukevich ein Ausrufezeichen, das nicht unerhört blieb. Denn in Monaco holte sich Olympiasiegerin Maria Mutola in 1:57,11 Minuten die Weltjahresbestzeit. Die große Frage, die das sportbegeisterte Österreich beschäftigt, ist, ob Stephanie Graf sich in Edmonton bei Mutola für die Niederlage von Syndey revanchieren kann. Dass die Zeit dafür reif ist, bewies die Kärntnerin in der Golden League. Aber auch im Winter triumphierte am Ende die Frau aus Mozambique. Kann Stephanie Graf den Machtwechsel herbeiführen? Gute Chancen auf eine Medaille sind auch der Brasilianerin Fabiane dos Santos einzuräumen. Sie überraschte in London Graf.

DEUTSCHE CHANCEN:
Wenn das Halbfinale nicht zu schnell wird und Ivonne Teichmann die richtige Taktik auf die Bahn bringt, hat sie eine reelle Endlaufchance.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Graf – Mutola – dos Santos

1500 Meter:

DIE LAGE:
Die rumänische Seriensiegerin Violeta Beclea-Szekely unterstrich mit einer Zeit von 3:59,11 Minuten in Monaco ihre Favoritenrolle. Der Titel scheint für die Olympia-Zweite greifbar nahe. Bei diesem Rennen im Nobelort konnten ihr Natalja Gorelova (RUS), Suzy Favor Hamilton (USA) und Carla Sacramento (POR) noch annähernd Paroli bieten. Yelena Zadorozhnaya (RUS) ist die vielleicht stärkste Russin. Mit einer guten Vorleistung fliegt auch Daniela Yordanova (BUL) nach Kanada. Die USA können noch auf die routinierte Regina Jacobs vertrauen. Olympiasiegerin Nouria Merah-Benida überzeugte im bisherigen Saisonverlauf hingegen noch nicht.

DEUTSCHE CHANCEN:
Ähnlich wie bei Ivonne Teichmann kommt es auch bei der Chemnitzerin Kathleen Friedrich in Vor- und Zwischenlauf auf das Tempo und die richtige Taktik an. Wenn sie sich gut in Position hält, kann sie auf ein starkes Finish vertrauen.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Beclea-Szekely – Zadorozhnaya – Favor Hamilton

5000 Meter:

DIE LAGE:
Die Russin Yelena Zadorozhnaya überzeugte beim Europacup mit einem Landesrekord von 14:40,47 Minuten, der immer noch die schnellste Zeit des Jahres bedeutet. Deshalb kann es gut sein, dass sie diesen Bewerb den 1500 Metern vorzieht. Olympiasiegerin Gabriela Szabo musste in diesem Sommer schon bittere Niederlagen hinnehmen und geht nicht als klare Favoritin an den Start. Die einzige Kenianerin ist Rose Cheruiyot. Hingegen schöpft Äthiopien mit Ayelech Worku, Worknesh Kidane und Merima Demboba ihre Startplätze voll aus. Auf die Marokkanerin Asmae Laghzaoui sollte man ein Augenmerk haben. 

DEUTSCHE CHANCEN:
Wenn Irina Mikitenko nach ihrer Verletzung wieder fit ist, kann sie ihre tollen Plätze von Sydney (5) und Sevilla (4) wiederholen. Der Sprung auf das Podest wird allerdings schwer, nicht nur, weil ihr etwas die Wettkampfhärte fehlt. Der zweite Platz von London lässt jedoch hoffen!

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Zadorozhnaya – Szabo – Worku

10000 Meter:

DIE LAGE:
Wie wird es der Britin Paula Radcliffe in diesem Jahr ergehen? Zieht sie die Konsequenz aus ihren vierten Platz von Syndney, als sie gezwungenermaßen fast die komplette Führungsarbeit machte und danach ausgekontert wurde? Die Äthiopierinnen schicken mit Gete Wami, Derartu Tulu, Berhane Adere und Aster Bacha gleich ein Quartett ins Rennen, das es sich zum Ziel setzen wird, die Weltjahresbeste zu zermürben. Natalya Berkut (UKR) ist die zweitschnellste Europäerin hinter Radcliffe. Sonia O’Sullivan (schwanger) und Tegla Loroupe (vom Verband aus dem Aufgebot gestrichen) fehlen.

DEUTSCHE CHANCEN:
keine deutsche Teilnehmerin

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Wami – Tulu – Radcliffe

Marathon

DIE LAGE:
Die japanische Olympiasiegerin Naoko Takahashi verzichtet auf einen WM-Start und ist stattdessen später beim Berlin-Marathon zu erleben. Dennoch hat es die Mannschaft der Nippons in sich. Die Weltjahresbeste Yoko Shibui wird unter anderem von Kazumi Matsuo und Reiko Tosa begleitet. Kenia setzt auf Florence Barsosio und Ruth Kutol. Dem stehen bei den Rivalinnen aus Äthiopien unter anderem die frühere Olympiasiegerin Fatuma Roba und Elfenesh Alemu gegenüber. Stets zum Favoritenkreis zählt die kleine Rumänin Lidia Simon. Außerdem überzeugte in London die Russin Svetlana Zakharova. Das Marathon-Roulette kann beginnen.

DEUTSCHE CHANCEN:
Die Leverkusenerin Sonja Oberem hat sich mit ihrem überzeugenden Lauf von Hamburg in den Top 15 der Welt eingereiht. Berücksichtigt man nun die Nichtstarter in Edmonton, zählt sie sogar zum erweiterten Favoritenkreis. Mit Melanie Kraus und Kathrin Wessel lauern dahinter zwei weitere ambitionierte Läuferinnen, die zusammen das deutsche Frauenteam bilden. Man darf gespannt sein, was am Ende dabei rauskommt. Petra Wassiluk und Luminita Zaituc haben auf ihren WM-Start verzichtet.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Shibui – Simon – Zakharova