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Portrait

Durchhaltevermögen
auf dem Weg zur Weltspitze

Ivonne Teichmann trifft in Dortmund auf Ex-Trainingskollegin Meissner


22.02.01: Wenn am kommenden Wochenende in Dortmund die diesjährigen Deutschen Hallenmeister ermittelt werden, verspricht ein Duell besondere Spannung: Über die 800 Meter trifft Titelverteidigerin Ivonne Teichmann auf die Jahresbeste Heike Meißner. Im vergangenen Jahr waren beide noch Trainingskolleginnen beim SC Magdeburg in der Gruppe von Thomas Springstein. 

Seit Jahresbeginn startet 400-Meter-Hürden-Spezialistin Meißner nun für den LAC Chemnitz und trainiert wieder in ihrer Heimatstadt Dresden. Für Ivonne Teichmann ist Dortmund nur die Durchgangsstation auf dem Weg zur Hallen-Weltmeisterschaft im März in Lissabon. Die WM-Norm erreichte die 23jährige bereits vergangenen Freitag beim internationalen Meeting in Halle, als sie ihre Indoor-Bestmarke auf 2:00,98 Minuten schraubte. Durchaus eine erstaunliche Leistungsentwicklung, war sich Teichmann doch gar nicht sicher, ob sie überhaupt eine komplette Hallensaison bestreiten würde. „Seit November gehöre ich der Sportförderkompanie der Bundeswehr an. Im November und Dezember musste ich die Grundausbildung absolvieren, so dass ich nicht wusste, ob ich für eine Hallensaison rechtzeitig in Form komme.“  Nachdem das Trainingslager auf Lanzarote positiv verlaufen war, startete Ivonne am 11. Februar in Dortmund mit 2:02,41 Minuten in die Hallensaison – zwar noch etwas zu langsam, um sich für die Hallen-WM zu qualifizieren, aber Trainer Thomas Springstein prognostizierte für das nächste Rennen: „Es müsste deutlich unter 2:02 Minuten gehen.“ Springstein sollte Recht behalten, sein Schützling machte in Halle „einfach genau das, was Thomas gesagt hat“ und löste mit dieser Strategie direkt das Lissabon-Ticket.  Für Ivonne Teichmann ist dieser Erfolg sicherlich eine erneute Bestätigung, weiter voll auf die Karte Leistungssport zu setzen. Vor nicht allzu langer Zeit war sie sich dessen gar nicht mehr so sicher. „Wäre letztes Jahr nicht so gut gelaufen, hätte ich aufgehört.“ Und wahrlich: Man muss schon über ganz besondere Charaktereigenschaften verfügen, um bei dem, was der in Zeulenroda, einer Kreisstadt in Südthüringen, geborenen Läuferin in ihrer Karriere alles widerfahren ist, nicht die Lust zu verlieren.

Bereits mit 17 Jahren sorgte sie auf der Laufbahn für Aufsehen: 1994 gewann sie mit der deutschen 4 x 400-Meter-Staffel Bronze bei den Junioren-Weltmeisterschaften. Ein Jahr darauf gab es einen ersten Dämpfer: Als Medaillenaspirantin verpasste sie bei der Junioren-Europameisterschaft den Einzug ins Finale über 800 Meter. 1996 war die Enttäuschung noch herber: In der Halle noch Deutsche Meisterin fuhr das DLV-Team im Spätsommer ohne Ivonne zur Junioren-Weltmeisterschaft nach Sydney. Als dann in den folgenden Jahren die ein oder andere Verletzung ihre Leistungsentwicklung hemmte, galt die Thüringerin zusehends als ewiges Talent. Von 1994 bis 1999 verbesserte sie sich über 800 Meter lediglich von 2:04,05 Minuten auf 2:02,56 Minuten. 

Eine einschneidende Änderung, die langfristig die sportliche Wende einläutete, nahm Ivonne Anfang 1998 vor: Sie trennte sich von ihrem langjährigen Trainer Heinz Grilz, mit dem sie zuerst von Jena nach Saarbrücken und dann später nach Magdeburg gewechselt war, um sich der Trainingsgruppe von Thomas Springstein anzuschließen. „Es stimmte menschlich nicht mehr“, erläutert sie rückblickend diesen Schritt. Aber auch die Trainingskonzeption wurde nun verändert: „Früher habe ich sehr viel Ausdauer trainiert, bei Thomas wird das Training intensiver gestaltet.“ Dass sich die Umstellung im Trainingsprozess nicht sofort positiv auswirken würde, war Ivonne klar. „Zwei Jahre muss man rechnen, bis sich der neue Trainer auf einen eingestellt hat.“ 

Und exakt nach diesen zwei Jahren trug die Zusammenarbeit Springstein-Teichmann Früchte: In 2000 gewann Ivonne die Deutsche Hallenmeisterschaft über 800 Meter mit Meisterschaftsrekord; bei den Hallen-Europameisterschaften wurde sie Fünfte. Beste Aussichten also, sich im Sommer für die Olympischen Spiele qualifizieren zu können. Die Norm von 2:00 Minuten unterbot die Wahl-Magdeburgerin zweimal – allerdings fünf Tage zu spät, was sie im nachhinein „auf gesundheitliche Probleme im Mai“ zurückführt. 

Es war schon ein wenig grotesk: Aufgrund ihrer neuen Bestzeit von 1:59,20 Minuten durfte Teichmann zwar beim hochkarätigsten Leichtathletik-Meeting der Welt, Weltklasse in Zürich, starten, die deutschen Farben in Sydney zu repräsentieren, war ihr dagegen nicht vergönnt. Dennoch: Nicht zuletzt das Erlebnis Letzigrund bestärkte Ivonne Teichmann darin, sich auch in Zukunft intensiv den zwei Stadion-Runden zu widmen. „Zürich war wirklich genial. Man kriegt vom Laufen nichts mehr mit, sondern hört nur noch die Zuschauer.“

Um in diesem Jahr wieder eine Einladung nach Zürich zu bekommen und natürlich, um sich – rechtzeitig – für die Weltmeisterschaften in Edmonton zu qualifizieren, hat sich Ivonne Teichmann bei der Bundeswehr verpflichten lassen. Die Sportförderkompanie bietet ihr optimale Trainingsbedingungen. Nur aus Sport besteht das Leben der Ivonne Teichmann deswegen allerdings noch lange nicht: Sie studiert Pädagogik und Soziologie. Auch nach dem Weggang von Heike Meißner und Ulrike Urbansky aus Magdeburg hat sie die nötigen Trainingspartner. „Ich laufe oft mit Grit, und einige Triathleten haben sich unserer Trainingsgruppe angeschlossen.“
Und wenn Ivonne Teichmann weiterhin einfach das macht, was ihr Trainer Thomas Springstein sagt, wird sie sicherlich noch oft ein 800-Meter-Rennen im Züricher Letzigrund erleben können. 

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