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Internationales Hallen-Meeting in Chemnitz

Tony Dees deklassiert Colin Jackson

Lobinger siegt mit deutschem Hallenrekord – Stenzel verpasst Ticket

18.02.00 (fc/rk) Es ist unglaublich, was Routinier Tony Dees in dieser Hallensaison bietet. In Chemnitz stellte er Anier Garcias Weltjahresbestzeit in 7,37 Sekunden über 60 Meter Hürden ein und sorgte so für einen Glanzpunkt. Sein britischer Kontrahent Colin Jackson kam mit über zwei Zehntel Rückstand als Zweiter vor Ralf Leberer ins Ziel und konnte nur staunen. Einige der deutschen Hallen-EM-Starter nutzten das Meeting als Generalprobe und der Großteil bot allemal durchschnittliche Leistungen. Auf sich aufmerksam machte der aufstrebende Sprinter Ronny Ostwald, der die 200 Meter gewann und auch über die 60 Meter bester Deutscher war. Außerdem glänzten vor einer bemerkenswerten Kulisse die Stabhochspringer Tim Lobinger und Michael Stolle, die Maxim Tarasov auf den dritten Platz verwiesen.

Bei den 60-Meter-Sprints waren der Nigerianer Sunday Emmanuel (6,52 sec) und die Ukrainerin Zhanna Pintusevich-Block (7,16 sec) die Schnellsten. Ronny Ostwald (6,62 sec) platzierte sich auf dem vierten Rang, ebenso wie Andrea Philipp (7,28 sec). Marc Blume kam als Sechster ins Ziel und war mit 6,64 Sekunden knapp langsamer als Alexander Kosenkow (6,63 sec), der im B-Finale Zweiter wurde.

Die Leverkusenerin Christine Adams gab im Stabhochsprung eine gute Figur ab. Mit 4,40 Metern landete sie höhengleich mit der Siegerin Daniela Bartova und Elmarie Gerryts, die Dritte wurde, auf dem zweiten Platz. Die Männer stellten diese tollen Leistungen noch in den Schatten. Tim Lobinger überquerte 5,95 Meter und fixierte eine neue Weltjahresbestleistung und einen deutschen Hallenrekord. Michael Stolle zeigte mit Wut im Bauch nach seiner Nichtberücksichtigung bei der Gent-Nominierung und 5,90 Metern, dass er glänzend in Form ist. Bei seinem zweiten Versuch über sechs Meter brach dem Leverkusener der Stab und er verletzte sich am Arm. Maxim Tarasov blieb bei 5,80 Metern hängen und konnte in das Duell der diesjährigen deutschen Hallen-Meetings zwischen den beiden deutschen Top-Springern nicht eingreifen.

Die Chemnitzerin Kathleen Friedrich hatte über 1500 Meter gegen die Algerierin Nouria Benida-Merah und die Slowenin Helena Javornik das Nachsehen, stellte aber eine neue persönliche Bestleistung auf. Carmen Wüstenhagen und Luminita Zaituc liefen dahinter ein. Auf den 800 Metern setzte sich Heike Meißner in 2:01,40 Minuten vor der Niederländerin Stella Jongmans und Linda Kisabaka (2:02,20 min) durch. Yvonne Teichmann hatte für das Tempo gesorgt und meinte im Anschluss: „Ich machte das Tempo, weil ich schon sieben 800-Meter-Rennen hinter mir habe und zur Hallen-EM in der kommenden Woche ja fit sein möchte. Außerdem wollte ich Heike, die so fleißig trainiert hat, helfen, eine gute Zeit zu laufen.“

Eine Favoritin setzte sich mit US-Amerikanerin Kim Carson, deren Sturz in Madrid sich doch nicht als so folgenschwer herausstellte, wie ursprünglich befürchtet, im Hürdensprint der Frauen durch. Die Jamaikanerin Lacena Golding gab sich in 7,94 Sekunden mit nur drei Hundertstel hinter Carson geschlagen. Die Deutschen Sonn, Sprenger, Braun und Werle folgten auf den weiteren Plätzen.

Birgit Rockmeier, die bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften am vergangenen Wochenende noch für ein Highlight gesorgt hatte, enttäuschte im Sportforum als Fünfte in 23,36 Sekunden über 200 Meter. Esther Möller (23,24 sec) kam von den DLV-Starterinnen der Siegerin Mireille Donders (23,20 sec) aus der Schweiz noch am nächsten.

Einen deutschen Erfolg gab es dafür über diese Strecke bei den Herren durch Ronny Ostwald (21,02 sec), der sich immerhin gegen den schnellen Mann aus Zypern, Anninos Marcoulides, und Roland Nemeth (Ungarn) behauptete. Der deutsche Hallen-Meister Holger Blume landete dahinter.

Weitspringer Konstantin Krause kam auf eine Weite von exakt acht Metern. Dies reichte allerdings zur zu Platz drei hinter Vitali Shkurlatov (8,05 m) und US-Boy Kevin Dilworth (8,03 m). Der Berliner Kofi Amoah Prah wurde Fünfter (7,85 m).

Für drei deutsche Athleten ging es um das Ticket zur Hallen-EM in Gent. Aber nur Weitspringerin Sofia Schulte konnte mit 6,46 Metern den erforderlichen Leistungsnachweis erbringen. Ihre Kollegin Bianca Kappler blieb mit 6,28 Metern deutlich unter der geforderten Marke von 6,45 Metern, kann aber hoffen, durch die Altersregelung noch ins Aufgebot zu rutschen. Rüdiger Stenzel gewann zwar den 1500-Meter-Lauf, konnte jedoch die erwarteten 3:40 Minuten nicht unterbieten.

Falk Balzer gehörte übrigens wegen seines Blutergusses von Sindelfingen nur zu den Zuschauern. Dem Hürdensprinter, der kürzlich den nationalen Verband öffentlich hart kritisierte, steht nun eine Aussprache mit den DLV-Funktionären Nickel und Hensel ins Haus. Dabei wird der aktuelle Streit um die Nichtverlängerung des Trainervertrags seiner Mutter Karin Balzer das Thema sein. Dem Chemnitzer soll von Verbandsseite damit gedroht worden sein, dass er nicht mit nach Sydney genommen werden könnte.

Statements:

Konstantin Krause: „Acht Meter sind nicht schlecht. Ich hoffte allerdings bei zwei Sprüngen, weiter gesprungen zu sein. Nun habe ich 8,07 und 8,00 Meter. Das ist nicht schlecht und eine gute Ausgangsposition für die Hallen-EM am kommenden Wochenende.“

Tony Dees: „Es war ein wichtiges Duell, aber ich war mir recht sicher. Schließlich habe ich eine ganze Serie hinter mir und Colin heute seinen ersten Hallenstart. Toll dieses Publikum, das so begeistert war, obwohl zunächst nur 7,60 Sekunden angezeigt waren.“

Sofia Schulte: „Keine Frage, dass ich glücklich bin. Die Operation EM-Norm wurde noch im letzten Augenblick erfüllt. Schon beim Einspringen hatte ich ein gutes Gefühl. Ich fahre zur EM, ein Ziel wurde erreicht, das nächste kann nur heißen, die Lücke hinter Heike Drechsler und Susen Tiedtke zu verringern.“

Kathleen Friedrich: „Ich bin zufrieden, denn ich bin endlich unter den angepeilten 4:10, sogar unter 4:09 gelaufen. Und ich habe vor eigenem Publikum eine persönliche Bestleistung geschafft. Ich hoffe, dass ich damit mein Problem, den Heimvorteil nicht nutzen zu können, endlich gelöst habe. Nun blicke ich optimistisch auf die Hallen-EM am nächsten Wochenende.“

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