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Spekulationen über die weiteren Pläne des Olympiasiegers gab es schon seit seinem Triumph von Sydney. Die Rückkehr nach Australien zu den Goodwill Games in Brisbane war bereits damals ein Thema. Nun macht Johnson das von den jeweiligen Konditionen abhängig – auch was seine „Abschiedstour“ betrifft. Das Geld könnte der US-Amerikaner den solventen Veranstaltern wert sein. Schließlich ist damit zu rechnen, dass er sich alles andere als leise von der Leichtathletik-Bühne verabschieden will. Vielmehr hat er eine erneute Verbesserung seines Weltrekords über die Stadionrunde von 43,18 Sekunden, gelaufen 1999 bei der Weltmeisterschaft in Sevilla, schon längst im Hinterkopf. Johnson träumt von einer Zeit unter der 43-Sekunden-Marke. Sollte ihm das gelingen, würde dieser Rekord vermutlich wieder einige Jahre Bestand haben.

Sein letzter großer Auftritt waren die Olympischen Spiele von Sydney. Erstaunlich entspannt präsentierte sich der 33jährige auf und außerhalb der Bahn. Mit seinem eigenwilligen Stil „trommelte“ er sich über 400 Meter zu Gold. In 43,84 Sekunden ließ er seinen Landsmann Alvin Harrison um mehr als eine halbe Sekunde hinter sich, nachdem er sich im Halbfinale sogar mit dem zweiten Platz begnügt hatte. Für die 200 Meter hatte er sich aufgrund einer Verletzung bei den US-Trials nicht qualifiziert. Angesichts des neuen Olympiasiegers auf seiner zweiten Hausstrecke fragte er sich danach: „Wer ist Konstantinos Kenteris?“ Ob sich die Wege der beiden überhaupt je kreuzen, ist mehr als fraglich, nachdem sich die Griechen nur selten bei den großen Meetings, bei denen Johnson zu den Großverdienern zählt, blicken lassen.

Michael Johnson diktierte die 200 und 400 Meter in den 90er Jahren wie kaum ein Zweiter. In Sydney sammelte er seine Olympiasiege vier und fünf. Hinzu kommen sage und schreibe neun Weltmeistertitel und die Weltrekorde über 400 Meter (In- und Outdoor), 200 Meter und 4×400 Meter, wobei er in Atlanta (19,32 Sekunden über 200 Meter) und Sevilla zwei Bestzeiten fällte, an die außer ihm kein Athlet zu denken vermochte. Der Mann aus Dallas hat alles in seiner Karriere erreicht, was man sich nur vorstellen kann. Nicht zuletzt deshalb bekennt er: „Ich bin müde.“ Und ein weiterer Grund dürfte die Entscheidung zu dem geplanten Abgang bestärkt haben. Michael Johnson will nicht nur bald das Leben in vollen Zügen genießen, sondern auch seinen Vaterfreuden frönen.