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Mehrkampf

Einladungswettkämpfe in Lissabon

Norm in Frankfurt-Kalbach allein reicht nicht für Hallen-WM-Teilnahme 


07.02.01 (fc) Wer am kommenden Wochenende beim Mehrkampf-Meeting in Frankfurt-Kalbach ein Gerangel um die Tickets für die Hallen-Weltmeisterschaft erwartet, wird trotz der guten Besetzung im Fünfkampf der Frauen enttäuscht werden. Der Weltverband IAAF entscheidet nämlich über die Vergabe der Startplätze in der auf acht Aktive reduzierten Riege. Von den deutschen Athleten erhielten anhand der Freiluftbestenliste bislang nur Frank Busemann, der allerdings keine Hallensaison bestreitet, und Sabine Braun, in Hessen am Start, eine Einladung. Die Normerfüllung von 4500 Punkten alleine würde somit für Hallen-Europameisterin Karin Ertl nicht zur Teilnahme in Lissabon ausreichen. Als Zehnte des letzten Jahres besteht jedoch die Chance, noch nachzurücken.

„Ich finde es unangenehm, dass nur zwei Sportler eingeladen wurden“, ist auch Bundestrainer Claus Marek mit der Situation unglücklich. Karin Ertl rangiert in der Weltbestenliste 2000 auf dem zehnten Platz, vor ihr unter anderem drei Russinnen (bei zwei HWM-Startplätzen pro Nation). Die Chance, dass sie durch Absagen noch in den Kreis der Auserwählten rutscht, besteht. „Das ist möglich“, bestätigt Marek. Während sich die osteuropäischen Athletinnen die vor allem finanziell lukrative Hallen-WM nicht entgehen lassen werden, ist zumindest fraglich, ob Olympiasiegerin Denise Lewis und die seit kurzem von Bob Kersee trainierte Weltmeisterin Eunice Barber wirklich den Weg nach Portugal finden. Vor allem die Britin pokert gerne mit ihren Starts und geht bereits bei kleinen Verletzungen auf Nummer sicher. Gemeldet hat sie allerdings für das Hallen-Meeting in Sindelfingen Anfang März, also einem möglichen Test für Lissabon. Die Achte des letzten Jahres, US-Girl Sheila Burrell, kann bereits den von der IAAF geforderten Freiluftwert von 6450 Siebenkampf-Punkten nicht mehr vorweisen. Demnach erscheint es als nicht unwahrscheinlich, dass Ertl neben Sabine Braun die deutschen Farben in Lissabon vertreten kann.

„Ich hoffe, dass ich die Norm schaffe. Alles weitere müssen die Verbände entscheiden“, gibt sich Karin Ertl selbst gelassen. Ihre Stärken in der Halle hat sie bereits im Januar unter Beweis gestellt. Mit 6,39 Metern holte sie sich beim Weitsprung bei den Bayerischen Hallen-Meisterschaften den Titel im letzten Versuch. Auf den 60 Meter Hürden überzeugte sie auch eine Woche darauf bei den Süddeutschen Hallen-Meisterschaften in Erfurt. Auch wenn sie nach den Strapazen der anstrengenden Olympiasaison noch an den Feinheiten feilen muss, ist ihr Ziel ganz klar die Teilnahme an der Hallen-WM. Der DLV hat für den Fall von Absagen auf alle Fälle Karin Ertl und Kathleen Gutjahr als mögliche Nachrücker gemeldet, wobei die Hallen-Europameisterin die besseren Karten in den Händen hält und im Fünfkampf um die Medaillen mitsprechen könnte. Der Verband wartet noch auf eine Rückmeldung von Seiten der IAAF. „Das kann sich erst zehn bis zwölf Tage vorher entscheiden“, hält Marek auch ein relativ kurzfristiges Nachrücken für möglich. Bereits 1995 kam Ertl in den Genuss einer Nachnominierung in letzter Sekunde für die Hallen-WM und damals so zu ihrem ersten bedeutenden Einsatz im DLV-Trikot. „Wir werden sehen“, lässt sich die 26jährige von der weiteren Entwicklung überraschen und will am Wochenende mit einer Normerfüllung die sportliche Basis für die Teilnahme legen. 

Mit Sabine Braun, Kathleen Gutjahr und Sonja Kesselschläger trifft sie auf starke Konkurrenz. Während sich Braun aufgrund der bereits ausgesprochenen Einladung voll auf einen Leistungsnachweis konzentrieren kann, gehen die beiden Neubrandenburgerinnen unbelastet in den Wettkampf. „Ich will Spaß haben und einen runden Mehrkampf machen“, sagt die 23jährige Kesselschläger, im letzten Jahr Sechste bei der Hallen-EM in Gent. Als Ziel hat sie sich ein ähnliches Ergebnis wie im Vorjahr, als sie 4464 Punkte erreichte, gesetzt. Auch Kathleen Gutjahr kann man ein Wert um die sekundär gewordene Norm von 4500 Punkten zutrauen. Somit ist zumindest, was die Platzierungen auf den vorderen Rängen betrifft, für ausreichend Spannung gesorgt.

Im Siebenkampf der Männer können in Frankfurt-Kalbach die jungen Athleten auf sich aufmerksam machen. „Es sind gute Nachwuchsleute dabei“, stellt Claus Marek fest und verweist vor allem auf Stefan Drews, der erst vor wenigen Tagen mit 5,50 Metern im Stabhochsprung glänzte. Beachten sollte man auch den deutschen A-Jugend-Meister des letzten Jahres, Lars Albert (LAC Elm). Kandidaten, die mit etwas Glück auf den Hallen-WM-Zug aufspringen könnten, gibt es hier nicht. Die Olympia-Teilnehmer Frank Busemann, Stefan Schmid und Mike Maczey sind nicht am Start.

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