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Mehrkampf

Karin Ertl genießt den Erfolg

Hallen-WM-Medaille und innerdeutsches Duell gewonnen


16.03.01 (fc) „Es ist immer noch schön“, sagt Karin Ertl wenige Tage nach dem Gewinn ihrer Bronzemedaille im Fünfkampf bei der Hallen-Weltmeisterschaft in Lissabon, „fast wie Geburtstag.“ Es war die einzige Einzelmedaille im DLV-Team. Entsprechend stolz ist die 26jährige: „Man ist nicht mehr nur ein Teil der Mannschaft.“ Mit 4678 Punkten holte sich Ertl den Platz auf dem Treppchen und entschied auch das nicht unbedeutende innerdeutsche Duell mit der routinierten Sabine Braun für sich. 

Die besten Chancen, „Sabine eines Tages zu schlagen“, hatte sich die Hallen-Europameisterin des letzten Jahres in der Tat in der Halle ausgerechnet. Allerdings nicht unbedingt schon in Lissabon, weil sich Sabine Braun im Vorfeld über die Hürden und im Weitsprung in glänzender Verfassung präsentiert hatte. Während Braun noch Fehler in der Vorbereitung im Hinblick auf die Freiluft-WM in Edmonton ausmerzen will, ging Ertls Plan voll auf.

„Ich bin kein Trainingsweltmeister“, sagt sie und setzt auch verstärkt auf viele Einzelwettkämpfe im Vorfeld eines bedeutenden Mehrkampfs: „Im Wettkampf hat man ein anderes Gefühl als im Training.“ Darum stimmt sie ihre Einzelstarts auf den Mehrkampf ab, selbst wenn sie nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte ist. „Bei den Deutschen in Dortmund war ich nicht fit“, blickt sie auf die Hallen-Titelkämpfe zurück, als sie gerade im Hinblick auf die Hallen-WM noch einen Trainingshöhepunkt absolvierte und dennoch auf den 60 Meter Hürden und im Weitsprung antrat. Karin Ertl sieht für sich einen Vorteil darin, sich auf die stärkeren Disziplinen ordentlich vorzubereiten: „Ich kann im Wettkampf viel bessere Leistungen bringen.“

Das zeigte sie auch in Portugal. „Die 14,50 Meter habe ich ganz schnell ausgelassen“, sagt Karin Ertl rückblickend auf ihre Kugelstoßleistung in Lissabon von exzellenten 14,79 Metern, die mitentscheidend für das gute Ergebnis waren: „Das hat mir gut getan.“ Nach dieser erstaunlichen Leistungssteigerung will sie nun die 15 Meter als nächstes Ziel anpeilen: „Ich denke, das habe ich auch drauf.“ Trotz allem war ihr nach dem dritten Bewerb bei der Hallen-WM noch nicht bewusst, dass sie nach den Medaillen greift: „Ich wusste, dass einige gut springen können.“  Nach einer Weite von 6,34 Metern ging es auf den abschließenden 800 Metern darum, sich dem Angriff der anderen zu erwehren. Dabei profitierte sie von der offensiven Taktik von Sabine Braun, an deren Fersen sie sich heften konnte. Im Ziel war Karin Ertl erst mal nur glücklich: „Ich hätte aber nicht gedacht, dass es noch so eng wird.“ Bis auf 14 Punkte kam die Russin Natalja Roshchupkina noch auf den dritten Rang von Ertl heran.

Betrachtet man die Leistungsentwicklung von Karin Ertl im Fünfkampf, so ist immer eine kontinuierliche Steigerung zu erkennen. In Lissabon verbesserte sie ihre alte Bestleistung von 4671 Punkte um sieben Punkte. Das gilt es nun auch im Siebenkampf, in dem sich die Sportsoldatin bislang durch ihre Beständigkeit auszeichnete, umzusetzen. Nachdem das Höhentrainingslager in der Sierra Nevada durch die Überschneidung mit der Hallen-WM ausfiel, ist nun für April ein Trainingslager eingeplant, ehe Ende Mai traditionell das Mehrkampf-Meeting in Götzis als erste Standortbestimmung auf dem Fahrplan steht. Ob dort bereits die von vielen herbeigeredete „Wachablösung“ im deutschen Mehrkampf ihre Fortsetzung findet oder Sabine Braun wie in Sydney nach der vorausgegangenen Niederlage gegen Astrid Retzke in Ratingen wieder zur Revanche ansetzt, wird sich dann im beschaulichen Vorarlberg zeigen.

Ein Tagebuch zur Hallen-WM von Karin Ertl finden Sie unter www.karin-ertl.de

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