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Saison 2001

Cathy Freeman macht Pause

Nachfolgerin bei WM gesucht – Comeback für 2002 geplant


15.03.01 (fc) Die Spatzen pfiffen es schon seit ein paar Tagen von den Dächern. Jetzt ist es offiziell: 400-Meter-Olympiasiegerin Cathy Freeman wird in diesem Jahr nicht auf der Bahn zu sehen sein. Sie wolle mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen und sich von der Olympiasaison erholen, um 2002 zu den Commonwealth Games wieder mitzumischen. Vor allem psychisch will die Nationalheldin Australiens eine Auszeit nehmen. Ein Karriereende ist allerdings nicht angedacht, vielmehr bleibt Freemans Ziel die Titelverteidigung in vier Jahren in Athen. Die Pause hatte sie mit ihrem Coach Peter Fortune abgesprochen.

Cathy Freeman ist satt und ausgebrannt. Das Olympische Feuer, das sie in Sydney selbst entzünden durfte, oder vielmehr der Druck, der auf ihr im Olympiajahr lastete, trägt dafür die Verantwortung. Fassungslos saß sie als frischgebackene Olympiasiegerin im Zielbereich des Olympiastadions, nachdem sie zum Sieg gestürmt war. Gezeichnet von der psychischen und physischen Belastung und bejubelt von ihren begeisterten Fans in der ausverkauften Arena. Seither ist sie als Aborigine Nationalheldin in ganz „Down Under“.

Auf der verzweifelten Suche nach einer neuen Motivation hatte Cathy Freeman vor kurzer Zeit den Wunsch geäußert, dass US-Star Marion Jones auf die Stadionrunde wechselt, um sie herauszufordern. Im Mai wollte sie in Japan in die Saison einsteigen. Nun hat sie sich mit ihrem Coach Peter Fortune beraten und kam zu einer ganz anderen Entscheidung. Cathy Freeman wird in diesem Jahr nicht auf der Laufbahn, zumindest bei Wettkämpfen, zu sehen sein. „Es ist eine Frage des Feuers“, sagt die 28jährige. Nicht nur des Olympischen Feuers, denn 2004 will sie in Athen wieder ihren Titel verteidigen, sondern eine Frage des tagtäglichen Feuers, das sie beim Training auf der Bahn, in den Bergen und im Kraftraum anspornt. Das Feuer, das sie zum Superstar Cathy Freeman machte.

„Ich will nur normale Sachen tun, irgendwo, wo keiner mein Gesicht kennt“, so Freeman. Das macht deutlich, dass der Rummel um ihre Person ihre Spuren hinterlassen hat. Bereits vor der Olympiasaison hatte sie aufgrund ihrer immensen Popularität ihre Heimat in Richtung London verlassen, um sich dort in Ruhe auf die Wettkämpfe vorzubereiten. Das allein beweist, dass die eher zurückhaltende Läuferin Abstand und Ruhe braucht, um sich auf einen Saisonhöhepunkt vorzubereiten. In diesem Jahr hätte sie den dritten WM-Titel in Folge erlaufen können. Allerdings ist es ihrer Ansicht nach kein Event, das sie an das Limit ihrer Leistungsfähigkeit treibt. Cathy Freeman braucht die Motivation, die Herausforderung, das Duell. Ohne Marie-Jose Perec und einer Marion Jones, die sich auf die kurzen Strecken konzentriert, wäre sie die alleinige Gejagte gewesen und hätte nur verlieren können, was vielleicht auch mit ein Grund für die Pause ist. Bis Cathy Freeman, die ein völliges Karriere ebenso dementiert wie eine Schwangerschaft, in knapp einem Jahr im australischen Sommer vermutlich wieder live zu sehen ist, könnte sich das ändern. Eine Nachfolgerin wird bei der Weltmeisterschaft in Edmonton gesucht. Ob es sich dabei um Katherine Merry, Lorraine Graham, Olga Kotlyarova oder Donna Fraser handelt, müssen die nächste Monate zeigen. Auch mit den zuletzt von gesundheitlichen Problemen geplagten Deutschen Grit Breuer und Anja Rücker könnte wieder zu rechnen sein.

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