www.steeple.de – Das deutschsprachige Leichtathletik-Online-Magazin

DLV-Verbandstag

Prokop übernimmt DLV-Kommando

Neuwahl und Anti-Doping-Code standen in Wunsiedel im Mittelpunkt


24.03.01 (fc) Der DLV-Verbandstag in Wunsiedel läutete eine neue Ära ein. Dr. Clemens Prokop bekleidet von nun an das Amt des Präsidenten und tritt damit das Erbe von Prof. Dr. Helmut Digel an. „Der Tag eins nach Digel ist für die deutsche Leichtathletik kein einfacher Tag“, weiß auch der Nachfolger um die Größe der Fußstapfen, in die er tritt. Eine weitere wegweisende Entscheidung war der Beschluss des sogenannten Anti-Doping-Codes, der das Dopingverfahren in rechtlich sicherere Fahrwasser führen soll.

Schon bevor Prokop überhaupt zur Wahl stand, musste er seine erste Vertrauensprobe überstehen. Der Saarländische Leichtathletik-Verband, der mit drei von 192 Stimmen im Verbandstag vertreten ist, nahm ihn im Zusammenhang mit dessen kürzlichen Entscheidungen als Vize-Präsident Recht im Fall Baumann ins Kreuzverhör und stellte nachher Antrag auf ein Sportwidrigkeitsverfahren mit dem Ziel, Prokop die Fähigkeit, ein Amt auszuüben, für zwei Jahre abzuerkennen. Das sorgte nicht nur für überraschte Gesichter, sondern auch für Unverständnis. „Damit hatte keiner gerechnet“, sagte DLV-Generalsekretär Frank Hensel. Allerdings bekamen die Saarländer bei der anschließenden Abstimmung hierüber vom gesamten restlichen Gremium die rote „Nein-Karte“ gezeigt. Nach ein paar Diskussionen über die Abschaffung des bisherigen Amts von Prokop, dem Vize-Präsidentsposten Recht, wurde dieser Antrag beschlossen. Dabei fiel auf, dass Prof. Dr. Helmut Digel wie 36 andere für eine Beibehaltung dieser Aufgabe stimmte.

Im Mittelpunkt des Nachmittags stand nicht zuletzt der Anti-Doping-Code. Prokop führte an, dass die bisherige Sanktionierung von Verbandsgerichten und Rechtsausschüssen, deren Entscheidungen unter dem Vorbehalt der staatlichen Gerichte stehen. Die neue Ordnung hat das Ziel, schnelle, rechtskräftige und verbindliche Beschlüsse zu ermöglichen und hierfür ist ein völlig unabhängiges Schiedsgericht mit juristischer Qualität erforderlich. Damit dieses Verfahren zur Anwendung kommt, ist vorausgesetzt, dass der betroffene Athlet die Schiedsgerichtsbarkeit schriftlich anerkannt hat. 90 Prozent der Aktiven waren in den letzten Jahren bereits damit einverstanden. Als zweite Instanz steht der Weg zum Sportgerichtshof CAS in Lausanne offen. Prokop versprach dadurch schnellere Verfahren und bat den Verbandstag ausdrücklich um Unterstützung. Nach unspektakulären Diskussionen und Wortmeldungen wurde der Anti-Doping-Code schließlich mit nur drei Gegenstimmen angenommen, was als deutlicher Fingerzeig zu werten ist.

Kurz vor 16 Uhr ging am 24. März in der Fichtelgebirgshalle von Wunsiedel die Amtszeit von Prof. Dr. Helmut Digel zu Ende. Nach der Entlastung des gesamten Präsidiums wurde der scheidende Spitzenfunktionär mit Standing Ovations verabschiedet und auf Vorschlag von Theo Rous zum Ehrenmitglied berufen. Digel selbst hatte sich in diesem auch für ihn bewegenden Moment des Abschieds in die letzte Reihe zurückgezogen und bereits symbolisch seinen Platz an vorderster Front geräumt. Rous, der Digel mit einem Schulterklopfer verabschiedete, sagte zu ihm: „Sie waren ein großer Präsident.“

Wie Prof. Dr. Helmut Digel standen auch Heide Ecker-Rosendahl, die Rous als ein „Stück der Leichtathletik“ bezeichnete, Dr. Ulrich Becker, der nach vier Jahren an die Basis entlassen wurde, Erich Bremicker, Hanne Ziemek und Otto Welker nicht mehr zur Wiederwahl. Mit den Neuwahlen wurde die Ära Prokop eingeleitet. Bei nur vier Gegenstimmen und einer Enthaltung erfuhr Dr. Clemens Prokop als neuer Präsident zu seinem Start in sein neues Amt deutliche Unterstützung. Nicht anders sah es bei der SPD-Politikerin Dagmar Freitag, die als Vizepräsidentin den Bereich Wirtschaft/Veranstaltungsmanagement betreuen wird, aus. Die weiteren Vize-Präsidenten Rüdiger Nickel (Leistungssport) und Dieter Massin (Wettkampf-, Breiten- und Freizeitsport) wurden einstimmig gewählt. Als Schatzmeister setzte sich der Dortmunder René Scheer deutlich gegen Ulrich Goetze durch. Volker Wollschläger und Prof. Dr. Wolf-Dieter Heß bekleiden die beiden Ämter als Bundesausschuss-Vorsitzende. Den Vorsitz des DLV-Rechtsausschuss führt für die nächste Amtszeit Robert Ingelbleek, der sich im zweiten Abstimmungsduell des Tages gegen Wolfgang Schoeppe behauptete.

„Wir können mit Optimismus aufbrechen“, lautete das Motto von Dr. Clemens Prokop nach dem Ende des Verbandstages und auch Dagmar Freitag gab sich motiviert: „Wir müssen die Leichtathletik in der Öffentlichkeit als positive Sportart darstellen.“ Auf Prokop selbst warten anstrengende Tage. Bereits in der nächsten Zeit stehen verschiedene Termine an. Unter anderem will er mit IAAF-Council-Mitglied Prof. Dr. Helmut Digel, NOK-Präsident Prof. Walter Tröger, Dieter Baumann und den Organisatoren der EM 2002 in München sowie den Stuttgarter Bewerbern um den Weltcup 2002 Gespräche führen. Hier gilt es die Weichen für die Zukunft zu stellen, einen Konsens zu finden und Verhandlungsgeschick zu beweisen. Digel stellte bereits bei einer Rede am Vormittag heraus: „Die neuen Herausforderungen sind die alten.“ Sich diesen zu stellen und diese in Angriff zu nehmen, liegt nun in den Händen von Dr. Clemens Prokop, der in zwei Tagen seinen 44. Geburtstag feiert und an der Spitze der krisengeschüttelten deutschen Leichtathletik keine leichte Aufgabe antritt.

– Stimmen zum DLV-Verbandstag –

Ergebnisse
Ihre Meinung
Noch mehr Berichte

Alle Rechte vorbehalten. Copyright by www.steeple.de