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Sydney-Preview

Die Steeple-Olympia-Vorschau

– Männer (Teil 2) –

16.09.00 (fc) In wenigen Tagen fällt der Startschuss für die Leichtathletik-Bewerbe bei den Olympischen Spielen in Sydney. Die nationalen und internationalen Topathleten haben sich akribisch auf den Saisonhöhepunkt vorbereitet, um auf den Punkt fit zu sein. In unseren Previews nehmen wir die einzelnen Disziplinen unter die Lupe, wägen die deutschen Chancen ab und wagen einen Medaillentipp.

110 Meter Hürden:

DIE LAGE:
Die Favoriten sind schnell genannt. Colin Jackson (GBR), Anier Garcia (CUB) und Allen Johnson (USA). Dabei steht aber vor allem hinter dem Titelverteidiger ein Fragezeichen, weil bei seinem Start in Yokohama vor ein paar Tagen eine alte Verletzung wieder aufbrach. Zum erweiterten Kreis zählen Mark Crear, Terrance Trammell (beide USA), Yoel Hernandez (CUB), Robin Korving (NDL) und Stanislavs Olijars (LAT). 

DEUTSCHE CHANCEN:
Falk Balzer wird nach dem Hickhack um seine Nominierung darauf brennen, als bester deutscher Hürdensprinter die Heimreise anzutreten. Die Chancen stehen nicht schlecht, allerdings muss er dafür den im Laufe des Sommers wiedererstarkten Florian Schwarthoff hinter sich lassen. Beide sind Aspiranten auf das Finale und können wie vor vier Jahren in Atlanta, als Schwarthoff Bronze holte, bei etwas Glück eine Medaille für Deutschland holen. Bei Ralf Leberer kommt es darauf an, wie er die Sommergrippe, die ihn Ende August erwischte, weggesteckt hat. Der sympathische Ulmer will ins Halbfinale und das hat er auf jeden Fall in den Beinen.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Jackson – Garcia – Crear

400 Meter Hürden:

DIE LAGE:
Vor vier Jahren hatte der Weltjahresbeste Angelo Taylor (USA) bei der Junioren-WM in Sydney Bronze geholt. In diesem Jahr soll es Gold sein! Llewellyn Herbert (RSA) und Chris Rawlinson (GBR), die beide bei der letzten Weltmeisterschaft im Vorlauf nicht antreten konnten, hoffen, in diesem Jahr den Saisonhöhepunkt erfolgreicher gestalten zu können. Eric Thomas (USA) will ebenso in die Medaillenränge laufen wie der unverwüstliche Samuel Matete (ZAM), der sich nach anfänglichen Problemen zuletzt in Olympiaform präsentierte. Vize-Weltmeister Stephane Diagana sagte kurzfristig wegen einer Knieverletzung ab. Die beiden weiteren Medaillengewinner von Sevilla, Fabrizio Mori (ITA) und Marcel Schelbert (SUI), hatten eine schwierige Saison und zählen nicht zu den Topfavoriten. Bessere Chancen werden Felix Sanchez (DOM), Hadi Soua’an Al-Somaily (KSA) und Eronilde De Araujo (BRA) eingeräumt. 

DEUTSCHE CHANCEN:
Thomas Goller hat beim ISTAF in Berlin ein gutes Rennen abgeliefert und nachher im Steeple-Interview seine Zielsetzung für Sydney ausgegeben. Endlauf und eine Zeit um 48 Sekunden. Wenn er das auf den Punkt bringt, könnte er sogar für eine Überraschung sorgen!

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Herbert – Taylor – Matete

3000 Meter Hindernis:

DIE LAGE:
Marokko fordert Kenia – so könnte das Motto im „Steeple“ lauten. Traditionsgemäß treten Weltrekordhalter Bernard Barmasei, Ex-Weltmeister Wilson Boit Kipketer und Reuben Kosgei als übermächtiges Team an. Aber Ali Ezzine konnte bereits im letzten Jahr in die Phalanx der Kenianer vordringen und hat mit Brahim Boulami heuer einen starken Mann an seiner Seite, so dass das Finale von Taktik geprägt sein könnte, zumal auch der dritte Marokkaner El Arbi Khattabi ein Kandidat für den Endlauf ist. Möglich scheint alles. In der Weltjahresbestenliste führt Baramasei, aber gleich dahinter erscheinen Boulami und Ezzine. Um den Titel „bester Europäer“ bewerben sich neben dem Deutschen Kallabis vor allem der Österreicher Günther Weidlinger und der Niederländer Simon Vroemen.

DEUTSCHE CHANCEN:
Im letzten Jahr war Damian Kallabis als WM-Vierter schneller als Bernard Barmasei. Es wird schwer, dieses Husarenstück zu wiederholen. Aber dass der Berliner Potential hat, konnte er nicht zuletzt bei der Europameisterschaft in Budapest vor zwei Jahren beweisen! Und dieses gilt es auszuschöpfen…

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Barmasei – Boulami – Boit Kipketer

Hochsprung:

DIE LAGE:
Dieser Wettbewerb ist hinter dem Weltjahresbesten Vjacheslav Voronin (RUS), der seine Erfolgsserie fortsetzen kann, offen wie ein Scheunentor. Mark Boswell (CAN), Javier Sotomayor (CUB), Abderrahmane Hammad (ALG), Konstantin Matusevich (ISR), Nathan Leeper (USA), Stefan Holm (SWE), Kwaku Boateng (CAN) – alles Leute, die um die Medaillen mitspringen können. Aber das sind noch längst nicht alle. Die Liste ließe sich mit Charles Austin (USA) oder Lambros Papakostas (GRE) noch weiterführen. Somit ist klar: der Herren-Hochsprung hat es in sich.

DEUTSCHE CHANCEN:
Auch Wolfgang Kreissig und Christian Rhoden zählen zum Kreis der Hochspringer, die, wenn sie einen guten Tag erwischen, hoch hinaus kommen können.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Voronin – Boswell – Hammad

Stabhochsprung:

DIE LAGE:
Zieht man die letzten Ergebnislisten zu Rate, kommt man zwangsläufig zu dem Ergebnis, dass es einen deutschen Favoriten gibt. Danny Ecker gewann in Zürich und Brüssel. Als ISTAF-Zweiter musste er sich nur dem Weltjahresbesten Jeff Hartwig (USA), der sich für Sydney nicht qualifizierte, geschlagen geben. Dem Leverkusener wäre nach den Rückenproblemen, die bis zur Jahresmitte sogar seine Karriere in Frage stellten, der Sieg zu gönnen. Aber es wird nicht einfach. Vor allem der abgezockte Weltmeister Maxim Tarasov (RUS) ist zu beachten. Michael Stolle (D) liegt auf Rang zwei in der Weltjahresbestenliste, unter den Olympia-Teilnehmern sogar in Front. Lawrence Johnson (USA), Pavel Gerasimov (RUS), Okkert Brits (RSA), Dimitri Markov (AUS) und auch Tim Lobinger (D) sind Springer, die das Zeug zu Edelmetall haben. Hingegen liefen Titelverteidiger Jean Galfione (FRA) und Legende Sergej Bubka (UKR) in diesem Jahr ihrer Form hinterher und treten nur als Außenseiter an. 

DEUTSCHE CHANCEN:
Die drei deutschen Stabakrobaten Danny Ecker, Michael Stolle und Tim Lobinger greifen nach den Medaillen.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Tarasov – Ecker – Markov

Weitsprung

DIE LAGE:
Gelingt es James Beckford (JAM), nachdem er im letzten Jahr wegen seines Nichtstarts bei den jamaikanischen Meisterschaften die Weltmeisterschaft nur aus der Ferne verfolgen konnte, den kubanischen Weltmeister Ivan Pedroso zu besiegen? Diese Frage gilt es zu beantworten. Einen Strich durch die Rechnung würden den beiden Favoriten gerne die Gastgeber Jai Taurima und Peter Burge machen. Nach den Anfeindungen von Taurima, die weite Kreise zogen, werden auch die US-Boys Savante Stringfellow und Melvin Lister bis unter die Haarspitzen motiviert sein. Weitere Namen, die in den Starterlisten aus der breiten Masse herausragen: Gregor Cankar (SLO), Kiril Sosunov (RUS), Luis Meliz (CUB), Younes Moudrik (MAR), Yago Lamela (SPA) und Roman Shchurenko (UKR)..

DEUTSCHE CHANCEN:
Kofi Amoah Prah will acht Meter und die werden reichen, um die Qualifikation zu überstehen und im Finale den Endkampf der ersten Acht mitbestreiten zu können.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Pedroso – Beckford – Lister

Dreisprung:

DIE LAGE:
Weltmeister Charles Friedek (D) möchte trotz der kürzlich erlittenen Verletzung versuchen, sich in Sydney den Traum von einer Olympiamedaille zu erfüllen. Weltrekordhalter Jonathan Edwards will es bei seinen letzten Olympischen Spielen noch einmal wissen und geht als Weltjahresbester in den Wettkampf. Vize-Weltmeister Rostislav Dimitrov (BUL) ist der dritte heiße Medaillenanwärter. Dahinter lauern die Kubaner um Yoelvis Quesada sowie die Italiener Paolo Camossi und Fabrizio Donato, der seinen Landesrekord von 17,60 Metern allerdings nicht so recht zu bestätigen wusste. Nicht unterschätzen sollte man außerdem Denis Kapustin (RUS) und Larry Achike (GBR).

DEUTSCHE CHANCEN:
Ein gesunder Charles Friedek kann mehr, als nur um die Medaillen mitspringen.

STEEPLE-MEDAILLENTIPP:
Edwards – Friedek – Dimitrov

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