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Saison 2001

Nicht alles Gold, was glänzt

Kirsten Bolm lernte die Schattenseiten des US-Collegesports kennen

22.06.01 (fc) „In Deutschland kann man das wahrscheinlich gar nicht verstehen, was mir zuletzt in den USA passiert ist“, macht die deutsche Hürdensprinterin Kirsten Bolm neugierig auf die Hintergründe. Ihre Trainer an der Brigham Young University überraschten sie im Mai zum Ende einer unglücklich verlaufenen Collegesaison mit der Nachricht, dass sie bei der Mountain West Conference Championships für ihr Team im Siebenkampf an den Start gehen wird. 

Punkte für das Uni-Team bei den großen Meisterschaften, das ist es, was in den Staaten zählt. Widerstand und Kritik sind in dem Fall fehl am Platz. Dass nicht der einzelne Athlet Priorität genießt, musste Kirsten Bolm in ihrem letzten Jahr im Team erfahren.

Dabei rechnete sie gar nicht mehr damit, dass sie noch ein Jahr für das Leichtathletik-Team der BYU starten muss. Aufgrund ihres einstigen Wechsels von Hannover nach Brigham hatte sich erst kurz vor Beginn der letzten Hallensaison herausgestellt, dass Bolm noch ein Jahr in der Mannschaft dranhängen muss, ehe sie sich im sportlichen Bereich den Zwängen des Collegesports entziehen und ihre eigenen Wege gehen kann. 

Nach der Enttäuschung der verpassten Olympiateilnahme und Problemen mit den Weisheitszähnen fing sie spät im Herbst wieder mit dem Training an. Erst zwei Wochen vor den ersten Hallenwettkämpfen erfuhr sie, dass sie nach den Regeln ein weiteres Jahr im BYU-Team ableisten muss: „Ich hatte gar nicht gedacht, dass ich eine Hallensaison machen würde.“ Die Defizite waren entsprechend groß und nur schwer wettzumachen. „Man hat nicht den Freiraum, zu sagen, man macht keine Wettkämpfe und trainiert erst ordentlich“, erzählt die 26jährige, die sich zugleich dem Druck gegenübersah, sich mit entsprechenden Leistungen für die abschließenden „Nationals“ zu qualifizieren. Bis Mitte Mai lief sie auf den 100 Meter Hürden mit Zeiten über 13,50 Sekunden ihrer Form hinterher.