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Europacup in Bremen (2. Tag)

Nur Russinnen stärker als DLV-Frauen

Deutsche Männer im Pech: nur Rang sechs – Friedek verletzt

24.06.01 (fc) Aus deutscher Sicht war die Ausgangssituation vor dem zweiten Tag des Europacups in Bremen klar. Die deutschen Frauen wollten zumindest den zweiten Platz hinter Russland verteidigen, während die deutschen Männer ihre Chancen wahrnehmen mussten, um sich von Aufstiegsplatz sieben zu verbessern. Auch durch den Ausfall von Dreisprung-Weltmeister Charles Friedek, der sich im zweiten Versuch verletzte, gelang diese Operation nur bedingt. Es stand am Ende ein sechster Platz hauchdünn hinter Italien und Großbritannien zu Buche. Überraschend holten sich die Polen als Aufsteiger den Titel. Die DLV-Frauen lieferten solide Ergebnisse, aus denen die siegreichen Heike Drechsler und Nadine Kleinert-Schmitt herausragten, ab, festigten somit die Zwei hinter den Russinnen und konnten mit diesem Abschneiden zufrieden sein.

Die deutschen Frauen fingen mit Kirsten Münchow am Sonntag in Bremen so an, wie sie am Vortag aufgehört hatten. Die Frankfurterin schleuderte ihren Hammer auf die neue deutsche Jahresbestweite von 68,09 Meter. Nur die Weißrussin Olga Tsander hatte mit 68,40 Metern an diesem Tag mehr drauf. Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen verabschiedete sich Münchow unter Applaus von der Haupttribüne aus dem Weserstadion.

Von Beginn an gab Lars Riedel im Diskuswerfen den Ton an. Er erzielte im zweiten Versuch mit 66,41 Metern eine deutsche Jahresbestleistung auf und legte mit einer weiteren Steigerung auf 66,63 Meter als Sieger zunächst eine gute Basis für die geplante Aufholjagd der deutschen Mannschaft. 

Charles Friedek erklärt Saison nach Verletzung für beendet

Charles Friedek verletzte sich dann allerdings im Dreisprung im zweiten Versuch und erklärte danach: „Meine Saison ist beendet. So etwas wie in Sydney tue ich mir nicht noch einmal an.“ Er will vielmehr nun, nachdem ihn in der letzten Zeit bereits mehrere kleinere und größere Wehwehchen immer wieder einschränkten, einen neuen Grundaufbau starten, sobald die Verletzung auskuriert ist. „Es ist schade für das Team“, trauerte Friedek der verpassten Chance, mehrere Punkte einzufahren, hinterher. Es siegte standesgemäß Olympiasieger Jonathan Edwards (17,26 m).

Nach diesem Rückschlag holte Michael Stolle für die DLV-Männer noch einen Sieg. Er wurde seiner Favoritenrolle mit 5,75 Metern gerecht und sicherte sich damit auch sein Ticket zur Weltmeisterschaft in Edmonton. Wichtige Punkte sammelte Hürdensprinter Florian Schwarthoff als Zweiter über die 110 Meter Hürden. Nur der starke Russe Pechyonkin war hier schneller. 

Yelena Zadorozhnaya pulverisiert Weltjahresbestleistung 

Bei den Frauen sorgte die starke Russin Yelena Zadorozhnaya mit einer neuen Weltjahresbestzeit von 14:40,47 Minuten über 5000 Meter für eine tolle Leistung. Damit fand die Britin Paula Radcliffe (14:49,84 min), die wie so oft offensiv begann und am Ende das Nachsehen hatte, ihre Meisterin. Die deutschen Vertreterinnen lieferten solide Leistungen ab. Davon ragte Kugelstoßerin Nadine Kleinert-Schmitt, die ihren Bewerb mit 19,30 Metern gewann, heraus. Positiv zu erwähnen ist auch Hochspringerin Alina Astafei, die mit 1,89 Metern vor allem durch ihren zweiten Platz ein gelungenes Comeback im Nationaltrikot gab und noch Steigerungspotenzial sieht.

Für den Höhepunkt aus nationaler Sicht sorgte im Weitsprung Olympiasiegerin Heike Drechsler, die sich von den begeisterten Fans feiern ließ. Im letzten Versuch sprang sie bei Gegenwind 6,79 Meter weit, was ihr sicheres Ticket zur WM und zugleich eine neue deutsche Jahresbestweite bedeutete. Die Karlsruherin bestätigte damit ihre Nachnominierung und revanchierte sich bei Siebenkampf-Weltmeisterin Eunice Barber (6,71 m) für die Niederlage von Straßburg. 

Vor der abschließenden 4×400-Meter-Staffel waren die vorderen Plätze bereits verteilt. Den Russinnen war der Sieg nicht mehr zu nehmen, die Deutschen hatten den zweiten Rang sicher. In der Formation Claudia Marx, Shanta Ghosh, Florence Ekpo-Umoh und Grit Breuer liefen die vier Athletinnen ein überzeugendes Rennen und ließen sich die Chance vor heimischen Publikum zu überzeugen, nicht nehmen. Nach 3:23,81 Minuten erreichte Breuer als Führende das Ziel.

Gute Vorstellung der deutschen 4×400-Meter-Männerstaffel

Einer weitaus schwierigeren Aufgaben mussten sich die Männer stellen, immerhin waren die Deutschen nur Sechste und jeder Punkt tat Not. Am Ende reichte es nicht ganz für eine Verbesserung. Mit Ingo Schultz ging der stärkste Deutsche als Startläufer auf die Strecke. Er schickte Michael Dragu als guten Zweiten auf die nächste Stadionrunde, ehe Marc-Alexander Scheer an vierter Position den Stab übernahm. Lars Figura profitierte von einem Gerangel der Gegner und bog als Dritter auf die Gegengerade ein, wurde aber von Mark Richardson, der schnell antrat, attackiert und überholt. Figura kam aber vor heimischem Publikum auf der Zielgerade noch einmal auf und konterte die DLV-Staffel auf den dritten Rang. In 3:02,71 Minuten blieben sie unter der DLV-Norm von 3:03,20 Minuten, die sich aber aus Einzelleistungen zusammensetzen muss. Die Ovationen der Haupttribüne hatte sich das Quartett redlich verdient. „Das war ein hartes Rennen“, analysierte Marc-Alexander Scheer nach dem Lauf. So blieb es beim sechsten Rang für die DLV-Jungs knapp hinter den punktgleichen Briten und Italien. Aufsteiger Polen kam mit 107 als einziges Team über 100 Punkte.