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Olympische Sommerspiele in Sydney

Denise Lewis erfüllt sich Lebenstraum

3. Tag (Abend) – Kljugin springt für Voronin in die Bresche

24.09.00 (fc) Kälte und Wind hielten im Olympiastadion von Sydney am dritten Abend Einzug. Unangenehme Bedingungen also, denen sich die Athleten gegenüber sahen, die sich später durch Regen noch weiter verschlechterten. Bevor die Regentropfen einsetzten, gelang es dem Russen Sergej Kljugin, im Hochsprung für den vorzeitig ausgeschiedenen Weltmeister Vjacheslav Voronin in die Bresche zu springen und Gold zu holen. Mit 15,20 Meter entschied die junge Bulgarin Tereza Marinova den Dreisprung für sich. Hammerwerfer Szymon Ziolkowski (POL) zeichnete im Hammerwerfen mit 80,02 Metern für einen weiteren osteuropäischen Erfolg verantwortlich. Die britische Siebenkämpferin Denise Lewis ist am Höhepunkt ihrer Karriere angelangt. Mit 6584 Punkten holte sie sich den Olympiasieg vor der jungen Russin Yelena Prokhorova und ließ sich nachher von ihren vielen Fans auf der Ehrenrunde bejubeln.

Im Hochsprung bestätigte Wolfgang Kreissig (D) seine gute Form und meisterte, wie einige seiner Mitkonkurrenten auch, die 2,29 Meter im ersten Versuch. Zwei Fehlversuche leisteten sich Weltmeister Vjacheslav Voronin (RUS) und der Schwede Stefan Holm bei dieser Höhe. Bei 2,32 Metern trennte sich die Spreu vom Weizen. Leider gehörte auch Kreissig zu den Opfern, die in den anschließenden Kampf um die Medaillen nicht mehr eingreifen konnten. Topfavorit Voronin scheiterte ebenfalls. Bei 2,35 Metern erschwerte einsetzender Regen die ohnehin schon schlechten Bedingungen, so dass nur der Russe Sergej Kljugin diese Höhe überquerte. Silber ging an Javier Sotmayor, Bronze an Abderrahmane Hammad aus Algerien. Für Wolfgang Kreissig blieb am Ende Rang acht.

Marinova gewinnt Dreisprung – Ziolkowski neuer Hammerwurf-Olympiasieger
Für die bulgarische Dreispringerin Tereza Marinova ist Sydney ein gutes Pflaster. Vor vier Jahren hatte sie bei der Junioren-WM mit Nachwuchs-Weltrekord gewonnen. Nun steigerte sie bei den Olympischen Spielen ihre Bestleistung im ersten Versuch auf 15,20 Meter und holte sich damit den Olympiasieg. Die Weltjahresbeste Tatjana Lebedeva (RUS) erreichte exakt 15 Meter und sicherste sich damit vor der stabilen Ukrainerin Yelena Govorova (14,96 m) die Silbermedaille.
Der Pole Szymon Ziolkowski war der einzige Hammerwerfer, der mit 80,02 Meter die 80er Marke übertraf. Angesichts seiner stabilen Leistungen in diesem Bereich im Saisonverlauf war das keine Überraschung. Unter anderem hatte er auch die deutschen Asse in Chemnitz und Königs Wusterhausen in die Schranken gewiesen, was sein Potential bereits andeutete. Insgesamt waren in der Qualifikation neben Kobs und Weis auch einige andere klangvolle Namen auf der Strecke geblieben, so dass viele Aufsteiger um die Medaillen kämpften. Erfolgreich konnte seinen Auftritt im nassen Ring der Italiener Nicola Vizzoni gestalten, der mit 79,64 Metern Silber holte. Glücklicher Bronze-Medaillengewinner war der Weißrusse Igor Astapkovich, der den weitengleichen Landsmann Ivan Tikhon aufgrund der besseren Zweitleistung auf den vierten Platz verwies.

Michael Johnson überlässt Harrison den Halbfinal-Sieg
Unter strömendem Regen kämpften die 400-Meter-Läuferinnen um den Finaleinzug. Ohne US-Beteiligung waren es Lorraine Graham (JAM) und natürlich die vom Publikum angefeuerte Cathy Freeman (AUS), die in 50,28 bzw. 50,01 Sekunden die Halbfinals gewannen. Ihre Ansprüche auf Edelmetall untermauerten außerdem die Britin Katherine Merry (50,32 sec), Falilat Ogunkoya (NIG; 50,18 sec) und die schnelle Mexikanerin Ana Guevara (50,11 sec). Michael Johnson (USA) begnügte sich im Halbfinale mit 44,65 Sekunden und dem zweiten Platz. Er überließ routiniert seinem Landsmann Alvin Harrison (44,53 sec) den Sieg, ohne sich zu verausgaben. Den zweiten Lauf, in dem sich der Jamaikaner Davian Clarke verletzte, gestaltete der dritte US-Amerikaner, Antonio Pettigrew, in 45,24 Sekunden erfolgreich. Wird es im Finale zu einem „Sweap“ der USA kommen?

Goller und Urbansky weiter – Wirbel um Heike Meissner
Thomas Goller (D) überzeugte über 400 Meter Hürden als Vorlauf-Zweiter mit einer Zeit von 49,32 Sekunden hinter dem südafrikanischen Favoriten Llewellyn Herbert. „Es war ein optimales Rennen zum Reinkommen“, so Goller, der sich selbst in guter Verfassung sieht. Die schnellste Zeit legte Samuel Matete (ZAM) in 48,98 Sekunden auf die Bahn. Den direkten Aufstieg schaffte ungefährdet Ulrike Urbansky (55,93 sec). Darauf deutete alles auch bei Heike Meissner hin, die als Zweite ins Ziel gelaufen war (55,58 sec). Allerdings wurde die Magdeburgerin zunächst disqualifiziert. Aber wie schon bei Ralf Leberer am Morgen war auch hier der Protest des DLV erfolgreich und Meissner steht in der nächsten Runde. Die Vorlaufsiege gingen an die Favoritinnen: Nezha Bidouane (MAR; 55,38 sec), Daimi Pernia (CUB), Deon Hemmings (JAM; 55,44 sec), Sandra Glover (USA) und Irina Privalova (RUS) gaben sich keine Blöße.

In den Zwischenläufen über 110 Meter Hürden erreichten Florian Schwarthoff („Es war wichtig, einfach weiterzukommen“) und Falk Balzer, der mit einer schmerzhaften Fraktur am Arm in Sydney startet, das Halbfinale. Ralf Leberer verpasste als Fünfter den Einzug knapp. Colin Jackson (GBR) ließ sich von den nasskalten Bedingungen nicht beeindrucken und eilte in 13,28 Sekunden zum Sieg.

Denise Lewis erfüllt sich Lebenstraum von Olympiasieg
Im Siebenkampf hatte Denise Lewis (GBR) nach dem Speerwurf in Abstinenz der verletzten Weltmeisterin Eunice Barber (FRA) erwartungsgemäß die Führung übernommen. Natalja Sazanovich (BLR) behauptete sich auf dem zweiten Platz vor der Russin Yelena Prokhorova. Sabine Braun und Karin Ertl besetzten weiter die Plätze fünf und sechs hinter der Polin Urszula Wlodarczyk. Somit waren vor den abschließenden 800 Metern die Rollen verteilt. Die beiden Russinnen Prokhorova und Roshchupkina übernahmen sofort die Pace und Karin Ertl setzte sich mutig an die dritte Stelle. Denise Lewis beobachtete die Spitze von hinten und kämpfte erfolgreich um Gold. Yelena Prokhorova nahm Natalja Sazavovich die Silbermedaille ab. Sabine Braun (6358 Punkte) wurde in ihrem letzten Olympia- Wettkampf Fünfte, Karin Ertl mit 6209 Punkten Siebte. Der Star des Abends war jedoch die britische Europameisterin Denise Lewis, die sich akribisch wie kaum eine Zweite der Jagd nach Gold verschrieben hatte und sich auch von einem indiskutablen Hochsprung nicht vom Weg abbringen ließ. Karin Ertl blickte zurück: „Es waren zwei schwere Tage Aber es war eine Super-Stimmung.“ Sabine Braun, die auf den zweiten Tag gehofft hatte, sagte zu ihrer Zukunft: „Vielleicht wage ich es nächstes Jahr noch einmal.“

Bericht zu den Vormittagswettkämpfen des 3. Tages

– Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik –

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