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Golden-League-Meeting in Brüssel

Ecker wiederholt Zürich-Triumph

Zwei Weltjahresbestleistungen – Europarekord durch Mourhit

25.08.00 (fc) Über vier Stunden Leichtathletik-Sport der Spitzenklasse bekamen die Zuschauer in Brüssel beim Golden-League-Meeting „Memorial Van Damme“ geboten. Der deutsche Stabhochspringer Danny Ecker wiederholte dabei mit 5,90 Metern nach kurzer Verletzungspause den Triumph von Zürich, der zwei Wochen zurückliegt. Maurice Greene und Marion Jones entschieden die 100-Meter-Sprints ebenso souverän für sich wie Michael Johnson die 400 Meter. Gail Devers hat nach einem weiteren Erfolg zumindest einen Teil des 50-Kilo-Gold-Jackpots, den es am nächsten Freitag in Berlin einzuheimsen gilt, in der Tasche. Es sind nach dem Sportfest in Belgien noch vier weitere Athleten mit nunmehr vier von fünf erforderlichen Siegen im Rennen. Im mit Spannung erwarteten 800-Meter-Lauf bezwang der Algerier Djabir Said-Guerni in 1:43,31 Minuten den Weltjahresbesten Andre Bucher und Weltmeister Wilson Kipketer. Durch Paul Tergat und Brahim Lahlafi gab es auf den langen Distanzen neue Weltjahresbestzeiten. Als Zweiter hinter Lahlafi verbesserte der Belgier Mohammed Mourhit den Europarekord über 5000 Meter, den bisher Dieter Baumann gehalten hatte, auf 12:49,71 Minuten.

In Monaco hatte er nach Problemen beim Einspringen verzichtet, in Leverkusen schaute er nur zu. Nach einer Woche Pause war Danny Ecker in der Lage, den Sieg von Zürich in einem gut besetzten Feld zu wiederholen. Als einziger meisterte er 5,90 Meter. Tim Lobinger kam mit 5,80 Metern auf Rang fünf – gefolgt von Michael Stolle (5,70 m). Stark verbessert präsentierte sich der WM-Dritte Alexander Averbukh (ISR) mit einer blütenweißen Weste, bis 5,90 Meter für ihn zu hoch waren. Weltmeister Maxim Tarasov hatte bei 5,60 bereits einige Mühe, übersprang 5,80 Meter im ersten Versuch, kam aber nicht mehr darüber hinaus.

Nachdem sich Marie-Jose Perec mit den Veranstaltern nicht einigen konnte, war auf der Stadionrunde wieder einmal der Weg für die australische Weltmeisterin Cathy Freeman in 49,78 Sekunden frei. Die Mexikanerin Ana Guevara unterstrich als Zweite in 50,21 Sekunden, dass man sie in Sydney mit auf der Rechnung haben sollte. Weltrekordhalter Michael Johnson (USA) lief im Männer-Rennen der Konkurrenz in 44,07 Sekunden auf und davon. 

Florian Schwarthoff (D) zog sich im Hürdensprint gut aus der Affäre. In 13,27 Sekunden verwies er die US-Amerikaner Mark Crear und Terrence Trammell auf die Plätze vier und fünf. Schneller waren nur Dominique Arnold (USA; 13,15 sec) und Yoel Hernandez (CUB; 13,24 sec). Bei den Frauen sicherte sich Gail Devers (USA) in 12,53 Sekunden vorzeitig ihren Anteil am Jackpot der Golden League. Die Kurzsprints gehörten den US-Stars. Bei den Männern überraschte bei zu starkem Rückenwind (+ 2,1 m/s) vor allem Bernard Williams (10,01 sec) als Zweiter hinter Maurice Greene (9,88 sec). Marion Jones hatte in 10,83 Sekunden ebenso wenig Mühe. Ato Boldon (TRI) war in 20,19 Sekunden der schnellste 200-Meter-Läufer und hatte den Nigerianer Francis Obikwelu (20,34 sec) unter Kontrolle.

Über 800 Meter schlug der algerische WM-Medaillengewinner Djabir Said-Guerni in sehr guten 1:43,25 Minuten dem Weltjahresbesten Andre Bucher aus der Schweiz und dem dänischen Weltmeister Wilson Kipketer ein nicht unbedingt erwartetes Schnippchen. Mit einer Zehntel Sekunde Vorsprung auf Kipketer war die Entscheidung allerdings hauchdünn! Maria Mutola (MOZ) war die schnellste Frau mit einer Zeit von 1:58,06 Minuten. Der Südafrikaner Llewellyn Herbert setzte sich über 400 Meter Hürden in 48,30 Sekunden knapp gegen den Weltjahresbesten Angelo Taylor (USA; 48,33 sec) durch. 

Bereits zu Anfang des Sportfestes sorgte der Kenianer Paul Tergat über 10.000 Meter für einen echten Höhepunkt. In 27:03,87 Minuten verbesserte er die bisherige Weltjahresbestzeit um 15 Sekunden. Ab der Hälfte der Distanz hatte er das Kommando übernommen. Dicht auf den Fersen war ihm sein Landsmann Felix Limo (27:04,54 min). Zehn der ersten elf Plätze gingen an die Kenianer. Etwas bunter und nicht weniger schnell ging es auf den abschließenden 5000 Metern zu Werke. So lief der Marokkaner Brahim Lahlafi in 12:49,28 Minuten Landesrekord und eine neue Weltjahresbestzeit. Dicht auf den Fersen war ihm der Belgier Mohammed Mourhit (12:49,71 min), der den Dritten Daniel Komen (KEN) um 12 Sekunden distanzierte. Hicham El Guerrouj wahrte als Sieger über die Meile in 3:47,91 Minuten seine Chancen auf den Gold-Jackpot. Carla Sacramento (POR) lief über 1500 Meter an die Vier-Minuten-Grenze heran (4:00,35 min). Die Schweizerin Anita Weyermann (4:05,47 min) fühlte sich auf ihrer Hausstrecke als Achte deutlich wohler als Mitte der Woche in Cottbus über 800 Meter.

Jürgen Schult belegte im Diskuswerfen den vierten Platz mit 63,70 Metern. Virgilius Alekna (LIT), der in Cottbus noch verletzungsbedingt fehlte, siegte mit 68,06 Metern vor Frantz Kruger (RSA; 66,82 m). Im Kugelstoßen revanchierte sich US-Boy Adam Nelson mit einem neuen Meetingrekord von 21,58 Metern beim Ukrainer Yuri Belonog für die Niederlage von Monaco. Im Frauen-Speerwurf brachte Trine Hattestad mit 67,76 Metern im ersten Versuch bereits den Sieg unter Dach und Fach. Am nächsten kam ihr noch die Kubanerin Osleidys Menendez (66,38 m). Steffi Nerius (D) wurde mit 59,01 Metern Sechste. Ihr Leverkusener Teamkollege Christian Rhoden kam im Hochsprung auf 2,25 Meter und Platz fünf. US-Routinier Charles Austin sprang im dritten Versuch über 2,31 Meter und damit zum Sieg. Im Weitsprung bezog Marion Jones eine bittere Schlappe. 6,59 Meter waren alles andere als eine Offenbarung. Heike Drechsler (D) hingegen musste sich mit 6,86 Metern nur der starken Russin Tatjana Kotova (6,96 m) geschlagen geben. 

Wie Kotova hielten in Brüssel auch Maurice Greene, Hicham El Guerrouj und Trine Hattestad ihre Chancen auf den Golden-League-Jackpot aufrecht, während Gail Devers ihren fünften Sieg und damit ihren Goldregen bereits in trockene Tücher brachte.

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