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Deutsche Meisterschaften in Stuttgart

Die Highlights im Daimlerstadion

Weltklassezeit von Breuer und deutscher Rekord durch Becker


02.07.01 (fc) Vor wenigen Tagen war vielerorts noch von einer großen Krise die Rede. Nun nutzten die deutschen Leichtathleten ihre nationalen Titelkämpfe in Stuttgart für tolle Leistungen und erfrischende Auftritte. „Allen Unkenrufen und aller Häme zum Trotz hat sich die Leichtathletik in Stuttgart bewiesen“, zog DLV-Präsident Dr. Clemens Prokop ein entsprechend positives Fazit. Der Magdeburgerin Grit Breuer war es vorbehalten, am Samstag mit einem beherzten 400-Meter-Rennen die begeisterten Zuschauer erstmals so richtig von ihren Sitzen zu holen. Zur Mitte des Laufes machte sie die entscheidenden Meter zur couragiert gestarteten Shanta Ghosh wett und bog mit deutlichem Vorsprung auf die Zielgerade ein. „Heute hatte ich die richtige Lockerheit in mir“, freute sich die Europameisterin nach ihren 49,78 Sekunden, mit denen sie sich als Zweitschnellste des Jahres in der absoluten Weltspitze zurückmeldete.

Beide Stabhochsprungbewerbe boten eine ganze Menge Klasse und Spannung. Dabei verspielte Tim Lobinger als Fünfter sein WM-Ticket und hatte gegen das Leverkusener Quartett das Nachsehen. „Ich habe nie erwartet, mit 5,85 Metern zu gewinnen“, zeigte sich der neue Meister Richard Spiegelburg überrascht von seiner Leistung. Er steigerte seine Bestleistung in diesem Jahr um zwanzig Zentimeter. Am dritten Tag setzte die Junioren-Vize-Weltmeisterin Annika Becker noch eins drauf. Mit 4,55 Metern sprang sie einen neuen deutschen Rekord und wird nun die Garde der jungen Springerinnen auf dem Weg nach Edmonton anführen. „Ziel war die U23-EM, jetzt kann ich sogar zur WM mit“, konnte Becker ihr Glück noch selbst gar nicht fassen. Ihre Kollegin Carolin Hingst hatte im Laufe des Bewerbs vorher bereits die alte nationale Bestmarke von 4,50 Metern eingestellt und sich damit auch in weiterhin glänzender Verfassung präsentiert.

Gabi Rockmeier – drei Titel und von einer Bestzeit zur nächsten

Von einer neuen persönlichen Bestleistung zur nächsten lief Gabi Rockmeier. Hoffte sie nach ihrem 100-Meter-Vorlauf in 11,34 Sekunden am Freitag noch auf eine Zeit unter 11,30, steigerte sie sich am Samstag über 11,24 auf 11,17 Sekunden und untermauerte damit ihren Status als derzeit schnellste Deutsche. Nun wird sie auch die deutschen Farben als WM-Einzelstarterin vertreten. Nach einem Abstecher am Samstagabend ins ZDF-Sportstudio krönte sie ihre Leistungen im Daimlerstadion mit einer europäischen Spitzenzeit von 22,68 Sekunden über 200 Meter. Ganz nebenbei hatte sie die Sprintstaffel der LG Olympia Dortmund zum Ende des zweiten Tages noch in 42,99 Sekunden nach Hause gelaufen.

Diskus-Routinier Lars Riedel gewann das Duell gegen Michael Möllenbeck mit 67,28 Meter nur knapp, konnte aber in der Erkenntnis die Heimreise antreten, dass seine Formkurve weiter rapide ansteigt. Wenn er im Trainingslager in Portugal die gewünschten ein, zwei Meter mehr einarbeiten kann, ist er für die WM in Edmonton der gewohnte Medaillengarant im DLV-Lager.

Die junge Generation erfüllte den Wunsch der DLV-Führungsetage, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Vor allem das Pirnaer Duo Wolfram Müller und Rene Herms zeigte über 1500 und 800 Meter Courage. Beide waren stark genug, um vom Start weg die Konkurrenten in Schach zu halten und sich nicht mehr gefährden zu lassen.

Ach ja, und da war dann noch einer, der zwar nicht so sehr im Rampenlicht stand, aber alle Experten überraschte. Über 400 Meter Hürden blieb für Jan Schneider am Ende die Zeit bei 49,63 Sekunden stehen. „Ich ticke aus“, war er nach seinem Sieg völlig fassungslos. Die IAAF-Norm konnte er in Stuttgart erfüllen, zur DLV-Norm fehlte ihm noch ein Stück, aber vielleicht bekommt er die Chance, sich in Edmonton neu zu beweisen, selbst wenn er meinte, dass er diese Strecke nun für sich ausgereizt habe.

Randnotiz 800 Meter Frauen (von Holger Schmidt):

Herzschlag-Finish Einen solch knappen Einlauf auf den Rängen zwei bis vier wie jetzt bei den Frauen in Stuttgart gab’s noch nie in einem 800-Meter-Endlauf bei Deutschen Meisterschaften. Hinter Top-Favoritin Ivonne Teichmann aus Magdeburg (2:01,78) trennten die Ränge zwei bis vier winzige drei Hunderstelsekunden. Als die Läuferinnen die letzten 100 Meter in Angriff nahmen sprangen die Zuschauer begeistert von den Sitzen auf. Nicht zuletzt weil Lokalmatadorin Simone Beutelspacher vom VfL Sindelfingen, lange von Pfeifferschem Drüsenfieber und Verletzungen geplagt, bei ihrem Comeback und der zehnten Finalteilnahme seit 1996 in 2:03,02 Minuten als Vizemeisterin ihren größten Erfolg nach dem Gewinn des Deutschen Hallentitels 1999 feiern konnte. Erfolgsrezept der 26-jährigen Sindelfingerin, 1999 und 2000 schon zweifache Silbermedaillengewinnerin mit der 4 x 100-Meter-Staffel, neben viel Routine sicher auch, dass sie sich ganz im Stil einer Sprinterin um Brustbreite vor den anderen ins Ziel warf.  

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