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ISTAF 2000 in Berlin

Fünf Athleten teilen sich Jackpot

Riedel besiegt den Weltjahresbesten Alekna – Niederlage für Szabo

01.09.00 (fc) Bei freundlichem Wetter starteten die Athleten in die abschließende Golden-League-Station des Jahres im altehrwürdigen Berliner Olympiastadion. Diesem räumte Weltverbandspräsident Lamine Diack gute Chancen ein, 2009 die Weltmeisterschaft erleben zu können. Für den ersten sportlichen Höhepunkt sorgte Diskuswerfer Lars Riedel, der mit einer neuen deutschen Jahresbestleistung von 69,72 Metern den Weltjahresbesten Virgilius Alekna besiegte. Mit den schnellen 100-Meter-Sprints durch Marion Jones (10,78 sec) und Maurice Greene (9,86 sec) kam das Meeting rasch richtig in Fahrt. 41300 Zuschauer erlebten eine tolle und kurzweilige Veranstaltung, in der die Rumänin Gabriela Szabo über 5000 Meter von der Kenianerin Leah Malot überrascht wurde. Von den vier verbliebenen Bewerbern um den Golden-League-Jackpot musste nur Weitspringerin Tatjana Kotova (RUS) zittern, die sich erst im letzten Versuch mit 6,96 Metern ganz knapp vor Heike Drechsler den Sieg holte. Danach standen mit Gail Devers, Trine Hattestad, Tatjana Kotova, Hicham El Guerrouj und Maurice Greene die fünf Jackpot-Gewinner fest.

Im Dreisprung übernahm Charles Friedek (D) im ersten Versuch mit 16,84 Metern zunächst die Führung und steigerte sich im zweiten Sprung auf 17,20 Meter. Das reichte trotz vier Fehlversuchen in der Folge zum Sieg, nachdem Jonathan Edwards die ersten drei Anläufe übertreten hatte und somit vorzeitig ausschied. Dementsprechend war der Weltmeister auch alles andere als glücklich: „Das war eine saumiese Weite und ich bin mit mir sehr unzufrieden.“

Im Diskuswerfern entwickelte sich ein hochklassiger Wettbewerb. Im dritten Versuch warf der Weltjahresbeste Virgilius Alekna (LIT) mit 69,70 Metern an die 70-Meter-Marke heran. Anschließend steigerte sich Lars Riedel (D) auf 67,84 Meter und setzte im vierten Versuch mit 69,72 Metern noch eins drauf. Das reichte dem Chemnitzer zum Sieg und zu einer neuen deutschen Jahresbestleistung. Nachher sagte er: „Es ging heute nicht unbedingt ums Gewinnen, sondern mehr darum, die Trainingsleistungen zu bestätigen.“

Drei Mitglieder der deutschen Staffel stellten sich im B-Lauf der Frauen über 100 Meter vor. Gegen die Bulgarin Petja Pendareva (11,30 sec) waren sie jedoch ohne Chance. Marion Wagner (11,53 sec) kam vor Sabrina Mulrain (11,54 sec) und Gaby Rockmeier (11,57 sec) ins Ziel. Den A-Lauf diktierte Marion Jones (USA) in 10,78 Sekunden. Mit Abstand folgten Sevatheda Fynes (BAH; 11,03 sec) und Tanya Lawrence (JAM; 11,07 sec). Jones jubelte: „Ich fühle mich nach diesem super Lauf richtig gut.“ Bei den Männern erwischten Maurice Greene und Jon Drummond einen Bombenstart. Zwischenzeitlich lag Drummond sogar in Front, aber Greene brachte auf den letzten Metern in der neuen Weltjahresbestleistung von 9,86 Sekunden den Sieg und den Jackpot in trockene Tücher. Jon Drummond wurde in 9,96 Sekunden Zweiter. Auf der Ehrenrunde ließen sich die beiden aus dem Stall von Trainer John Smith vom begeisterten Publikum feiern. „Ein großartiger Lauf. Diesen Sieg widme ich Rudi Thiel, weil ich ihm sehr viel zu verdanken habe“, freute sich Greene.

Über 400 Meter gab sich der Brite Mark Richardson frech, indem er an Michael Johnson (USA) heranlief. Der Weltrekordhalter ließ sich aber weder davon, noch von dem führenden Jerome Young, den er auf der Zielgerade in 45,00 Sekunden noch deutlich distanzierte, beeindrucken. Thomas Goller (D) wurde über 400 Meter Hürden Vierter in guten 48,82 Sekunden. Es siegte Angelo Taylor (USA) in 48,26 Sekunden. 

Nordamerika gegen Deutschland lautete das Duell über 110 Meter Hürden. Falk Balzer zeigte Nerven, indem er klar den zweiten Fehlstart verursachte. Anschließend kam er etwas zögerlich aus dem Startblock, kämpfte sich aber etwas an den führenden Terrance Trammel, der das Rennen in 13,28 Sekunden gewann, heran. Am Ende reichte es für den Jenaer („Wenn man vier oder fünf Hürden umlegt, dann kann man eben nur Vierter werden“) jedoch nur für Platz vier (13,47 sec) hinter Florian Schwarthoff (13,40 sec). Bei den Frauen setzte sich die Nigerianerin Glory Alozie (12,66 sec) knapp gegen Melissa Morrison (USA; 12,67 sec) durch. 

Niederlage für Gabriela Szabo
Mit Spannung war das 5000-Meter-Rennen mit der Rumänin Gabriela Szabo, die das ISTAF als zweitwichtiges Rennen neben Sydney bezeichnet hatte, erwartet worden. Entsprechend eng blieb sie anfangs ihren Tempomacherinnen auf den Fersen, ließ nach rund fünf Minuten jedoch ein bisschen abreißen. Als sie die alleinige Spitze übernahm, hatte sie bereits einige Meter zwischen sich und die Verfolgerinnen gelegt. Vier Runden vor dem Ende hatten diese den Abstand jedoch wettgemacht. Die Kenianerinnen Tegla Lorupe und Leah Malot rangierten unmittelbar hinter der kleinen Szabo und zogen nach dreizehn Minuten vorbei. Dreihundert Meter vor dem Ziel konterte Szabo den Angriff von Malot, die ihrerseits dagegensetzte. Gabriela Szabo ließ sich jedoch in einem furiosen Finish durch die starke Leah Malot, die in 14:39,84 Minuten siegte, noch die Butter vom Brot nehmen. Malot: „Das war ein wichtiger Test für Olympia. Gabriela Szabo zu schlagen, gibt mir Auftrieb.“ Der großen Favoritin waren bereits nach rund der Hälfte der Strecke die Beine schwer geworden.

Über 1500 Meter suchte sich Kristina Da Fonseca-Wollheim eine vordere Position, wurde rund zweihundert Meter vor Schluss von Lidia Chojecka und Violeta Beclea-Szekely (RUM), die der Polin letztlich in 4:02,80 Minuten keine Chance ließ, überlaufen. Da Fonseca-Wollheim kam als Dritte mit einer Zeit von 4:05,13 Minuten ins Ziel. Bei den Männern bewarb sich Hicham El Guerrouj (MAR) um den Goldjackpot und ließ keine Zweifel an seinem Sieg aufkommen. Er verpasste in 3:30,90 Minuten übedr 1500 Meter die ursprünglich angepeilte Zeit um drei Sekunden. Auf den 3000 Metern bestimmte der Algerier Ali Saidi-Sief das Geschehen und hielt den Marokkaner Brahim Lahlafi in neuem Meeting-Rekord von 7:30,76 Minuten in Schach. Seine Weltjahresbestzeit verpasste er allerdings klar.

Im Stabhochsprung trennte sich bei 5,71 Metern die Spreu vom Weizen. Vorher hatten sich schon Tim Lobinger und Lars Börgeling vorzeitig verabschiedet. Jeff Hartwig (USA) und die Deutschen Danny Ecker und Michael Stolle machten den Sieg schließlich unter sich aus, wobei alle drei Stabakrobaten an 5,81 Metern scheiterten, was Hartwig den Sieg bescherte. Den Hochsprung gewann der Kanadier Mark Boswell mit 2,32 Metern. Die Deutschen Christian Rhoden und Wolfgang Kreissig hatten mit übersprungenen 2,20 Metern mit der Entscheidung nichts zu tun.

Heike Drechsler lag im Frauen-Weitsprung lange mit 6,95 Metern in Front, bis sich Tatjana Kotova im letzten Versuch erfolgreich anschickte, noch auf den Jackpot-Zug aufzuspringen. Susen Tiedtke wurde mit 6,65 Metern Fünfte. Sofia Schulte (6,26 m) und Nicole Herschmann (6,16 m) landeten auf den Rängen sieben und acht.

Trine Hattestad sicherte sich ebenfalls ihren Anteil an den 50 Kilo Gold. Im dritten Versuch hatte sie mit ihrer Siegesweite von 68,32 Metern die Führung übernommen. Vorher stellte die Kubanerin Osleidys Menendez mit 67,83 Metern einen neuen Landesrekord auf. Die Deutschen Tanja Damaske (65,13 m) und Steffi Nerius (64,47 m) verkauften sich gut.

Den Abschluss des ISTAF bildeten die Sprintstaffeln. Andrea Philipp schickte Marion Wagner als Führende auf die Zielgerade. Jedoch war Marion Jones für die Mainzerin eine Nummer zu groß und konnte den Sieg nicht nach Hause laufen. Am Ende standen 43,25 Sekunden für die drittplatzierte DLV-Staffel und 42,95 Sekunden für die US-Staffel auf der Anzeigetafel. Dazwischen hatte sich noch ein gemischtes Team geschoben. Natürlich waren es auch bei den Männern die US-Jungs, die in 37,65 Sekunden den restlichen Staffeln keine Chance ließen.

„Es war die richtige Entscheidung“, verteidigte IAAF-Präsident Lamine Diack am Rande des ISTAF die Regelung, den Athleten den Weg in den Golden-League-Jackpot für fünf von sieben möglichen Siegen zu ebnen. Über die Regelung im nächsten Jahr wollte er nicht spekulieren. Hingegen räumte er Berlin gute Chancen ein, die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 auszurichten: „Ich glaube, dass neunzig Prozent der Mitglieder für Berlin 2009 stimmen würden.“

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