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Olympische Sommerspiele in Sydney

Marion Jones deklassiert Konkurrenz

2. Tag (Abend) – Greene und Zelezny holen weitere Goldmedaillen

23.09.00 (fc) Lange war um den Olympiastart von Dreisprung-Weltmeister Charles Friedek gebangt worden. Dann das Aufatmen. Mit Kniebandagen trat er in der Qualifikation an und erreichte mit 16,93 Metern das Finale, bei dem es in zwei Tagen um die Medaillen geht. Über 100 Meter ließ Marion Jones im Endlauf in 10,75 Sekunden dem restlichen Feld nicht den Hauch einer Chance. Etwas knapper ging es bei den Männern her. Jedoch holte sich auch hier mit Maurice Greene der Favorit aus den USA den Sieg letztlich souverän in 9,87 Sekunden. Speerwerfer Jan Zelezny wurde zum dritten Mal in Folge Olympiasieger. Raymond Hecht war mit seinem vierten Platz und der deutschen Jahresbestweite von 87,76 Metern sehr zufrieden.

Marion Jones und Maurice Greene Sprintkönige von Sydney
Im Mittelpunkt des zweiten Tages im Olympiastadion standen die Entscheidungen über 100 Meter. Im ersten Halbfinale kamen die Sprinterinnen nur zögerlich aus dem Startblock. Merlene Ottey (JAM) drückte dem Rennen allerdings mit einer Zeit von 11,22 Sekunden den Stempel auf. Wenig später hatte Marion Jones (USA) in 11,01 Sekunden keine Mühe, ihr Rennen zu gewinnen. Dwain Chambers (GBR), am Vortag noch von Krämpfen geplagt, setzte sich bei den Männern in 10,14 Sekunden gegen Obadele Thompson (BAR) durch. Im zweiten Halbfinale trafen die Trainingskollegen Maurice Greene (USA), Jon Drummond (USA) und Ato Boldon (TRI) aufeinander. Und das Trio lief geschlossen ins Finale. Mit Bruny Surin (CAN) gab die letzte kanadische Hoffnung nach wenigen Metern auf. 
Ein Knistern lag in der Luft, als sich die schnellsten Frauen der Welt zu ihrem Finale einfanden. Marion Jones strahlte bereits vor dem Startschuss Siegessicherheit aus, kam hervorragend weg und lief in 10,75 Sekunden zu einer Weltjahresbestzeit. Die Kontrahentinnen Ekaterini Thanou (11,12 sec) und Tanya Lawrence (11,18 sec) wurden zu Statistinnen degradiert. Merlene Ottey (JAM) verpasste Bronze um eine Hundertstel Sekunde. Bei den Männern hatte das Publikum in dem Außenseiter Kim Collins (St. Kitts & Nevis) einen neuen Liebling, der glücklich über beide Backen strahlte, gefunden. Die Show im Finale sollte aber anderen gehören. Der Favorit Maurice Greene behielt in 9,87 Sekunden die Oberhand gegen seinen Freund Ato Boldon, der zu Silber lief. Bronze heimste Obadele Thompson (BAR) ein, der die Briten hinter sich ließ und sich nun die Medaille holte, die er im letzten Jahr als WM-Vierter knapp verpasste.

Erfrischender Auftritt der deutschen Speerwerfer
In der dritten Entscheidung des Tages, dem Speerwerfen, waren mit Boris Henry und Raymond Hecht zwei Deutsche vertreten. Zittern musste Henry, der erst im dritten Versuch den Einzug in den Endkampf der besten Acht schaffte. Dort rangierte Raymond Hecht zu der Zeit bereits mit 87,76 Metern auf dem vierten Platz. Dabei blieb es auch. Der strahlende Hecht („Ich bin froh, dass ich das geschafft habe“) konnte nicht mehr in den Kampf um Edelmetall eingreifen und verzichtete sogar auf den letzten Versuch. Glückliche Gesichter gab es auch bei Steve Backley (GBR) und Sergej Makarov (RUS), die sich nur dem Tschechen Jan Zelezny geschlagen geben mussten. Zelezny wurde mit 90,17 Metern zum dritten Mal in Folge Olympiasieger und schrieb so Leichtathletik-Geschichte. Boris Henry verbesserte sich im fünften Versuch noch auf 85,78 Meter, was in der Endabrechnung den siebten Platz bedeute: „Ich habe alles gegeben. Das war das Maximum.“ Die deutschen Speerwerfer hatten sich beachtlich aus der Affäre gezogen. Hecht, der wie in Atlanta Vierter wurde, aber diesmal damit weitaus glücklicher war, hatte eine neue deutsche Jahresbestweite erzielt.

Claudia Gesell (D) stellte sich im 800-Meter-Halbfinale harter Konkurrenz um Maria Mutola (MOZ). Gegen Mutola, Benhassi und Calatayud war sie jedoch ohne Chance und schied als Sechste aus. Trotzdem hatte sie sich mit einer Zeit von 1:59,69 Minuten teuer verkauft. Jubel schließlich im österreichischen Lager. Stephanie Graf deklassierte die Mitstreiterinnen in 1:57,57 Minuten im zweiten Lauf und untermauerte ihre Ansprüche auf Gold. Ein Duell zwischen Graf und Mutola bahnt sich an!

Cathy Freeman und Michael Johnson souverän im Halbfinale
Über 400 Meter bot Publikumsliebling Cathy Freeman (AUS) in 50,31 Sekunden die schnellste Viertelfinalzeit an. Schnell waren auch die Britin Katherine Merry (50,50 sec), die Nigerianerin Falilat Ogunkoya (50,49 sec) und die Jamaikanerin Lorraine Graham (50,66 sec) unterwegs. Fast schon beängstigend ist die Art und Weise, mit der Weltrekordhalter Michael Johnson mit seinen Gegnern spielt. In 45,32 Sekunden ließ er seine Viertelfinalgegner auf der Zielgerade sogar noch einmal an sich heran kommen. Ein Ausrufezeichen setzte sein Landsmann Alvin Harrison in 44,25 Sekunden. Überraschend schied der Mexikaner Alejandro Cardenas aus.

Friedek, Buschbaum und Humbert erreichen Finale
Der angeschlagene Charles Friedek war in der Dreisprung-Qualifikation mit dabei. Im ersten Sprung verpasste er mit 16,93 Metern die Qualifikationsweite nur um zwei Zentimeter. Beim zweiten Versuch kam er aus dem Rhythmus und lief durch. Auch der dritte war ungültig. Aber die Weite aus dem ersten Anlauf reichte für den Finaleinzug. Der Leverkusener konnte durchatmen. Er hatte die erste Station genommen. „Ich denke, ich werde übermorgen auch springen können. Ich versuche, zu kämpfen“, machte er sich selbst Mut im Kampf gegen seine Verletzung. Die deutschen Stabhochspringerinnen Yvonne Buschbaum und Nicole Humbert stehen nach übersprungenen 4,30 Metern ebenfalls im Finale. Prominentes Opfer war die Australierin Emma George, die ebenso den Kürzeren zog wie die drei Russinnen, die alle keinen gültigen Versuch zustande brachten und so ein wahres Desaster erlebten.

Deutsche Siebenkämpferinnen auf den Rängen sechs und acht nach dem ersten Tag
Gebangt wurde auch um Hallen-Europameisterin Karin Ertl (D) im Siebenkampf. Aber die 26jährige setzte nach Problemen beim Hochsprung den Wettkampf fort. Dort startete Denise Lewis (GBR) mit 15,55 Metern im Kugelstoßen ihre Aufholjagd, da Eunice Barber (FRA) über 11,27 Meter nicht hinaus kam. Sabine Braun (D; 14,33 m) lag in der Zwischenwertung nach dem dritten Bewerb auf Rang drei. Karin Ertl erzielte 13,55 Meter und verbesserte sich auf den sechsten Platz im Klassement. Nach den abschließenden 200 Metern fanden sich die beiden DLV-Athletinnen auf den Rängen sechs (Braun) und acht (Ertl) wieder. Ganz zufrieden waren sie damit allerdings nicht. Sabine Braun hofft auf ihren stärkeren zweiten Tag, während die angeschlagene Karin Ertl („Ich bin ein Kämpfertyp“) noch an die einstige Olympianorm (6250 Punkte) heranfighten möchte. In Führung liegt nach dem ersten Tag die Weißrussin Natalja Sazanovich, die allerdings einen schwächeren zweiten Tag hat. Natalja Roshchupkina (RUS) und Denise Lewis folgen auf den Plätzen. Die Britin darf sich trotz des verpatzten Hochsprungs noch Hoffnungen auf den Gesamtsieg machen, da Eunice Barber (FRA) ein schwaches Kugelstoßen ablieferte. Allerdings wird die Weltmeisterin von Rang sieben aus morgen zur Aufholjagd blasen. Weitsprung und Speerwerfen zählen zu ihren stärkeren Disziplinen.

Bericht zu den Vormittagswettkämpfen des 2. Tages

– Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik –

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