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Grand_Prix-Finale in Doha

Marion Jones setzt Siegeszug fort

Hattestad und Taylor Gesamtsieger – Drei deutsche Erfolge

05.10.00 (fc) Unter den Augen der bedeutenden Scheichs von Qatar machten sich die Leichtathleten in Doha auf die Jagd nach den US-Dollars, die beim Grand-Prix-Finale ausgeschüttet wurden – immerhin 200.000 für den Grand-Prix-Gesamtsieg und 50.000 für einen Einzelsieg. Die Religion und Sitten in Qatar versetzten einzelne Athleten durchaus in Staunen. Vor drei Jahren bei der ersten Veranstaltung noch außen vor gelassen, dürfen nun mittlerweile auch die Frauen antreten – allerdings größtenteils in etwas längeren Hosen als üblich. Die Veranstaltung litt etwas unter dem Fehlen der großen Namen wie Cathy Freeman, Michael Johnson, Hicham El Guerrouj oder Maurice Greene. Der Gesamtsieg ging bei den Männern an Hürden-Olympiasieger Angelo Taylor, der auf die Schützenhilfe aus dem US-Kugelstoßlager zählen konnte. Speerwurf-Olympiasiegerin Trine Hattestad reichte ein zweiter Platz, um ihre Führung zu verteidigen. Für deutsche Einzelsiege sorgten in den technischen Bewerben erfreulicherweise Franka Dietzsch, Tim Lobinger und Heike Drechsler.

Im Hammerwerfen gelang dem Ukrainer Andrej Skvaruk mit 81,42 Metern der weiteste Wurf. Hinter Koji Murofushi (JPN; 80,32 Meter) kam Weltmeister Karsten Kobs (D) auf 79,22 Meter. Auch Heinz Weis (D) schnitt mit 77,97 Metern als Fünfter deutlich besser ab als in Sydney. Ein kleines Trostpflaster für die Leverkusener nach der Olympia-Enttäuschung.

Deutsche Siege durch Drechsler, Lobinger und Dietzsch
Im Weitsprung war Heike Drechsler nach ihrem Olympiasieg auch in Doha nicht zu bezwingen. Mit 7,07 Metern erzielte sie bei besten Bedingungen eine glänzende, jedoch windunterstützte Weite. US-Girl Dawn Burrell kam hinter ihr mit 6,99 Metern auf den zweiten Rang. Die Rehabilitation gelang Tim Lobinger im Stabhochsprung. Dem Kölner reichten in einem insgesamt schwachen Bewerb 5,70 Meter zum Sieg. Auch Diskuswerferin Franka Dietzsch, die in Sydney deutlich unter den Erwartungen geblieben war, behielt beim Grand-Prix-Finale mit 65,41 Metern wieder klar die Oberhand gegen ihre namhaften Konkurrentinnen. Anja Möllenbeck (D) blieb als Achte nur die Statistenrolle.

Über 400 Meter Hürden ging es für Angelo Taylor bereits um den möglichen Gesamtsieg. Wie in Sydney holte der Olympiasieger in 48,13 Sekunden Hadi Al Somayli (KSA) auf den letzten Metern noch ein. Samuel Matete (ZAM) kam vor Llewellyn Herbert (RSA) als Dritter ins Ziel. Eric Thomas (USA) stürzte auf der Zielgerade an der letzten Hürde. Auf der Flachstrecke trat Mark Richardson (GBR) an, nachdem er auf einen Start in Sydney wegen seines noch offenen Dopingverfahrens verzichtet hatte. Der Brite siegte in 45,20 Sekunden vor Sanderlei Parrela (BRA). Bei den Frauen hatte die Jamaikanerin Lorraine Graham in 50,21 Sekunden die Nase vorne. 

Marion Jones verzichtete zugunsten der 100 Meter auf den Weitsprung. Die dreifache Olympiasiegerin wurde auch in Qatar von den Zuschauern gefeiert und lief in 11,00 Sekunden zum Sieg. Chryste Gaines (USA; 11,09 sec) und Sevatheda Fynes (BAH; 11,10 sec) landeten auf den Plätzen. In Abwesenheit der Olympia-Medaillengewinner gewann bei den Männern der Brite Darren Campbell über die Kurzstrecke in 10,25 Sekunden knapp vor dem US-Amerikaner Tim Montgomery (10,27 sec).

Gail Devers (USA) stellte sich nach ihrem Stop im Halbfinale von Sydney in Doha mit Bandage wieder im Hürdensprint vor. In 12,85 Sekunden ließ sie die Nigerianerin Glory Alozie (12,94 sec) und die Jamaikanerin Delloreen Ennis-London (12,96 sec) hinter sich. Olga Shishigina (KZK) hatte in der Ansicht, dass sie einen Fehlstart verursacht hatte, nach dem Start abgebremst.

Über 1500 Meter versuchte Kutre Dulecha (ETH) in einem langsamen Rennen ihr Heil in einem langen Schlusspurt auf der letzten Runde, wurde allerdings noch von der Rumänin Violeta Beclea-Szekely, die in 4:15,63 Minuten gewann, gestellt. Olympiasiegerin Nouria Merah-Benida kam als Dritte ins Ziel. Bei den Männern ließ der kenianische Olympiasieger Noah Ngeny in 3:36,62 Minuten keine Zweifel aufkommen, wer Herr im Hause ist und lief ein überzeugendes Rennen.

Der Kenianer Luke Kipkosgei überraschte über 3000 Meter die Favoriten. Der Algerier Ali Saidi-Sief hatte nicht mehr die Kraft, um den Antritt von Kipkosgei, der in 7:46,21 Minuten siegte, zu kontern. Daniel Komen (KEN) und Brahim Lahlafi (MAR) gehörten zu den Geschlagenen. Sonia O’Sullivan (IRL) war in 8:52,01 Minuten die schnellste Frau über diese Distanz und wehrte erfolgreich den Angriff der Kenianerinnen ab.

Im Hochsprung rückte Weltmeister Vjacheslav Voronin (RUS) mit 2,32 Metern die Verhältnisse wieder zurecht. Olympiasieger Sergej Kljugin (RUS) wurde nur Fünfter mit 2,20 Metern. Dreisprung-Weltmeister Charles Friedek (D) hatte nach seiner Verletzung noch nicht die Sicherheit wiedergefunden. 15,79 Meter im einzigen gültigen Sprung reichten nur zum sechsten Rang. Jonathan Edwards (GBR) siegte mit 17,12 Metern knapp vor dem Bulgaren Rostislav Dimitrov (17,11 m). 

Die US-Kugelstoßer ebneten ihrem Landsmann Angelo Taylor den Weg zum Grand-Prix-Gesamtsieg. Dessen Konkurrent Yuri Belonog (UKR) wurde nämlich nur Vierter. Andy Bloom sorgte mit seinen 21,82 Metern für einen echten Kracher. Aber Adam Nelson (21,66 m) und John Godina (21,51 m) standen ihm kaum nach. Oliver-Sven Buder (D) kam auf 19,77 Meter und Platz fünf.

Sonia Bisset (CUB) erzielte im Speerwerfen mit 65,87 Metern eine neue persönliche Bestleistung und war damit exakt einen Zentimeter besser als Olympiasiegerin Trine Hattestad, die trotzdem die Gesamtwertung bei den Frauen gewann. Osleidys Menendez (CUB) warf mit 65,79 Meter ebenfalls in diesen Bereich. Die Leverkusenerin Steffi Nerius wurde mit 62,84 Metern Fünfte.

Grand-Prix-Gesamtwertung

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