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Hallen-Meeting in Birmingham

Rekord-Feuerwerk in Birmingham

Hailu Mekkonen und Wilson Kipketer laufen Weltrekorde

20.02.00 (fc) Ein Meeting, das nicht nur wegen des Headliners Maurice Greene das Interesse auf sich ballte, fand in Birmingham statt. Aus deutscher Sicht war vor allem das Abschneiden von Heike Drechsler, Carmen Wüstenhagen und Hochspringer Wolfgang Kreissig interessant. Die starken Auftritte von Hailu Mekkonen und Wilson Kipketer, die beide Weltrekorde liefen, stellten die 6,47 Sekunden über 60 Meter von Greene in den Schatten. Bei den Frauen überzeugte die Österreicherin Stephanie Graf mit einer Bombenzeit unter 1:58 Minuten über 800 Meter. Die Veranstaltung stellte einen krönenden Abschluss der großen Indoor-Meetings dar. Nun können sich die europäischen Spitzenathleten ganz auf die Europameisterschaft in knapp einer Woche in der Genter EXPO-Halle konzentrieren.

Eine hochkarätig besetzte Konkurrenz machte sich auf der Zwei-Meilen-Strecke auf die Jagd nach dem Weltrekord. Hailu Mekkonen (ETH) heftete sich rasch an die Fersen der Tempomacher, um dann nach sechs Minuten die Pace zu übernehmen. Angefeuert von seinem Manager Jos Hermens unterbot er die alte Marke des Belgiers Emiel Puttemans in 8:09,66 Minuten um über drei Sekunden.

Die enttäuschende Inger Miller hatte in Birmingham als Zweite keine Chance gegen die starke Kanadierin Philomena Mensah, die die 60 Meter in 7,11 Sekunden für sich entschied.
Bei den Männern deutete Maurice Greene bereits im Vorlauf seine Möglichkeiten an. Im Finale ließ sich der Superstar durch mehrere Fehlstarts, u.a. von Boldon und Myles-Mills verursacht, nicht aus der Ruhe bringen und gewann nach einem mäßigen Start in 6,47 Sekunden vor dem Kubaner Freddy Mayola und Ato Boldon.

Wilson Kipketer hielt sich über 1000 Meter zunächst taktisch gegenüber den Tempomachern ein wenig zurück, profitierte aber dann, als er alleine weit vor dem Feld unterwegs war, von dieser Marschroute und verbesserte in hervorragenden 2:14,96 Minuten seinen Weltrekord von Stuttgart.

Die Hürdensprinter präsentierten sich im Doppelpack. Über 50 Meter glänzte der Kubaner Anier Garcia in 6,39 Sekunden mit einem starken Lauf zwischen den Hürden. Die Möglichkeit zur Revanche für die Geschlagenen gab es wenig später über 60 Meter. Garcia behielt aber auch hier klar die Oberhand vor Hernandez, Dees und Colin Jackson, der erst zum zweiten Mal in der Halle antrat. Michelle Freeman dominierte das Rennen der Frauen und besiegte in 7,96 Sekunden ihre Widersacherin Kim Carson aus den USA.

Ivan Pedroso absolvierte einen für ihn schwachen Wettkampf, blieb mit 7,96 Meter unter den acht Metern und musste deshalb den ersten Platz seinem Konkurrenten James Beckford (8,06 m) überlassen. Dritte wurde der junge Marokkaner Younes Moudrik mit einem neuen Landesrekord (7,83 m). Heike Drechsler zeigte als Siegerin bei den Frauen, dass sie ihre Form in den letzten Tagen stabilisieren konnte. 6,84 Meter ist eine Weite, die im Hinblick auf die Hallen-EM auch sie selbst optimistisch stimmen müsste.

Während Vjacheslav Voronin immer mehr seinen vielen Springen in diesem Winter Tribut zollt, präsentiert sich sein Landsmann Sergej Kljugin (Sieger mit 2,31 m) in aufsteigender Verfassung. Wolfgang Kreissig trug sich mit 2,20 Metern in die Ergebnisliste ein.

Carmen Wüstenhagen hielt sich im 800-Meter-Rennen zurück. Den Ton gaben sofort die Favoritinnen Stephanie Graf, Natalja Tsyganova und Violeta Szekely an. Die Österreicherin übernahm von „Hase“ Helena Fuchsova die Spitze und stellte in 1:57,80 Minuten wieder eine fast unglaubliche Weltjahresbestzeit auf.

Eine weitere deutsche Teilnehmerin, Andrea Müller, die nach längerer Abstinenz wieder versucht, Anschluss zu finden, spielte im Stabhochsprung keine Rolle. Mit 3,96 Metern wurde sie Fünfte. Die Show bestimmten andere. Die Südafrikanerin Elmarie Gerryts gewann mit neuem Landesrekord (4,41 m). Ihrem Beispiel folgten die Britin Janine Whitlock und Doris Auer aus Österreich, die ebenfalls nationale Bestmarken aufstellten. Topspringerin Anzhela Balakhonova konnte diesmal nicht in die Entscheidung eingreifen.

Mekkonen und Kipketer hatten Gabriela Szabo vorgelegt. Über 3000 Meter versuchte die kleine Rumänin, den Weltrekord von Elly van Hulst von 1989 zu attackieren. Ihre Landsfrau Luminita Gorgilea gab ihr das Tempo vor. Nach vier Minuten verabschiedete sie sich von Szabo, die von da an alleine gegen die Uhr lief. Die Portugiesin Carla Sacramento als Verfolgerin konnte ihr nicht annähernd folgen, was schon während des Rennens ein Indiz dafür war, wie sehr Szabo angriff. Trotz des begeisterten Publikum in der ausverkauften Birminghamer Halle ließ sie auf den letzten Runden nach und blieb am Ende über van Hulsts Zeit. Enttäuscht trat Gabriela Szabo die Ehrenrunde an. Ihr war bewusst, dass ihr der Weltrekord förmlich durch die Finger geglitten war.

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