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Hallen-Europameisterschaft in Gent (2. Tag)

Pechsträhne im deutschen Lager

Tim Lobinger floppt – Dvorak stellt Europarekord auf

26.02.00 (fc) Die deutschen Hoffnungen ruhten am zweiten Tag der Hallen-Europameisterschaft in Gent vor allem auf Stabhochspringer Tim Lobinger. Der Topfavorit zeigte jedoch Nerven, scheiterte dreimal an 5,50 Metern und warf damit alle Ambitionen über Bord. Er selbst machte „zuviel horizontale Geschwindigkeit“ für das Fiasko verantwortlich. Das war aus DLV-Sicht jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Stefan Holz krachte mit zwei Läufern zusammen, Anja Rücker verletzte sich am Knie, Kathleen Friedrich stürzte, die Hürdensprinter gingen leer aus und auch Heike Henkel verabschiedete sich rasch im Hochsprungfinale. Bei diesen ganzen Tiefschlägen gingen die beiden Medaillen der Kugelstoßerinnen Nadine Kleinert-Schmitt und Astrid Kumbernuss fast unter.

Eine ganze Reihe 60-Meter-Sprinter gaben in den Vorläufen ihre Visitenkarte ab. Marc Blume wurde in mäßigen 6,74 Sekunden, die nicht für das Semifinale reichten, nur Dritter und bekam vom Polen Krzywanski eine „Lehrstunde“ erteilt. Besser machte es Alexander Kosenkow (6,64 sec), der gut aus dem Startblock kam und sich als Zweiter direkt qualifizierte. Der deutsche Hallenmeister Tim Göbel hinterließ mit 6,66 Sekunden ebenfalls einen glänzenden Eindruck, hinter dem ungarischen Kraftpaket Nemeth landete der junge Kölner auf dem zweiten Rang. Der Brite Jason Gardener spielte sich mit seinen Vorlaufgegnern (6,63 sec). Stark traten auch die Griechen Theodoridis und Pavlakakis auf.
Bei den Frauen rutschte Andrea Philipp mit viel Glück gerade mal so in 7,37 Sekunden als Dritte ins Semifinale. Marion Wagner traf in ihrem Lauf auf die große Favoritin Ekaterina Thanou (7,13 sec) und kam hinter ihr als gute Zweite (7,31 sec) ins Ziel. Petja Pendareva (BUL) und Anzhela Kravchenko (UKR) unterstrichen, dass die Jagd auf die Medaillen nur über sie führt. 

In der Kugelstoß-Ausscheidung leistete sich der favorisierte Finne Mika Halvari („Ich war zu nervös vor dem letzten Stoß“) drei ungültige Versuche und schied ebenso aus wie der Deutsche Andy Dittmar. Dessen Kollege Michael Mertens erreichte als Achter den Endkampf. Heike Drechsler sprang sich ebenfalls ins Finale. Die Siegenerin Sofia Schulte konnte sich hingegen als Vierzehnte (6,17m) im Weitsprung nicht qualifizieren.

Dreispringer Charles Friedek hatte keine Mühe und knackte mit 16,96 Metern bereits im ersten Versuch die geforderte Weite. Übertroffen wurde er nur noch vom Bulgaren Rostislav Dimitrov, der zwei Zentimeter mehr schaffte.

Martin Buss stand Friedek als Quali-Dritter mit übersprungenen 2,25 Metern kaum nach. Nur Dragutin Topic (JUG) und Brendan Reilly (IRL) kamen bei gleicher Höhe ohne Fehlversuch durch. Zittern musste der Weltmeister Vjacheslav Voronin, der diese Marke erst im dritten Anlauf überquerte. Christian Rhoden qualifizierte sich als Achter, während Wolfgang Kreissig mit einem „Reißer“ mehr nur Elfter wurde.

800-Meter-As Nils Schumann lief sein Halbfinale in 1:50,11 Minuten locker nach Hause. Im zweiten Lauf war es für den russischen Shootingstar Yuri Borzakovksy ebenfalls eine Leichtigkeit, mit der Konkurrenz zu spielen (1:51,45 min). Im morgigen Endlauf wird es für den Deutschen schwer werden, diesen jungen Spund, der über ein unglaubliches Potential verfügt, zu bezwingen. Für Schumann gibt es jedoch nur ein Ziel: „Ich bin hierher gefahren, um zu gewinnen.“

Juliane Sprenger war die einzige deutsche Hürdensprinterin, die den Weg nach Gent angetreten hatte. Und die 22jährige nutzte die Chance, um sich in 8,21 Sekunden als Halbfinalzweite hinter Yulia Graudyn für den Endlauf zu qualifizieren. Dort schlug die große Stunde der Französin Linda Ferga („Ich hatte ein sehr gutes Rennen mit einem exzellenten Start“), die in 7,88 Sekunden ihre favorisierte Landsfrau Patrica Girard besiegte. Juliane Sprenger lieferte eine 8,32 ab. 
Ralf Leberer (7,60 sec) und Falk Balzer (7,65 sec) folgten Sprengers Beispiel und zogen ebenfalls ins Finale ein, wo sie jedoch leer ausgingen. Vorne waren mit dem Letten Olijars, Routinier Tony Jarrett (GBR) und dem Polen Scigaczewski andere.

400-Meter-Läuferin Claudia Marx hielt sich in ihrem Halbfinale glänzend, setzte sich rasch an die dritte Stelle und ließ sich diese nicht mehr nehmen. Anja Rücker, eigentlich Medaillenaspirantin, verletzte sich noch auf der ersten Runde ihres Semifinals am Knie, so dass sich Marx nun im Endlauf alleine mit den Favoritinnen Natalja Nazarova, Helena Fuchsova und Svetlana Pospelova auseinandersetzen muss.
Bei den Herren krachten im ersten Semifinale drei Athleten zusammen, darunter Stefan Holz, der mit schmerzverzerrtem Gesicht und einer Schulterverletzung liegen blieb. Lars Figura, der Holz vor seinem Start noch einen besorgten Blick zugeworfen hatte, nahm die Last, die als letztem Deutschen auf ihm plötzlich lastete, an und kämpfte sich in seinem Rennen couragiert in den Endlauf.

Tomas Dvorak war der Dominator des Siebenkampfs. Gemeinsam mit seinem Landsmann Roman Sebrle, der Zweiter wurde, drückte er dem Wettbewerb eindrucksvoll seinen Stempel auf. Mit 6424 Punkten erreichte er einen neuen Europarekord.

Im 1500-Meter-Finale setzte sich die deutsche Pechsträhne fort. In einem langsamen Lauf kam Kathleen Friedrich mit der Russin Kremljova ins Gehege und beide stürzten nach knapp der halben Distanz. Der Sieg ging an die Favoritin Violeta Szekely (RUM). 

Birgit Rockmeier (23,29 sec) verpasste über 200 Meter als Vierte eine Medaille. Diese gingen an die Siegerin Muriel Hurtis (FRA), Alenka Bikar (SLO) und Yekaterina Leshchova (RUS).

Deutsche Medaillen gab es dafür erwartungsgemäß im Kugelstoßen der Frauen. Es siegte zwar die Russin Larissa Peleschenko („Ich hatte keine Angst vor den Deutschen“), aber dahinter sicherten sich Nadine Kleinert-Schmitt (19,23 m) und Astrid Kumbernuss (19,13 m) die noch freien Plätze auf dem Treppchen.

Kajsa Bergqvist sorgte für ein Highlight des zweiten Wettkampftages. Die schwedische Hochspringerin holte sich mit einem Satz über zwei Meter den Sieg vor der Tschechin Hlavanova und der Russin Kaliturina. Bergqvist: „Ich war sicher, dass ich hoch springen kann. Aber ich war überrascht von der Höhe, die dafür nötig war. Die anderen Springerinnen haben mich überrascht. Den Landesrekord einzustellen und Gold zu gewinnen, kann aber nicht schlecht gewesen sein, oder?“
Die einzige deutsche Finalistin, Heike Henkel, spürte noch die Qualifikation in den Knochen und wurde mit 1,85 Metern nur Achte.

Die deutsche Mannschaft wurde ordentlich „gerupft“ und musste einige Rückschläge hinnehmen. Hier werden am Schlußtag die Asse wie Heike Drechsler und Charles Friedek gefordert sein, mit ein paar Medaillen für ein annähernd zufriedenstellendes Gesamtergebnis zu sorgen.

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