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Mehrkampf-Meeting in Götzis

Karin Ertl brennt vor Ehrgeiz

Zehnkampf-Medaillen werden in Sydney hart umkämpft sein

06.06.00 (fc) Der beste Zehnkampf der Geschichte hat am Wochenende den Stellenwert der Veranstaltung in Götzis unterstrichen. „Was Hawaii für die Windsurfer ist, ist Götzis für die Mehrkämpfer“, sagte die junge deutsche Siebenkämpferin Sonja Kesselschläger schon im Vorfeld ihres ersten Starts in Vorarlberg, den sie mit ihrem ersten Wettkampf über 6.000 Punkte sehr gut über die Bühne brachte. Dementsprechend hatten auch die meisten Athleten trotz aller Anstrengungen ihren Spaß und ihre Freude an den zwei Tagen.

Weltrekord verpasst
Der tschechische Weltmeister Tomas Dvorak hatte sofort vom ersten Bewerb an keine Zweifel aufkommen lassen, dass seine Ankündigung, als erster Zehnkämpfer die 9.000-Punkte-Marke zu knacken, ernst gemeint war. Nach dem ersten Tag lag er auch noch voll auf Weltrekord-Kurs. Aber am Sonntag machten dem Zehnkampf-König Knieprobleme zu schaffen, die letztlich das Unterfangen vereitelten. Das deutete sich bereits beim Stabhochsprung an, als Götzis-Pressesprecherin Renate Öhy auf der Tribüne mit Dvorak bei dessen dritten Versuch über 4,95 Meter litt und nachdem er gerissen hatte, ihren Emotionen freien Lauf ließ. Damit war klar: nur ein Speerwurf deutlich über 70 Meter kann ihn zurück auf das große Unternehmen bringen, aber 67,21 Meter waren zu wenig. Am Ende verbuchte der derzeit beste Mehrkämpfer 8.900 Punkte, zugleich der zweitbeste Wert der Geschichte, Weltjahresbestleistung und neuer „Möslerekord“. Den neuen Weltrekord möchte er im Juli in Talence erneut angreifen: „Ich werde es wieder versuchen!“

Was sind die 8.531 Punkte von Frank Busemann für Sydney wert?
Platz sechs in einem Feld, das kaum besser besetzt sein konnte, ist für den deutschen Vorzeigezehnkämpfer ein gutes Resultat. Bedenkt man, dass er im Hürdensprint im Vergleich zu seinem Potential rund eine Sekunde durch ein Missgeschick auf der Bahn ließ, sind auch noch einige Punkte mehr drin. Im Hinblick auf die Olympischen Spiele führt der Weg zu einer Medaille nur über eine neue Bestleistung, also einer Zahl von über 8.700 Punkte. Diese Werte erreichten neben Überflieger Dvorak in Götzis noch Roman Sebrle (8.757 Punkte) und Erki Nool (8.742), die beide Bestleistungen aufstellten. Neu im Kreis der Weltelite darf man den Ukrainer Alexandr Yurkov, der mehrere Bestmarken in den Einzeldisziplinen fixierte und am Ende mit 8.574 Punkten Vierter wurde, und den jungen Ungar Attila Zsivotzky (8.554) begrüßen. Den Wettkampf am Wochenende beendeten der Bronze-Medaillegewinner von Sevilla, Chris Huffins (USA), Lev Lebodin (RUS), der Finne Eduard Hämälainen und der WM-Vierte Sebastian Levicq (FRA) nicht! Alles Leute, die in Sydney bei guter Form um die Medaillen mitkämpfen wollen und können. Und da wäre noch… Dan O’Brien! Der Olympiasieger will sich im Juli bei den US-Trials qualifizieren und dieses Comeback wird mit allergrößter Spannung erwartet. Frank Busemann konnte aus Götzis die Erfahrung mitnehmen, dass er gut mit der Weltspitze mitfighten kann und Potential für mehr vorhanden ist. Soviel ist sicher: in Australien wird es um die ersten drei Plätze verdammt eng hergehen…

Karin Ertl möchte eine Olympiamedaille
„Ein Platz auf dem Stockerl ist nicht unrealistisch“, sagte die Hallen-Europameisterin im Steeple-Interview nach dem Siebenkampf in Götzis. Eine selbstbewusste Aussage, die auf den ersten Blick vielleicht erstaunt, aber nicht von ungefähr kommt. Ihre Trainerin Eva Rapp, die sie gemeinsam mit Wolfgang Frenzl betreut, sagt: „Sie ist konsequent, diszipliniert und brennt vor Ehrgeiz.“ In Götzis konnte sie selbst ein Disput mit den Kampfrichtern beim Speerwerfen nicht aus der Bahn werfen. Gerade in dieser Situation profitierte sie von ihrem mentalen Training. Karin Ertl will bei der Olympia-Qualifikation in Ratingen die 8.400 Punkte knacken und somit Sabine Braun wieder zur Wachablösung herausfordern. Potential sieht sie vor allem noch im Hochsprung und in den 200 Metern. Vielleicht pusht sie aber gerade das Duell mit der „Grande Dame“ Braun zu neuen Höchstleistungen – auch in Sydney. Zunächst aber gilt die volle Konzentration dem Siebenkampf im Juli: „Es ist sehr eng und es wird bestimmt ein spannender Wettkampf in Ratingen.“

Stehaufmännchen Stefan Schmid auf Sydneykurs
Während bei den deutschen Siebenkämpferinnen insbesondere noch der Platz hinter Braun und Ertl vakant scheint, kristallisierte sich in Götzis bei den Männern das Olympiatrio bereits deutlich heraus. Frank Busemann, Mike Maczey und Stefan Schmid belegten geschlossen die Plätze sechs bis acht und übertrafen deutlich die Olympianorm von 8.180 Punkten. Stefan Schmid strahlte mit seinen Kollegen im Möslestadion um die Wette. Der frischgebackene Vater sieht sein Erfolgsgeheimnis in seinem Training, das er sich seit eineinhalb Jahren selbst zusammenstellt. „Ich mache viel nach Gefühl und habe im Winter sehr gut und kontinuierlich trainiert“, stellt er sein Konzept vor. Am Wochenende betreute ihn Ex-Zehnkämpfer Frank Müller, den er sich für zwei Wettkämpfe an die Seite holte. Schmid dazu: „Es war ein sehr guter Einstand.“ Das Duo hofft natürlich auf eine Leistungssteigerung in Ratingen. Der oft von Verletzungspech verfolgte Bayer sieht aber selbst noch Luft nach oben. Sofern ihm nicht wieder das Pech einen Strich durch die Rechnung macht, sollte seinem Start in Australien nichts im Wege stehen.

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