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Der große Marathon-Sonntag

Antonio Pinto dominiert London-Marathon 

Tegla Lorupe erstmals Siegerin an der Themse
Dörre-Heinig nur Zweite in Hamburg – Fietz knackt Norm

16.04.00 (fc/bm) Insgeheim hofften die Veranstalter in Rotterdam und auch in Hamburg, dem großen London-Marathon ein kleines Schnippchen schlagen zu können. Wenn drei Läufe zeitgleich um die große Schlagzeile konkurrieren, ist das normal. In England gaben Antonio Pinto, der die anderen Weltklasseläufer deklassierte, und Tegla Lorupe, die erstmals beim London-Marathon gewann, den Ton an. In Hamburg musste die große Favoritin Katrin Dörre-Heinig eine Niederlage hinnehmen. Rotterdam bot zwar auch ein schnelles Rennen, an die Top-Leistungen von London konnten jedoch die Sieger Kenneth Cheruiyot und Ana Isabel Alonso nicht heranreichen.

London-Marathon:
Bei kühler und leicht windiger Witterung wurde das erlesene Frauen-Feld als erstes auf die 42,195 Kilometer in der englischen Hauptstadt geschickt. Die Favoritinnen um Tegla Lorupe hielten sich anfangs sehr bedeckt und nahmen das Tempo der Pacemakerinnen nicht an. Ein Knistern lag in der Luft, als sich eine halbe Stunde später die Männer an der Startlinie formierten. Die Spannung, wer von den Favoriten wie Khalid Khannouchi, Abdelkader El Mouaziz, Josiah Thugwane oder Antonio Pinto dem teuersten Marathonlauf des Jahres den Stempel aufdrücken würde können, war nicht mehr zu überbieten. Im Gegensatz zu den Damen, die erst zum Ende des ersten Drittels das Tempo verschärften, ließen sich die Herren nicht lange bitten und drückten sofort auf die Tube. Antonio Pinto, zweifacher London-Sieger, beobachtete von Beginn an aufmerksam die Spitze, um nicht den Fehler des Vorjahres zu machen, als er Hase El Mouaziz ziehen ließ und dieser dann unbehelligt bis ins Ziel lief. Die anderen Favoriten versteckten sich auf den ersten zwanzig Kilometern zunächst noch. Als zur Halbzeit der Portugiese sich mit zwei Afrikanern abzusetzen drohte, war Titelverteidiger El Mouziz zur Stelle und schloss die Lücke sofort. Bei Kilometer 28 hatte die Portugiesin Fernanda Ribeiro bei ihrem Marathondebüt Probleme und stieg wenig später aus, während sich Lorupe, Simon, Chepchumba und Machado an der Spitze gegenseitig belauerten. Gut präsentierte sich auch die Australierin Kerryn McCann. Sie verschärfte plötzlich das Tempo und suchte ihr Heil in der Offensive. Nach zwei Stunden lagen McCann, Lorupe, Chepchumba, Simon und die Mexikanerin Adriana Fernandez alleine an der Spitze. Kurz vor den 30 Kilometern setzte sich bei den Männern parallel Antonio Pinto ab, ein paar Meter dahinter hartnäckig verfolgt von El Mouaziz. Der Noch-Marokkaner Khannouchi verlor den Anschluss an die Spitzenreiter. Das Rennen ging in die entscheidende Phase! Pinto vorne, El Mouaziz mit etwas Abstand. Auch bei den Frauen wurde nun die Entscheidung eingeläutet. Lorupe und Simon liefen an der Spitze. Vorjahressiegerin Chepchumba konnte nicht mehr folgen. Lorupe und Pinto setzten die Akzente und schon bald konnte sich die Kenianerin auch von Lida Simon distanzieren. So stellte sich die Rennsituation auch auf den folgenden Kilometern dar. Pinto und Lorupe gaben den Ton an, setzten sich weiter ab und liefen dem sicheren Sieg beim London-Marathon entgegen. Nach 2:24:33 Stunden erreichte Tegla Lorupe, die die zweite Hälfte des Rennens bestimmt hatte, das Ziel. Dahinter folgten Lidia Simon, Joyce Chepchumba, Adriana Fernandez und Kerryn McCann. Die beiden befreundeten Kenianerinnen fielen sich unmittelbar nach der Ziellinie überglücklich in die Arme. Auch eine Manuela Machado, die mit dem Rennausgang nichts zu tun hatte, strahlte über das ganze Gesicht, als sie einlief. Mit einer taktischen Meisterleistung brachte der Portugiese Antonio Pinto seinen dritten Sieg in London unter Dach und Fach. In 2:06:36 Stunden stellte er einen neuen Europarekord auf! Vorjahressieger Abdelkader El Mouaziz verbesserte als Zweiter seine Bestleistung auf 2:07:33 Stunden und küsste glücklich den Boden im Ziel. Weltbestzeitinhaber Khalid Khannouchi konnte sich dahinter gegen die Konkurrenten behaupten und landete in 2:08:36 Stunden auf dem dritten Rang.

Hamburg-Marathon:
Die erwarteten Siege der deutschen Olympiastarter blieben den rund 250.000 Zuschauern des Hanse-Marathon, an dem 16.322 Aktive teilnahmen, versagt. Katrin Dörre-Heinig musste sich in 2:33:10 Stunden der starken Ludwigshafenerin Manuela Zipse (2:31:36 h) deutlich geschlagen geben. Bei den Männern siegte der Pole Piotr Gladki in 2:11:06 Stunden vor Tendai Chimusasa (ZIM; 2:12:22 h) und dem Kenianer Eliud Kurgat, der nach 2:12:40 Stunden das Ziel erreichte. Carsten Eich, der mit dem hohen Anfangstempo nicht zurecht kam, wurde nur Vierter (2:12:51 h) und war von seiner Leistung mehr als enttäuscht. In Dörre-Heinig („Ich wollte unbedingt gewinnen“) hatte er eine Leidensgenossin. Die Zweitplatzierte kämpfte ab Mitte des Rennens mit einer Verletzung und musste sieben Kilometer vor dem Ziel den Sieg Zipse überlassen. Die Siegerin selbst haderte etwas mit dem Verpassen der Olympianorm und peilt nun die 10.000 Meter als nächste Strecke an. Vielleicht klappt es ja da noch mit Sydney.

Rotterdam-Marathon:
Das Wichtigste aus deutscher Sicht zuerst: der Wattenscheider Michael Fietz unterbot in 2:11:25 Stunden als Elfter die Olympianorm. Martin Strege konnte seinem Beispiel nicht folgen, Stephan Freigang stieg gar nach der halben Strecke aus. Den Ton gaben andere an. Tesfaye Tola und Sammy Korir, mit guten Aussichten gestartet, konnten die Erwartungen nicht erfüllen. Aus der Spitzengruppe kristallisierte sich, als sich kurz vor dem Ziel die Spreu vom Weizen trennte, der kenianische Marathondebütant Kenneth Cheruiyot in 2:08:22 Stunden als Sieger heraus. Auf den Plätzen landeten der Spanier Javier Cortez (2:08:30 h) und Vanderlei de Lima (BRA; 2:08:34 h). Bei den Frauen spielte Mitfavoritin Nicole Carroll keine Rolle. Die 36jährige Spanierin Ana Isabel Alonso gewinnt in 2:30:21 Stunden vor der Japanerin Mineko Yamanouchi. 

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