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Saison 2001

Nicht alles Gold, was glänzt

Kirsten Bolm lernte die Schattenseiten des US-Collegesports kennen


Weiterhin nach den Plänen des Vaters trainiert – Keine Individualität in den USA

1998 feierte sie mit neuen BYU-Rekorden über die Hürden und im Weitsprung einen exzellenten Einstand nach ihrem Wechsel in die USA, wo sie seither den Großteil des Jahres verbringt. Die Erfolgsliste ist lang und Meriten hat sie sich auf den US-Tartanbahnen reichlich verdient. Das zählte allerdings nicht mehr, als in diesem Jahr aufgrund der kurzen Anlaufzeit vor der Hallensaison reichlich Sand im Getriebe war. „Ich hätte nie meinen Trainer bitten können, mich aus einem Wettbewerb zu nehmen“, sind die internen Regeln klar. 

Es existiert darüber hinaus eine klare Trennung zwischen den Wettkämpfen in die USA und in Deutschland, die so groß ist wie der Teich dazwischen. „Was in Deutschland passiert, interessiert in den USA überhaupt nicht“, stellte Kirsten Bolm in den letzten Monaten fest. Um überhaupt für die Saison zuhause gerüstet zu sein, hat sie immer wieder heimlich speziell auf sie abgestimmte Trainingseinheiten nach den Plänen ihres Vaters absolviert. Überhaupt war sie schockiert, als sie zum ersten Mal einen Trainingsplan nach US-Strickmuster in den Händen hielt: „Das ist für einen normalen Athleten nicht machbar. Was nach den vier Jahren College ist, interessiert die Trainer nicht“, sieht Bolm darin auch einen Grund, warum viele Talente in ihren Leistungen rückläufig sind. 

Deshalb orientierte sie sich weiterhin an den Vorgaben ihres Vaters und bezeichnet es als „den einzigen Grund, warum ich dort überlebt habe.“ Ihr ist es dadurch als eine der ganz wenigen deutschen Athleten, die den Weg in die USA gingen, gelungen, in die deutsche Spitze vorzustoßen. Aufgrund ihrer guten Leistungen konnte sie bis zu der zurückliegenden Collegesaison an der Brigham Young University auch einige Privilegien genießen. Trotzdem hat sie das System im Gegensatz zu den meisten der anderen Collegesportler kritisch hinterfragt und kam zu einem klaren Ergebnis: „Auf die individuellen Bedürfnisse der Athleten wird keine Rücksicht genommen.“ 

Sie beobachtete allerdings auch, dass an verschiedenen anderen Unis offensichtlich in bestimmten Disziplinen sehr gut ausgebildet und somit spezifischer trainiert wird. Nur die wenigsten schaffen aber den Sprung vom College- zum Profisportler. „Oft sind es Leute, die im College nur Mittelmaß sind, die später in die Weltspitze vorstoßen“, beobachtete Bolm, die über die Hintergründe dieser Leistungssprünge aber auch nur spekulieren kann: „Es hängt bei vielen Athleten vom Umfeld ab und ich weiß nicht, inwieweit da mit sauberen Mitteln gearbeitet wird.“ Für viele Athleten scheitert die weitere Karriere allerdings auch aufgrund der großen Entfernungen und weiten Reisen zu Wettkämpfen an den finanziellen Möglichkeiten. „Es ist sehr schwierig drüben, als Athlet zu überleben. Das Geld und mit welchem Trainer er zusammenarbeitet, ist mit entscheidend, ob ein Athlet in den USA durchkommt“, glaubt die Deutsche.