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Weiblich, ledig, jung sucht…

… nicht nur den Weg zur Europameisterschaft nach München

Der Vater von Martina Strutz ist Handballer, sie selbst hat immer gerne Basketball gespielt und auch im Training ist oft der runde Ball mit dabei. „Abends mal in die Halle zu gehen und ein bisschen spielen, ist ein Ausgleich zum Stabhochsprung.“ Über einen Jedermann-Zehnkampf, an dem sie vor sechs Jahren teilnahm, bei dem sie mit einer Höhe von 2,20 Metern gleich durch ihr Talent auffiel („Ich hatte nie trainiert und gar nicht gewusst, wie das geht“) und staunende Gesichter hervorrief, wurde sie schließlich eine Stabakrobatin, wofür sie nach acht Jahren Turnen beste Voraussetzungen mitbrachte. Trainiert hat sie immer schon mit Jungs. „Man orientiert sich an den Leistungen“, erzählt sie, „und das hat mich auch nach vorne gebracht, weil ich immer besser sein wollte.“ Sie weiß auch die Lehrerschaft des Sportgymnasiums hinter sich und lobt die Rahmenbedingungen, die sie in Schwerin hat: „Ich würde nicht sagen, dass es woanders besser ist.“ 

Das Geheimrezept zum Abschalten – Eine Stunde Spazierengehen

Die junge Athletin befindet sich gerade mitten im Abiturstress. Eine Klausur jagt die nächste, Schule und Training wechseln sich ohne große Pausen ab und auch die Anfragen der Medien stehen für Martina Strutz schon mit auf der Tagesordnung. „So kommt das eine zum anderen“, sagt sie, „man steht immer zwischen Tür und Angel. Es ist manchmal ein bisschen schwer, sich auf das eine zu konzentrieren, wenn man das andere noch im Kopf hat.“ Werden ihr die Dinge schon mal zuviel, hat sie ein praktisches Gegenrezept: „Dann gehe ich einfach raus und eine Stunde spazieren.“ 

Die Gewichtung ist klar. Auch wenn sie viel für die Schule tut, hat der Sport Priorität. „Wenn da irgendwas nicht klappt, bin ich schon schnell auf 180“, gesteht die Abiturientin. Ehrgeiz, Selbstbewusstsein, ein hoher eigener Anspruch, aber auch gute Laune und eine Portion Spaß sind ihre Attribute. „Die Freude am Leben anderen geben und auch rüberbringen“, lautet ein Motto. „Ich lebe in den Tag hinein und belohne mich schon mal für meine Leistungen.“ Durch den Sport hat sie nicht viel Zeit für ihre Freunde, die sie aber gerne an ihren Erfolgen teilhaben lässt. „Es ist schön, wenn man mal weggehen und alles vergessen kann. Das macht frei und mich irgendwo zum Menschen.“ Sie glaubt, dass sie manchmal auch in ihrer Persönlichkeit falsch eingeschätzt wird, weil sie bei all dem Druck, dem sie ausgesetzt ist, eine gewisse Wand und die Familie um sich braucht. „Die Leute, die das gewisse Feeling dafür haben, kommen auch an mich ran und lernen die andere Seite kennen.“ Den ruhigen Pol einer Martina Strutz, die ihren Gefühlen und dem abfallenden Druck freien Lauf lässt, wenn ihr danach ist: „Ich heule auch schon mal. Emotionen zu zeigen, macht einen auch insgesamt menschlicher. Das bin ich, das gehört zu mir und es ist mir auch wichtig, das zu zeigen.“

Es ist unübersehbar, dass sich Martina Strutz, die achtmal in der Woche intensiv trainiert, ihre Freiheiten und die Zeit, die sie für sich selbst braucht, nimmt und vielleicht ist gerade das auch eines ihrer Erfolgsgeheimnisse. „Sonst würde man das auch vom Kopf her nicht durchhalten.“ Wie es nach dem Abitur weitergeht, weiss sie noch nicht. Aber auch so ist schon einiges geboten im Leben der 20jährigen Stabhochspringerin, die sich auf die Suche nach vielen Dingen macht und noch etwas auf ihrem Wunschzettel stehen hat: „Ein bisschen älter, groß und auch ledig.“

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