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LIVE 2000 in Nürnberg

Baumann gelingt Comeback in Nürnberg

Die IAAF kann erneute Suspendierung aussprechen

25.06.00 (fc) Dieter Baumann stand in Nürnberg noch nicht einmal an der Startlinie, schon war die Aufhebung seiner Suspendierung noch vor der offiziellen Urteilsbegründung heiß diskutiert worden und schlug riesige Wellen. Für den Langstreckenläufer selbst stand aber seit Freitag nur – oder sollte man sagen, endlich wieder – der Sport im Vordergrund. Mit Sicherheitskräften, eigenem Fahrdienst und einem gesonderten Hotel wurde er vor dem Rennen vom Rummel abgeschottet. Er unterbot in beeindruckender Manier in 13:18,78 Minuten die vom DLV für Sydney geforderte Zeit. Aber noch bleibt ein Fragezeichen. Wie beurteilt der Weltverband IAAF den Fall endgültig?  

Gerade international wird die Aufhebung der Suspendierung teilweise noch kritischer gesehen als hierzulande. Galt das deutsche Dopingsystem in der Leichtathletik bisher als vorbildlich, befindet man sich plötzlich auf einer Stufe mit den Fällen Merlene Ottey, Javier Sotomayor und Linford Christie, die derzeit beim Schiedsgericht der IAAF anhängig sind. Auch deutsche Top-Athleten reagierten mit Verwirrung. Uta Pippig, die kürzlich ihre Dopingsperre ausgesessen hatte, fühlt sich vom DLV ungerecht behandelt. Aber gerade am Fall Baumann erkannte der Verband Defizite. Ob die Urteilsbegründung des DLV-Rechtsauschusses dem IAAF-Council im Fall Baumann ausreicht, wird sich demnächst zeigen. Der Tübinger muss mit einer neuerlichen Suspendierung rechnen, selbst wenn er das für so gut wie ausgeschlossen hält.

„Ich würde sagen, die Blutprobe ist das entscheidende Indiz schlechthin“, stellte Baumann seine Beweisführung vor und sah in der Untersuchung seines Blutes statt des Urins den „Turning Point“ in seinem Dopingverfahren. Das soll beweisen, dass der zeitliche Ursprung des Nandrolonbefundes im September liegt und zugleich aktives Doping durch Baumann ausschließen. Baumann zitierte auch ein kenianisches Sprichwort: „Wenn der Löwe kommt, dann findet er dich auch im Keller.“ Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass man sich nicht hundertprozentig schützen kann und verwies indirekt auf seinen Attentäter.

Im Frankenstadion lief er in Jubelpose über die Ziellinie. Es war ihm tatsächlich gelungen, sich voll auf die Mission Sydney zu konzentrieren und keinen hemmenden Gedanken nachzuhängen. Zum Ende des Meetings gab es eine öffentliche Pressekonferenz, die von den zahlreichen Medienvertretern mit Argusaugen verfolgt wurde. Auch anschließend stand Baumann noch minutenlang gekonnt Rede und Antwort und fiel seinen Freuden überglücklich freudestrahlend in die Arme. Im Vorfeld hatte er sich gerade gedanklich schon intensiv mit dem Comeback in Nürnberg auseinandergesetzt, um für diese Aufgabe gerüstet zu sein. Es wurde kein Spießrutenlauf. Von den Zuschauern kam deutlich mehr Sympathie als Kritik. Viele glauben an seine Unschuld.

Was bleibt, ist Baumanns Anschlagstheorie und die Frage, ob die Begründung des DLV-Rechtsauschusses dem Weltverband genügt, diesem Modell auch Glauben zu schenken. Dieter Baumann ist davon überzeugt und sieht sich auf Olympiakurs!

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