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Olympische Sommerspiele in Sydney

Das Gleichnis von der
Gazelle und dem Löwen

von Sandy Wilzek

23.09.00 (sw) Jeden morgen wacht in Afrika eine Gazelle auf und sie weiß, dass sie schneller sein muss als der schnellste Löwe, um nicht gefressen zu werden. Jeden morgen wacht in Afrika ein Löwe auf und weiß, dass er schneller sein muss als die langsamste Gazelle, um nicht zu verhungern.

Mit diesem Leitspruch lief Maurice Greene zu Olympischem Gold und es stellt sich nur die Frage, war er nun der Löwe oder die Gazelle, als er im ausverkauften Olympiastadion in Sydney am Start stand. Seiner Mimik nach zu urteilen, wird er wohl eher der Löwe gewesen sein, dem schon „das Wasser im Mund zusammenlief“ in Vorahnung an das „goldene Mahl“. Ohne auch nur seinem Freund und Trainingspartner Ato Boldon einen Hauch von einer Chance zu lassen, sorgte er kurze Zeit nach Marion Jones für das zweite amerikanische Leichtathletikgold.

Die 100 Meter der Herren waren dabei dieses Jahr eine Art interner Trainingsgruppenvergleich, wenn auch nur drei von vier Mitgliedern das Finale erreichten. Maurice Greene, Ato Boldon, Jon Drummond und Curtis Johnson, der es nicht bis in den Endkampf schaffte – im olympischen Finale wurden aus drei Freunden drei Feinde, die sich bekämpften, doch schon nach dem Zieleinlauf bedankten sich der Olympiasieger und der „Bezwungene“ gemeinsam auf der Bahn kniend bei Gott für seine Unterstützung. John Smith hat wieder einmal bewiesen, dass er einer der bester Sprinttrainer der Welt ist, und dass gesunde Konkurrenz innerhalb einer Trainingsgruppe überaus förderlich für das Leistungsniveau der Athleten sein kann. Vielleicht wäre das auch mal eine Möglichkeit für die deutschen Sprinter, die Probleme zu lösen, um in vier Jahren auch mal wieder einen deutschen Starter bis in das Finale zu bringen.

Ganz nebenbei hat sich Maurice Greene, der in Atlanta noch weinend auf der Tribüne gesessen haben soll, weil er nicht dabei sein durfte, als professioneller Showman erwiesen und die Schuhe seines Ausrüsters werbewirksam in die Kamera gezeigt – auch das ist Olympia 2000.

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